Blaustein Übergangsdomizil Klingensteiner Schulhaus

Blaustein / HELGA MÄCKLE 29.12.2015
Die Sanierung des alten Klingensteiner Schulhauses war nicht ganz einfach. Nun aber ist es so gut wie fertig, und die Mieter können einziehen: Menschen, die nur übergangsweise eine Wohnung brauchen.

Wie viele Kinder wohl schon über den Holzboden aus amerikanischem Redwood geflitzt sind, um rechtzeitig zum Unterricht auf ihren Plätzen im Klassenzimmer zu sitzen? Wie oft der Lehrer wohl die gebohnerte Holztreppe zu seiner Wohnung rauf und runter gelaufen ist? Generationen von Klingensteinern sind in das schmucke Gebäude mit den grünen Fensterläden an der heutigen B 28 in die Schule gegangen. Mit dem 1911 gebauten Haus, das heute als "altes Schulhaus" bekannt ist, dürften also zahlreiche Erinnerungen verknüpft sein - gute wie schlechte. Zuletzt war die Gustav-Leube-Förderschule dort untergebracht, dann stand das Haus an die zehn Jahre lang leer.

Inzwischen ist es saniert: 2014 hat Harald Gloning, Geschäftsführer der Arex GmbH, die unter anderem das Orange Hotel und die deutsche Friseurakademie in Neu-Ulm betreibt, das damals baufällige Gebäude neben der "Kalten Herberge" gekauft. Seine Tochterfirma, die Orange Blaustein GmbH, hat das Schulhaus in den vergangenen Monaten grundlegend saniert und sechs Wohnungen eingebaut. Im Erdgeschoss, wo früher das Klassenzimmer war, eröffnet im neuen Jahr ein Kinder-Kieferorthopäde seine Praxis. Das besondere an den Wohnungen ist das Konzept dahinter: "Wir vermieten an Leute, die kurzfristig und für eine Übergangszeit eine Wohnung brauchen", sagt Gloning. Das heißt, er sucht nicht wie die meisten anderen Vermieter nach Leuten, die langfristig einziehen. "Unsere Mieter sind in der Probezeit, haben einen befristeten Arbeitsvertrag, mussten aufgrund von Trennung daheim ausziehen oder brauchen nach einem Auslandsaufenthalt übergangsweise eine Wohnung." Entstanden sei die Idee für die kurzfristig mietbaren Appartements, nachdem die Friseurakademie in Neu-Ulm eröffnet wurde. "Die Leute kommen ja aus ganz Deutschland für ihre Meisterausbildung hierher, und alle brauchen übergangsweise kleine, möbilierte Wohnungen."

Daraus hat Gloning und seine Firma eine Geschäftsidee entwickelt. Inzwischen gibt es solche Appartementhäuser nicht nur am Firmensitz in der Neu-Ulmer Dieselstraße, wo gerade erweitert wird, sondern auch in Ulm, Langenau - und eben in Blaustein. Doch keine Regel ohne Ausnahme: In eine der Wohnungen im ersten Stock des Klingensteiner Schulhauses ist bereits eine Hebamme eingezogen. Eine langfristige Mieterin also.

Glonings Geschäft ist eigentlich, Appartementhäuser neu zu bauen. Aber an der alten Schule hat er einen Narren gefressen, das Haus sei was Besonderes. "Halb Blaustein ist ja dort zur Schule gegangen." Die alte Tafel aus dem Klassenzimmer hat er mitgenommen und in seiner Friseurschule aufgestellt. "Und hinter der Tafel war ein Kästchen, in dem der Tatzenstock aufbewahrt wurde. Der lag noch drin."

Die Sanierung allerdings "war schon eine Herausforderung". Denn das Gebäude war vor allem in Hinblick auf die Stabilität in einem schlechten Zustand, als Gloning es von der Stadt Blaustein gekauft hat. Die hatte zuvor bereits mit dem Abriss geliebäugelt - zu teuer schien die Sanierung des nicht denkmalgeschützten Schulhauses: "Es sackte nach einer Seite ab, hatte zum Teil drei Zentimeter breite Risse im Gemäuer", berichtet Gloning.

Zunächst musste es daher wieder auf ein sicheres Fundament gestellt werden. Dazu wurde im Keller eine 35 Zentimeter dicke Betonplatte gegossen und mit den Wandfundamenten verzahnt, so dass das alte Fundament nun entlastet ist. Zudem wurde das Gebäude mit Zugbändern und dicken Stahlseilen über alle vier Gebäudeecken verspannt. An den Ecken wurden außen Stahlkonstruktionen angebracht, über die die mächtigen Zugbänder befestigt wurden. Sie sind jetzt "versteckt" hinter grau-verkleideten Kästen, die kaum auffallen.

Gloning war nach eigenen Worten wichtig, "möglichst alles Alte zu erhalten". So wurde, um den schönen alten Redwood-Boden nicht zu zerstören, eine Deckenheizung eingebaut, ein in die Wand eingebauter Brunnen im Eingangsbereich wurde erhalten, ebenso wie das Treppenhaus und die alten Türen, die zum Teil noch Glasornamente haben. Wie viel Geld er für die Sanierung in die Hand nehmen musste, will der Geschäftsmann nicht sagen, der dafür aus dem Sanierungsgebiet "Stadelwiesen" Zuschüsse von Land und Bund erhalten hat. Für Harald Gloning hat sich das Ganze gelohnt: "Das ist schon eine besondere Location geworden."

Ungewöhnlich wohnen

Serie Einfamilienhaus, Reihenhaus, Wohnung. Das ist normal. Wir haben uns mal in der Region umgeschaut, wo Menschen auf ungewöhnliche Art und Weise wohnen: in ungewöhnlichen Gebäuden, in ungewöhnlicher Umgebung, in ungewöhnlichem Ambiente. Was wir dabei entdeckt haben, stellen wir Ihnen in den kommenden Tagen in einer kleinen Serie vor.

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