Fliegerei Traum vom Fliegen im Maßstab 1:3

Marcus Hausmann mit der Stampe SV4C im Modell und im Original. Beide Flugzeuge sind am Sonntag in Laichingen zu sehen.
Marcus Hausmann mit der Stampe SV4C im Modell und im Original. Beide Flugzeuge sind am Sonntag in Laichingen zu sehen. © Foto: Privat
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 07.09.2018

Marcus Hausmann ist Weltmeister im Modellfliegen mit seinem Modellnachbau des Doppeldeckers Stampe SV4C, einem französischen Zweisitzer von 1933. Bei den Weltmeisterschaften in der Schweiz Mitte Juli holte sich der Westerheimer den Titel in der Klasse F4H der vorbildgetreuen Flugzeugmodelle. „Die Klasse ist bestens geeignet für Wettbewerbseinsteiger“, sagt Hausmann bescheiden. Vor sechs Jahren habe ihn der Wettbewerbsvirus befallen. Eingeladen von Urlaubsbekanntschaften zu einem Flugtag in der Schweiz kam er mit seiner Piper an. „Ich wusste nicht, dass die Teilnahme nicht nur zum Spaß war, sondern etwas Ernstes.“ Sein Modell war eigentlich gar nicht für Wettbewerbe gebaut. „Ich hatte schon meinen Anspruch an Qualität, nicht aber an Wettbewerbstauglichkeit, aber ich konnte dort trotzdem ganz gut mitmischen.“ Von da an nahm er an deutschen Wettbewerben teil, Frau Margit und Sohn Matthias begleiteten ihn immer öfter.

Der Grundstein für die Modellflug-Leidenschaft war in seiner Kindheit gelegt. Die im Schaufenster des Spielwarengeschäfts seiner Heimatstadt Kochem an der Mosel ausgestellten Bausätze waren so verlockend, dass der Zwölfjährige dort seinen ersten Bausatz gekauft und die ersten Flugversuche unternommen hatte. „Das hat mich nicht mehr losgelassen.“ Nur sein Studium, später der Beruf und die Familiengründung ließen ihn das Hobby brach liegen. Vor sieben Jahren hat er wieder begonnen, baute größere Modelle und startete mit seiner Piper dann 2006 in der Schweiz.

Klar, dass ein solch Flugbegeisterter, auch wenn es die Modelle sind, die ihn faszinieren, die Flugtage benachbarter Flugsportvereine besucht. Nicht nur die kleinen, wie den in Laichingen, sondern auch den größten in Europa, das Oldtimer-Fliegertreffen auf dem Flugplatz Hahnweide nahe Kirchheim. Dort entdeckte er eine Stampe – und verlor sein Herz an diesen Doppeldecker. „Früher wurde die oft auf Flugtagen vorgestellt, doch seit einigen Jahren sah man sie gar nicht mehr.“ Vor zwei Jahren kaufte er sich einen Bausatz, wollte damit an den Deutschen Meisterschaften teilnehmen. Doch das schlimmste Szenario, das man sich vorstellen kann in der Modellfliegerszene, holte ihn ein: seine Stampe stürzte zwei Wochen vor den Meisterschaften ab. „Dabei hatte ich große Hoffnung, da wieder vorne mitzumischen.“

Doch unerschütterlich machte sich der Modellbauer ans Werk. Dieses Mal kaufte er keinen Bausatz, sondern konstruierte die Stampe selbst. Dabei kam ihm sein absolviertes Studium in Luft- und Raumfahrttechnik und sein Beruf als Maschinenschlosser zugute. Nicht minder seine Kenntnisse aus seinem jetzigen Beruf als Softwareentwickler: „Zur Not kann ich mein Programm für die Fernsteuerung selber schreiben.“ Als Vorlage diente ihm die originale Stampe des Riedlingers Volker Seeger. Fliegerkameraden hatten ihm damals den Tipp gegeben. Im Frühjahr war sein Nachbau der Stampe im Größenverhältnis 1:3 fertig. Marcus Hausmann testete sie und präsentierte sie der Jury an einigen Teilwettbewerben zur DM. „Ich wollte ausloten, anhand der Bewertungen der Preisrichter, wo ich stehe.“ Und dann holte er sich mit der Stampe mit ihren 2,80 Metern Spannweite den Weltmeistertitel.

Zwei Auftritte

Dieses Wochenende hat er gleich zwei Auftritte damit: Er ist Gast beim Flugtag des Laichinger Flugsportvereins, wo er Mitglied ist, und fliegt obendrein bei den Deutschen Meisterschaften in Bad Wörishofen. „Das kriege ich schon unter einen Hut“, meint er und lacht. Vor allem lockt ihn am Laichinger Flugtag am Sonntag, bei dem sein Modell gegen 11.20 Uhr und 16.35 Uhr in der Luft sein wird, ein Flug im Original, denn Volker Seeger wird mit seiner „Saustall-Stampe“ ebenfalls in Laichingen erwartet.

Auch das Flugverhalten soll dem Original gleichen

Details Marcus Hausmann ist Mitglied im Deutschen Aeroclub und im Bund Deutscher Modellflieger. Im Scale-Modellflug messen sich vorbildgetreue Modelle im Wettbewerb. In der Königsklasse, dem Fullscale, müssen sie in den Abmessungen exakt maßstabsgetreu sein und in den Details, etwa dem Ausbau des Cockpits und der Farbgebung, dem Vorbild entsprechen. Die vom Piloten selbst zu erbauenden Flugzeugmodelle sollen in Geschwindigkeit und Flugverhalten dem Original gleichen.

Wertung In der Klasse F4H, in welcher Marcus Hausmann Weltmeister ist, werden die Flugvorführungen (zwei von dreien kommen in die Wertung) zu zwei Dritteln bewertet, der Modellnachbau fließt zu einem Drittel in die Bewertung ein.

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