Alles im Griff Umzug ohne Kochlöffel

White Stork - Ciconia ciconia (18 months) © Eric Isselée #12190,WEißstorch,Storch
White Stork - Ciconia ciconia (18 months) © Eric Isselée #12190,WEißstorch,Storch © Foto: Eric Isselée/Fotolia.com
Ulm / Samira Eisele 17.08.2018

Kochlöffel, Kochtöpfe, Topfpflanzen, Topflappen, Putzlappen, Putzmittel, Waschmittel, Waschmaschine, Küchenmaschine, Küchenregal, Bücherregal, Büchersammlung, Kochbücher, Kochlöffel – war der nicht schon eingepackt? Ach nein, es ist ein zweiter . . . Spätestens beim Umzug wird vielen Menschen klar, wie viel Zeug sie so haben. Doch anstatt eines Gefühls der Sicherheit und Wärme, kommt oft eher so was auf, beim Packen oder beim Anpacken, wie: „Wie viel Sch . . . das doch ist!“ Philosophische Geister, deren Umzugs-Zeitplan es zulässt, treibt auch gerne mal die Folgefrage um: Was davon brauche ich wirklich? Fragen wir doch mal eine Expertin, die sich mit Neuanfängen auskennt.

Hedwig Pogadl ist 54, Hebamme, betreibt in Blaustein die Praxis „Babyblau“ und hat selbst im Abstand von jeweils elf Jahren drei Kinder bekommen: Das Jüngste ist acht, die anderen entsprechend älter. Auch ein einjähriges Enkelkind hat die Blausteinerin schon. Was Menschen in unterschiedlichen Altersstufen für unverzichtbar halten, bekommt Pogadl also durchaus mit, im Privaten wie in der Praxis. Die Säuglingspflegekurse, verrät sie, laufen allerdings eher unter dem Motto: „Was sie alles nicht brauchen.“ Da wären zum Beispiel 20 Strampler in Kleidergröße 56, ein ganzer Haufen Cremes und Pflegemittelchen, Fläschchenwärmer – „alles zu viel!“ Denn das Problem sei, auch bei jungen Eltern und vor allem hierzulande gar nicht, an Dinge zu kommen, die vielleicht dann doch mal fehlen. Das Problem sei vielmehr dieses: „Die meisten haben sich lange überlegt, was sie brauchen – und nicht, wie sie sich in der neuen Situation fühlen.“ Deshalb, findet die Hebamme, braucht es ganz andere Dinge als den zweiten Kochlöffel in der Erstausrüstung. „Mut, Optimismus und gute Freunde.“ An Materiellem brauche man ohnehin nicht mehr, als das, was man in zwei Koffern transportieren kann. „Alles andere ergibt sich.“ Vor allem, wenn die Verbindungen zu anderen Menschen stimmen – die geben weiter, was sie nicht benötigen. Damit die Verbindung stimmt, gibt es, nach längerem Nachfragen, vielleicht doch eine Sache, die man laut Pogadl einpacken sollte, wenn man loszieht, in die große, weite Welt: „Ein Handy!“ Was wir schon deshalb gutheißen, weil wir Pogadl selbst auf dem Handy erreicht haben. Auf dem Weg zu Freunden, bei denen sie Urlaub macht. Mit zwei Koffern.

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