Rockkonzert Umstrittenes Rock-Festival startet entspannt

Amateurbands spielten gestern zum Auftakt des Deutschrock-Festivals „Rock dein Leben“ in Laichingen. Heute kommen „Unantastbar“ und „Krawallbrüder“, morgen „Berserker“ und „Frei.Wild“, vor denen bei einer Kundgebung gewarnt wurde.
Amateurbands spielten gestern zum Auftakt des Deutschrock-Festivals „Rock dein Leben“ in Laichingen. Heute kommen „Unantastbar“ und „Krawallbrüder“, morgen „Berserker“ und „Frei.Wild“, vor denen bei einer Kundgebung gewarnt wurde. © Foto: Oliver Schulz
Laichingen / Joachim Striebel 20.07.2018

Auf dem Laichinger Fluggelände steht Zelt steht an Zelt und Wohnmobil an Wohnmobil, Stromaggregate brummen: Das umstrittene Festival „Rock dein Leben“ hat begonnen. Zum Auftakt spielten am Donnerstagabend Amateurbands, für heute sind unter anderen „Unantastbar“ und „Krawallbrüder“ angekündigt, für Samstag „Berserker“ , die Hauptgruppe „Frei.Wild“ und weitere.

Einige der in Laichingen auftretenden Bands bewegten sich in der Grauzone von völkischen und rechten Botschaften, verwendeten in ihren Liedtexten menschenverachtende und diskriminierende Aussagen, hatten mehrere Gruppen bei Informationsveranstaltungen in Ulm und Blaubeuren und bei einer Kundgebung in Laichingen gewarnt. Sie sprachen vom größten „rechtsoffenen Rockfestival Süddeutschlands“.

Auf dem Festivalgelände kommen am frühen Abend immer mehr Besucher mit ihren Fahrzeugen an. Security-Mitarbeiter weisen den Fahrern den Weg und schauen, dass diejenigen, die sich zum Bühnenbereich bewegen, keine Glasflaschen oder gefährlichen Gegenstände dabei haben.

Klaus Wucherer stellt seinen zum Wohnmobil umgebauten Opel Blitz ab. Der 45-Jährige aus Dornbirn in Österreich war schon bei vier „Frei.Wild“-Konzerten. Er habe „mit Rechts gar nichts am Hut“, sagt er. „Zu Hause wähle ich Grün“. Marina und Daniel Gerkemeier haben sich aus Nordrhein-Westfalen auf die Alb locken lassen. Sie besuchen häufig Deutschrock-Festivals, rechtes Gedankengut werde da nicht verbreitet. Sie haben von den Diskussionen in Laichingen gehört. „Wir schmunzeln darüber“, sagt Marina Gerkemeier.

Die jungen Laichinger Florian Mangold und Fabian Daiber genehmigen sich an einem Stand ein kühles Getränk. Wenn schon mal was los sei in Laichingen, gehe man auch hin. „Man kann es als Versuch sehen“, sagt Florian Mangold. Wenn des Festival vorüber ist, könne man ein Urteil abgeben, aber eben nicht schon davor, meinen die beiden. Ein Laichinger Lehrer hatte vergangene Woche eine differenzierte Sicht geäußert: Solche Konzerte könnten eine „Einstiegsdroge“ sein.

„Hier gibt es keine Politik“, sagt Veranstalter Andreas Kamm zu seinem ersten Festival in dieser Größe, zu dem er 6000 bis 9000 Menschen erwartet. „Ich bin bekennender Antifaschist“, erklärt Kamm, der rund 400 Helfer im Einsatz hat. Allein das Security-Team umfasst 120 Personen.

Die Polizei ist präsent. „Wir sind auf alle möglichen Eventualitäten vorbereitet“, berichtet Uwe Krause vom Polizeipräsidium Ulm. Erkenntnisse zu geplanten Aktionen aus dem linken oder rechten Spektrum lägen nicht vor. Ein Augenmerk liege auf der Verhinderung von Straftaten wie Körperverletzungsdelikten oder Taschendiebstahl. „Auch das Thema illegale Drogen wird bei unseren Kontrollen eine Rolle spielen“, sagt Krause. Sollten extremistische Symbole zu sehen sein, werde dies verfolgt. „Bei vergleichbaren Veranstaltungen war das kein Thema.“ Die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter verlaufe unproblematisch. Bis Redaktionsschluss wurden gestern keine Vorkommnisse gemeldet.

Der Flugsportverein hat den Flugplatz vom 16. bis zum 23. Juli außer Betrieb genommen und dies mit einer „Notam“ (Notice to Airmen) Luftsportlern kund getan. Dennoch wollten, als bereits der Aufbau lief, auswärtige Segelflugpiloten landen. Sie wählten eine Außenlandung. Ohne Schäden, wie Alfred Schosser vom Vorstand des Flugsportvereins berichtet.

Helfer des Flugsportvereins nicht abgesprungen

Verein Der Flugsportverein Laichingen kümmert sich mit rund 30 Helfern um die Crew-Verpflegung und betreibt am Freitag und Samstag eine Bar. Von der Kritik an der Veranstaltung hätten sich die Aktiven nicht abhalten lassen, berichtet Alfred Schosser vom Vorstand des Vereins. Wie berichtet, war die Halle des Vereins im Februar beschmiert worden, unter anderem mit durchgestrichenen Hakenkreuzen. Es habe kein Täter ermittelt werden können, sagt auf Anfrage Uwe Krause vom Polizeipräsidium Ulm. Zudem sahen sich Verantwortliche des Vereins in anonymen Mails verbalen Angriffen ausgesetzt. In den vergangenen Wochen sei nichts mehr vorgekommen, berichtet Alfred Schosser.

Kritik Am Rande der Kundgebung am Samstag hatten einige Laichinger ihre Enttäuschung darüber geäußert, dass der Flugsportverein sein Gelände zur Verfügung stellt, um damit seine Kasse aufzubessern.

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