Freizeit TüchtigeTüftler mit flotten Flitzern

Von Michael Seefelder 27.08.2018

Ein NSU-Sport-Prinz, ein Bobby-Car, eine Gummimatte aus einem Kuhstall und ein Fahrradanhänger: Das sind die Rohstoffe für die selbstgebaute Seifenkiste von Lukas Wegmann aus Wain. „Ich glaub, da fließen noch einige Stunden Arbeit rein“, sagt der 17-Jährige und nimmt einen Akkuschrauber zur Hand. Denn an der Lenkung hapert es noch.

Wie viele andere Kinder, Jugendliche und Erwachsene wird Lukas am Sonntag, 2. September, beim vierten Seifenkistenrennen im Rahmen des Sommerferienprogramms in Wain an den Start gehen. Veranstaltet wird das Spektakel von der evangelischen Kirchengemeinde und dem Posaunenchor. Beginn ist um 9 Uhr mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Michaelskirche in Wain. Dann fällt der Startschuss, dieses Mal wieder am Brandweg nahe dem Koblerhof wie bei der ersten Auflage des Rennens.

Premiere 1999

Initiiert wurde das Seifenkistenrennen in Wain, das 1999 das erste mal stattfand, von Bezirksposaunenwart Markus Schließer. Der 51-Jährige war damals Mitarbeiter der Kinderkirche, als die Idee zu dem Ereignis entstand. „Kirche ist so eine Sache, da muss man brav sein. Ich dachte mir dann, die Jungs sind reif für ein Seifenkistenrennen“, erzählt Schließer schmunzelnd.

Eines der Kinder hatte damals  für ein Schulprojekt bereits eine Seifenkiste gebaut. Der Junge steckte mit seiner Begeisterung die anderen an, die zunächst gar nicht genau wussten, was das überhaupt ist. „Aber dann waren sie Feuer und Flamme“, berichtet Schließer. Seitdem wurde das Rennen drei Mal ausgetragen, immer mit einigen Jahren Abstand. Wie Schließer betont, hat das den Vorteil, dass immer neue Gefährte gebaut werden. Die Vorgaben klingen recht einfach: mindestens drei Räder, Lenkung, Bremse, nicht schwerer als 75 Kilogramm und selbst gebaut.

Für die jungen Tüftler bedeute die Konstruktion einer eigenen Seifenkiste viel Arbeit, aber sie verbesserten dadurch auch ihre handwerklichen Fähigkeiten, sagt Schließer. Für den Bau verwendet werden darf, was das Herz begehrt. „Ein Fahrrad oder ein Roller sind tolle Quellen. Aber ein Kinderwagen hat auch schon dran geglaubt“, erinnert sich Schließer. Ein Teilnehmer habe sogar ein Rad von Omas Rollator an die Seifenkiste montiert. Beim TÜV, bestehend aus Schließer und einem technisch versierten Freund, werden die Fahrzeuge vor dem Rennen auf ihre Tauglichkeit und Sicherheit hin kontrolliert.

Sondergenehmigung

Mit dabei sein wird dieses Jahr auch der 13-jährige Amos Frey. Mit dem gleichaltrigen Jan Hohensteiner hat er eine recht massive Seifenkiste gebaut. Ein altes Fahrrad wurde abgeflext, Amos Onkel hat die Hinterreifen besorgt. „Das ist ein großes Rad vorne, da machen wir eine Sondergenehmigung“, scherzt Organisator Schließer und lobt die beiden jungen Bastler. Gefallen findet er auch an der Idee des 15-jährigen Felix Geiger, einen Sitz aus einem alten VW Bus zu verwenden. Seifenkisten baut man schließlich mit dem, was man hat. Professionelle Gefährte aus Bausätzen mit hochwertigen Teilen seien beim Rennen nicht erwünscht, erklärt Schließer.

Denn es geht nicht nur um Leistung, sondern vor allem auch um Spaß. Zwar gibt es Pokale für die Erstplatzierten, jedoch auch einen Sonderpreis für das originellste Stück sowie Tassen und Urkunden für alle Teilnehmer.

Die Regeln für das Rennen

Austragungsmodus Die Teilnehmer des Seifenkistenrennens sind zwischen neun und 51 Jahre alt, wobei Organisator Markus Schließer der älteste ist. Gefahren wird in zwei Wertungen: Formel 1 für die unter 13-Jährigen und Formel 2 für die Älteren. Jede Seifenkiste fährt  zweimal den Berg hinunter, die Zeiten werden addiert. Die Strecke ist etwa 500 Meter lang. Angeschoben werden die Kisten nicht, sie rollen am Start einfach los.            

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