Blaustein Uferschutz durch Weidengeäst

Handarbeit im kalten Wasser: Eine alte Methode der Uferbefestigung mit Hölzern ist wieder im Kommen. Gestern wurde an der Lauter geübt.
Handarbeit im kalten Wasser: Eine alte Methode der Uferbefestigung mit Hölzern ist wieder im Kommen. Gestern wurde an der Lauter geübt. © Foto: Lars Schwerdtfeger
JOACHIM STRIEBEL 30.10.2014
Äste und Zweige statt Steine und Beton: 39 Mitarbeiter von Kommunen und Behörden haben am Mittwoch im Kleinen Lautertal gelernt, wie Flussufer auf ökologische Weise befestigt werden können.

"Lassen statt machen" heißt heute die Devise bei Bach- und Flussläufen. Das bedeutet, dass das Gewässer sich selbst den Weg suchen, auch mal übers Ufer treten darf, ohne dass es der Mensch in ein Korsett zwängt. Doch fast überall ist das wegen angrenzender Siedlungen oder landwirtschaftlicher Flächen nicht möglich. Schon seit Jahrhunderten werden Uferbereiche befestigt. Kam früher häufig Holz zum Einsatz, verwendeten die Gewässerbauer in jüngerer Vergangenheit Beton oder Steine. Jetzt gibt es einen Trend zurück zu den Wurzeln, zum Uferbau mit natürlichen Materialien, etwa Ästen und Zweigen von Weiden. "Ingenieurbiologische Bauweisen an Fließgewässern" lautete der Titel einer Veranstaltung der "WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung mbH" in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Alb-Donau-Kreis und der Stadt Blaustein.

Nach der Theorie im Rathaus, gingen die 39 Teilnehmer, darunter Mitarbeiter von Gemeinde-Bauhöfen und des Landesbetriebs Gewässer, an die Kleine Lauter. Sie übten in Lautern unter Leitung von Manfred Erhardt vom Fachdienst Umwelt und Arbeitsschutz des Landratsamts, wie ein Flussufer mit "lebendem Material" befestigt werden kann. Geübt wurden mehrere Methoden: Der Bau eines Weidenflechtzauns, bei dem Pfähle am Gewässerrand ins Bachbett gerammt werden und biegsame Weidenäste durchgeflochten werden. Und der Bau von Faschinen, das sind Bündel aus Weidenruten, die mit schräg eingeschlagenen Pfählen befestigt werden. Bei beiden Methoden wird der offene Zwischenraum zum Ufer hin mit geeignetem Erdmaterial aufgefüllt. Weitere Möglichkeit, vor allem für Böschungen, ist die so genannte Spreitlage: Ruten oder Reisig werden ausgelegt und befestigt, um die Fläche vor Erosion zu schützen.

Das Besondere beim Einsatz von Weiden ist, dass diese Wurzeln bilden und austreiben. "Im nächsten Jahr haben wir hier zwei Meter hohe Triebe", sagte Manfred Erhardt. Das ist durchaus erwünscht, denn so wird das Bauwerk zusätzlich gefestigt. "Das hält ewig", sagt der Fachmann. Erforderlich ist aber regelmäßige Pflege mit der Heckenschere oder der Motorsäge. Für enge Bachläufe, an denen auch Hochwassergefahr droht, ist diese "Ingenieurbiologische Bauweise" nicht geeignet. "Auch an der Iller brauchen wir damit nicht anzufangen", sagte Erhardt. Dort sei, etwa während der Schneeschmelze, die Fließgeschwindigkeit zu hoch.

Und was meint ein Praktiker zu den neuen, alten Methoden? Josef Wöhrle vom Bauhof in Oberstadion, der sich dort um den Stehenbach kümmert, sagt: "An ein paar Stellen kann man das anwenden." Der Bach habe aber auch tiefe Stellen, wo dies nicht funktioniere. Bisher habe der Bauhof alle Befestigungen mit Wackersteinen gemacht.

Erhardt zeigte, wie mit Weidenpfählen auch etwas für Bachbewohner getan werden kann. Eine kleine Reihe von Pfählen, das nennt sich dann Buhne, reicht ins Gewässer hinein, dahinter bilden sich Kolke und Sedimentablagerungen. Ein beliebter Unterstand für Fische.

Fortbildungen zu Gewässerökologie und Hochwasserschutz

Schulung Die "WBW Fortbildungsgesellschaft für Gewässerentwicklung" sitzt in Karlsruhe, Gesellschafter ist der Wasserwirtschaftsverband Baden-Württemberg. Sie bietet im Auftrag des Umweltministeriums Seminare an zur Ökologie und zum Hochwasserschutz.

Kooperation Die Fortbildungsgesellschaft kooperiert mit Behörden und Fachleuten vor Ort im Rahmen so genannter "Gewässernachbarschaften", von denen es 43 im Land gibt. Betreuer im Alb-Donau-Kreis ist Manfred Erhardt vom Landratsamt.

Praktiker Angebote zum Erfahrungsaustausch und Schulungen wie beim gestrigen Nachbarschaftstag richten sich an Praktiker, also an Mitarbeiter von Bauhöfen und Wasserbehörden. Mitveranstalter waren das Landratsamt und die Stadt Blaustein.

SWP