Kreis Neu-Ulm Unauffälliger Kiffer durch Zufall aufgeflogen

LISA MARIA SPORRER 27.02.2016
Ein schreiendes Kind, eine Aufzuchtanlage für Marihuana und verspätete Einsicht: In Neu-Ulm ist ein Mann wegen Drogenbesitzes verurteilt worden.

Er sei beileibe nicht der Erste, der seinen Drogenkonsum pflege, ohne dabei aufzufallen. Das sagte Richter Thomas Mayer am Freitag zu einem 45-Jährigen aus dem Kreis Neu-Ulm, der sich vor dem Schöffengericht wegen des Besitzes "nicht geringer Mengen von Betäubungsmitteln" verantworten musste. Aufgeflogen war der Angeklagte im August letzten Jahres wegen eines schreienden Kindes. Das zweijährige Mädchen stand um 3.45 Uhr in der Nacht weinend vor dem Haus des Mannes.

Eine Nachbarin fand in dem Haus, dessen Tür offen stand, zwei nicht ansprechbare Personen und rief den Krankenwagen. Die Polizei stieß auf Marihuana und geringe Mengen Amphetamin, in der Drogenszene als Speed bekannt. Substanzen, die auch im Blut des Angeklagten an jenem Abend nachgewiesen wurden. Aber, so betonte der Verteidiger, habe sein Mandant nicht mit Drogen gehandelt. Die Aufzuchtanlage für Marihuana, die sichergestellt wurde, habe lediglich dem Eigenkonsum gedient. Der Mann hatte einer Nachbarin mit ihrem Kind Unterschlupf gewährt.

Im Vorfeld der Gerichtsverhandlung wandte er sich an die Drogenberatung und unterzog sich knapp drei Monate lang einem Urin-Test, der ausnahmslos negativ ausfiel. Außerdem verzichtete er darauf, die Rechtmäßigkeit der Hausdurchsuchung anzufechten und legte stattdessen ein umfassendes Geständnis ab. Zwar könne man den Angeklagten in Bezug auf Marihuana als "reinen Freizeitkiffer" bezeichnen, sagte Richter Mayer, aber der gleichzeitige Besitz von Amphetaminen schließe eigentlich strafmildernde Umstände aus. Von "weichen" Drogen wollte Mayer ebenfalls nicht sprechen, er zweifelte ihre Ungefährlichkeit vielmehr an. So folgte er im Wesentlichen dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß und verhängte eine einjährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, zudem eine Geldstrafe von 3000 Euro - zu zahlen an das Diakonische Werk. Außerdem wird es unangekündigte Drogenscreenings geben.