Ungewöhnlicher tierischer Nachwuchs hat die Regglisweiler Familie Hampel überrascht: Eine Waschbärin hat auf ihrem Dachboden fünf Junge zur Welt gebracht. Bleiben durften sie aber nicht – schließlich handelt es sich um Wildtiere. Das musste die Familie am eigenen Leib erfahren, denn das erwachsene Tier machte mächtig Radau. Doch mit Hilfe des Jägers Benjamin Wirthgen und einem Trick, ist die Bande jetzt wieder aus dem Haus.

Paradies für Katzen

Das ehemalige Bauernhaus in Hanglage mit seinem naturbelassenem Garten ist eigentlich das Revier von Kater Leo, der zwischen Stadel, Dachboden und Wohnung umherstreift. Dieses Katzenparadies mit den unzähligen Versteck- und Klettermöglichkeiten hat der Waschbären-Mama offenbar zugesagt: Sie richtete ihre Wurfhöhle im hintersten Eck des nicht ausgebauten Dachbodens ein. Den Karton, der dort stand, stattete sie mit dem Styropor aus, mit dem praktischerweise die Hauswand isoliert war.
Familie Hampel hatte nicht mitbekommen, was sich da unter ihrem Dach zusammenbraute. „Eines Abends schaute uns Frau Waschbär in der Dämmerung mit großen Augen durch das Küchenfenster an“, erzählt Silke Hampel von der ersten Begegnung. Die Familie machte sich sofort auf die Verfolgung, entdeckte die Fußabdrücke bis hinauf in den Dachboden. Dort verlor sich die Spur.
Silke Hampel suchte Rat bei der Stadt Dietenheim, die sie wiederum an den zuständigen Jäger Benjamin Wirtgen verwies. Der vermutet, dass die Waschbärin vermutlich aus den angrenzenden Auwäldern gekommen ist. Da man sie weder jagen noch fangen darf, blieb nichts anderes übrig, als sie zu überlisten. Wirthgen riet der Familie die Waschbärin auszusperren. Dafür mussten sie Haus und Stadel bis auf ein letztes Schlupfloch komplett dichtmachen und letztlich auch das verschließen, als sie das Tier draußen entdeckten.

Suche nach Jungtieren

Dann ging es auf die Suche nach den Jungtieren. Denn der Wirthgen-Plan sah vor, diese mit einem Tuch zu fassen und sie der Mutter vor die Tür zu legen, in der Hoffnung, dass sie mit ihrer Familie dann in sichere Gefilde zieht. Doch die Suche nach dem vermuteten Nachwuchs blieb zunächst erfolglos.
„In der Nacht, nachdem wir es geschafft hatten, die Waschbärenmama auszusperren, hat sie verzweifelt versucht, zu ihren Jungen zu kommen“, sagt Silke Hampel. Sie machte „mächtig Rabatz“, klapperte am Stadeltor, ging die Dachrinne rauf und trampelte auf dem Dach herum. Auch das Fliegengitter der Terrassentür blieb nicht unversehrt und am Eingangsloch buddelte das Tier herum.
Am nächsten Morgen hörten die Hampels dann laute Schreie vom Dachboden. „Dann haben wir die fünf jungen Waschbären gefunden. Die Augen noch geschlossen, aber schon mit Fell“, erzählt Silke Hampel. Wirthgen schätzte das Alter auf etwa zwei Wochen. Wie vom Fachmann vorgeschlagen, wurden die Jungen am Abend vor den Ausgang gelegt. „Sie haben durchgehend nach ihrer Mutter geschrien“, erinnert sich Silke Hampel. Mit Erfolg: In der folgenden Nacht holte die Waschbären-Mama sie ab.

Süß, aber lästig

Der 14-jährige Felix Hampel fand die Waschbären „voll süß, faszinierend, schlau und geschickt“. Trotzdem ist seine Mutter froh, dass jetzt alle wieder weg sind.  Denn die Waschbären hielten die Familie doch einige Zeit mächtig auf Trab. Geblieben sind einige Spuren, die nicht nur Freude verbreitet haben. So wühlten die Tiere den Müll und den Kompost durch, wobei sie sich geschickt anstellten und sogar Klappen geöffnet haben. Besonders gestört hat Silke Hampel, dass „sie alles voll gepieselt und voll geschissen haben“.
Auch Kater Leo und die Waschbären werden wahrscheinlich keine Freunde mehr. Denn auch er wurde „angepieselt“ und hat übel gestunken. Zudem hat ihn der Waschbäre auch noch am Ohr verletzt. Jetzt jedenfalls hat Kater Leo sein Paradies wieder ganz für sich allein.

Eingewandert aus Nordamerika


Vorkommen Der Waschbär ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts auf dem europäischen Festland. Er war aus Gehegen entkommen. Waschbären sind überwiegend nachtaktive Raubtiere und leben bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwäldern. Sie sind Allesfresser.

Nachwuchs Nach einer Tragezeit von etwa 65 Tagen bringt das Weibchen im Frühling zwei bis fünf Junge zur Welt. Die Welpen werden dann von ihrer Mutter bis zur allmählichen Trennung im Herbst alleine aufgezogen.