Blaustein / SAMIRA EISELE  Uhr
Ein Dorf ohne Häuser und trotzdem voller Einblicke: In Blaustein wird ein Steinzeitpark geplant. Wie er aussehen soll, steht jetzt - nach einiger Überlegung - fest.

Es ist nicht ganz einfach, sich das Leben vor 6000 Jahren vorzustellen. Auch nicht ganz einfach: Diese Vorstellung zu vermitteln – und zwar anhand eines unsichtbaren Steinzeitdorfs. Im Blausteiner Teilort Ehrenstein, direkt an der B 28, liegt solch ein Dorf. Die Häuser aus der Jungsteinzeit sind unter der Erde gut konserviert. Deshalb bleiben sie auch unsichtbar, obwohl sie als Teil des Unesco-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ nicht nur erhalten werden sollen, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.  Eine Herausforderung, die die junge Stadt an der Blau seit einiger Zeit beschäftigt. Nun haben die Stadt und der Förderverein Steinzeitdorf Ehrenstein eine wichtige Etappe gemeistert: Die Pläne für einen Steinzeitpark, eine Touristenattraktion und ein Anlaufpunkt für Blausteiner, sind fertig und die Baugenehmigung beantragt. Auch ein Tourismusantrag, der im vergangenen Jahr wegen einer noch nicht ausgereiften Planung zurückgenommen werden musste (wir berichteten) ist nun im zweiten Anlauf eingereicht worden.

Edmund Spengler, Landschaftsarchitekt und Vorstand des Fördervereins, und Hauptamtsleiterin Anke Jaeger ist anzumerken, dass sie sich mit den jetzigen Plänen wohl fühlen. Noch vor einem Jahr waren viele Aspekte der Parkgestaltung unklar. Rückblickend sagt Jaeger: „Uns fehlte das Bild – jetzt füllen wir es mit Inhalt.“ Höchste Zeit, sich das Bild – den Entwurf für den Steinzeitpark Ehrenstein – genau anzusehen. Und eine Vorstellung davon zu bekommen, wie dort wiederum eine Vorstellung vom Leben in der Jungsteinzeit entsteht.

Eingangsgebäude Ein Gebäude, viele Funktionen: Direkt nach der Ran-Tankstelle an der B-28-Abzweigung führt rechts ein Weg zum Eingang des Steinzeitparks. Hier gibt es Kassen, einen Museumskiosk, Toiletten und einen Ausstellungsraum für Vorträge und wechselnde Exponate. Für Touristen weniger wichtig, für Helfer umso mehr: ein Geräteraum und Umkleiden. In Parkrichtung entsteht hier ein  Café mit Plätzen für 40 Personen innen und einigen Tischen im Außenbereich. Für Hauptamtsleiterin Jaeger ist dieses Café ein wichtiger Aspekt des Parks: Während der Steinzeitpark von April bis Oktober geöffnet sein soll, ist das Café als ganzjähriger Gastronomie-Zuwachs für Blaustein geplant. „Und es gibt schon konkrete Anfragen“, sagt  Jaeger erfreut.

Brücke Vom Parkeingang aus links wird eine Brücke über die Blau gebaut. Sie ist der zentrale Weg, der vom Donauradweg zum Steinzeitpark führt. Jaeger vermutet hier die „Hauptzufuhr“ von Sommerbesuchern. Westlich der Blau wird das Parkgelände umzäunt, östlich bleibt es öffentlich. Die Idee, hier einen Ort für die Blausteiner zu schaffen, stellte die Planer vor einige Herausforderungen: Drei Brücken mit Drehkreuzen waren in der Diskussion. Mit der einen Brücke außerhalb des Zauns und dem zentralen Eingangsgebäude ist die Lösung gefunden.

Aktionsbereich Gleich hinter dem Eingangsgebäude beginnt der Aktionsbereich des Parks. Feuerstellen, an denen steinzeitlich gekocht werden kann, Fläche zum Werkzeuge testen – und die Hauptattraktion: die einzige Rekonstruktion eines Ehrensteiner Steinzeithauses. Das Haus, das der Förderverein aus Stein und Lehm selbst bauen wird, steht unter einem knapp neun Meter hohen Zeltdach. So soll der Park auch von der B 28 aus erkennbar sein. Noch eine Funktion hat die Stadt für den vorderen Bereich des Steinzeitparks und das Zeltdach vorgesehen: Hier können Konzerte, Theateraufführungen oder Lesungen stattfinden, am gegenüberliegenden Hang können Zuschauer Platz nehmen, so die Vorstellung von Landschaftsarchitekt Edmund Spengler.

Dorfgrundriss Mit Stahl umrandet und mit Holz und Lehm ausgekleidet – so könnten die Grundflächen der unterirdischen Häuser sichtbar gemacht werden, erklärt Edmund Spengler. Dadurch wird an der Oberfläche erkennbar, wie dicht das Dorf vor 6000 Jahren gebaut wurde. Zwischen den Haus-Grundflächen soll ein Knüppelpfad nachgebaut werden: eine „Straße von damals“ aus groben Holzscheiten.

Zeitreise zur Aussichtsbox Auf einem barrierefreien Pfad gelangen die Besucher zum höchsten Punkt des Parks: Auf dem Wall, der das Gelände westlich begrenzt, entsteht eine Aussichtsbox. Sie wird sechs Meter höher als das Dorfgelände liegen. Doch der Weg führt nicht nur nach oben, sondern auch zurück – und zwar in die Steinzeit. Anhand von Schautafeln leitet das pädagogische Konzept des Parks die Besucher 6000 Jahre in der Entwicklung der Menschheit zurück. Oben angekommen blicken die Besucher dann hinab – und sehen, so der Plan der Parkentwickler – nicht nur ein ehemaliges Kalkschlammbecken. Sondern vor ihrem inneren Auge ein Dorf, in dem auf einer Grundfläche von nur einem Hektar 600 Menschen leben. Jaeger: „In unseren Köpfen ist es schon.“

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Die Geschichte des Steinzeitdorfs Ehrenstein

4000 Jahre v. Chr: etwa 600 Siedler leben in der Talaue der Blau südöstlich von Ehrenstein. Sie betreiben Ackerbau und Viehzucht. Ihre Häuser sind aus Holz und Lehm, etwa sechs mal zehn Meter groß, haben zwei Zimmer und Öfen. Pro Haus leben acht bis zehn Menschen.

1952 Bei Baggerarbeiten am Blaukanal stoßen Arbeiter auf ein Tongefäß und mehrere Hirschgeweihstücke. Der Bagger sollte einen Damm für ein Schlammabsatzbecken des Kalkwerks Hilsenbeck & Co. aufschütten und zerstört einen breiten Streifen der Siedlung.

1960 Noch im Juni und November 1952 graben Archäologen erstmals, im Jahr 1960 wird systematisch vorgegangen. Zum Vorschein kommen 30 bis 40 Häuser aus der Jungsteinzeit. Sie liegen etwa einen Meter unter dem Grundwasser und bleiben dort, weil sie gut konserviert sind.

2011 Das Steinzeitdorf wird als Teil der „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“ zum Unesco Welterbe . Die Siedlung ist eine von etwa 120 Funden in Süddeutschland, eine der am besten erhaltenen, und wird als einzige der Schussenrieder Kultur (3950 bis 3840 v. Chr.) zugeschrieben.

2014 Nach 54 Jahren wird wieder gegraben. Das Landesamt für Denkmalpflege überprüft den Zustand der Häuser und findet unter anderem Getreide-Spelzen und Keramik. Aus einer Arbeitsgruppe entsteht in Blaustein der „Förderverein Steinzeitdorf Ehrenstein“ .

2016 Der Steinzeitpark Ehrenstein wird konkret. Architekt Eberhard Ludwig gibt die Baupläne für den Park bei der Stadtverwaltung ab, die Stadt beantragt Tourismusförderung. Auf dem Gelände sät Landschaftsarchitekt Edmund Spengler Gras ein und markiert Hausgrundrisse.

2022 Der Steinzeitpark wird voraussichtlich eröffnet. Der Zeitplan bis dahin: 2017 entsteht die Brücke über die Blau, 2018 das Eingangsgebäude, 2019 wird das Gelände umzäunt und ein Fundament für das Zelt gebaut. 2021 wird das Zelt fertig und ein Steinzeithaus nachgebaut.