Dienstleistung Telekom besteht auf Wechsel, der technisch unmöglich ist

Andreas Klaus hat inzwischen ein stattliches Paket von seiner Korrespondenz mit der Deutschen Telekom. Eine Lösung für sein Problem hat der deshalb noch lange nicht.
Andreas Klaus hat inzwischen ein stattliches Paket von seiner Korrespondenz mit der Deutschen Telekom. Eine Lösung für sein Problem hat der deshalb noch lange nicht. © Foto: Volkmar Könneke
Westerstetten / Helga Mäckle 15.11.2017
Deutlich zu wenig Bandbreite hat der Internetanschluss des Westerstetter Zahnarztes Andreas Klaus. Trotzdem soll er IP-Technik umstellen. Und: Sein normaler Telefonanschluss wurde ihm gekündigt.

Andreas Klaus hat inzwischen einen Migrationsbegleiter. Einen Mitarbeiter der Deutschen Telekom. „Der Mann bemüht sich“, sagt der Zahnarzt, der in Westerstetten seine Praxis hat. Der Betreuer habe die „Absurdität der Sachlage“ durchaus verstanden. Allerdings scheinen dem Mann die Hände gebunden zu sein gegen die Vorgaben des Telekom-Managements. Absurd ist Klaus’ Lage insofern, weil die Telekom ihn zwingen will, auf IP-Technik umzustellen. Allerdings funktioniert diese moderne Internet-Protokoll-Telefonie bei Klaus wegen der geringen Bandbreite seines Internetanschlusses gar nicht.

Seit fast 28 Jahren hat Dr. Andreas Klaus seine Praxis und seinen Anschluss bei der Telekom. Die Übertragungsrate seiner Telefonleitung ist mit 400 Kbit/s nicht gerade das, was man heutzutage leistungsstark nennt. Genau genommen ist es so, dass das Internet in Klaus’ Praxis „eher nicht funktioniert“. Der Zahnarzt nimmt seinen Laptop daher für Updates oder ähnliches mit nach Hause und aktualisiert dort seine Software. Aber das Telefonieren klappt, was für eine Arztpraxis nicht unwichtig ist.

Im Mai diesen Jahres hat Klaus Post von der Deutschen Telekom erhalten, darin das Versprechen: „Jetzt wird auch Ihr Anschluss modernisiert.“ Daten würden mit der IP-Technik schneller übertragen, mehr Sprachqualität beim Telefonieren, bessere Bild- und Tonqualität bei Videokonferenzen. Die Empfehlung der Telekom: Klaus solle umstellen. Mit mehr Qualität hätte der Westerstetter Zahnarzt kein Problem. Mit der Tatsache, dass ein solcher IP-Anschluss mit einer Datenübertragungsrate von 400 Kbit/s nicht funktioniert, allerdings schon. Dazu sind laut Telekom 2000 Kbit/s nötig.

Nach einem Anruf bei der Hotline habe die Telekom die Leitung zu seiner Praxis durchgemessen und bestätigt, dass die Umstellung auf die VoIP-Technik (Englisch: voice over internet protocol) tatsächlich nicht möglich sei. Die Telekom werde sich wieder bei ihm melden. Das tat sie im Juni tatsächlich. Der Inhalt des Schreibens ließ den Zahnarzt staunen: „Ihr Anschluss wird zum 11.10.2017 abgeschaltet.“

Klaus rief selbstredend sofort wieder bei der Telekom-Hotline für Geschäftskunden an, hörte das Gleiche wie schon zuvor und schickte vorsichtshalber per Einschreiben seinen Einspruch gegen die Kündigung. Bei einem Telefonat mit dem „Team Migrationsbegleiter für Ärzte“ Ende Juni wurde ihm versprochen, dass das Problem nach oben gemeldet werde. Und: Er bekomme Bescheid. Solange werde sein Telefonanschluss nicht abgeschaltet. Vorsichtshalber wandte sich Klaus Ende August an die Bundesnetzagentur. Diese antwortete, dass die Telekom verpflichtet sei, „einen Anschluss an das öffentliche Telekommunikationsnetz und den Zugang zu öffentlichen Telefondiensten bereitzustellen“. Ein Anspruch auf eine bestimmte Netztechnologie bestehe nicht. Trotzdem war Klaus beruhigt, dass ihm die Telekom seinen Telefonanschluss offenbar nicht kündigen darf.

Telekom empfiehlt Konkurrenz

Parallel hatte er Kontakt mit dem Kommunikations-Riesen, erzählt der Zahnarzt. Allerdings habe der „Fachsupport“ in Bonn keine Lösung für sein Problem finden können. Immerhin erreichte der Migrationsberater, dass die Kündigung des Telefonanschlusses erst zum 1. Januar gültig wird. Gleichzeitig sei ihm ein Anbieterwechsel nahegelegt worden, berichtet Klaus, der nicht verhehlt, dass er es ziemlich skurril fand, dass die Telekom ihn auf die Konkurrenz verwies.

Nachdem die SÜDWEST PRESSE eine Anfrage an die Pressestelle der Telekom gestellt hatte, bekam Dr. Klaus prompt einen Anruf von einer Kundenberaterin. Diese habe ihm mitgeteilt, dass die Kündigung bis Mai 2018 verschoben sei. Kurze Zeit später sei ihm per Mail ein neuer Tarif angeboten worden: „Neuer Name und gleiche Geschwindigkeit wie jetzt“, erzählt Klaus. „Damit würde alles beim Alten bleiben.“ Ob der Preis gleich bleiben wird, das allerdings bezweifle er doch sehr. Vielmehr vermutet er, dass der so hoch sein wird, dass er letztlich freiwillig seinen Anschluss kündigen wird.

Das haben bereits einige andere Westerstetter getan, weiß Klaus. Weil Unitymedia die Gemeinde mit Kabelfernsehen bedient, haben die Leitungen von ehemals Kabel BW eine höhere Bandbreite. „Ich bin kein Streithammel“, sagt Andreas Klaus. Er habe auch wenig Lust, sich ständig mit seinem Telefonanschluss zu beschäftigen. Womöglich befolge er deshalb einfach den Rat der Telekom – und wechsle zur Konkurrenz.

Telekom: Umstellung ist „tatsächlich schwierig“

Stellungnahme Die Telekom stelle ihr Netz schrittweise auf die neue IP-Technik um, teilt Philipp Kornstädt von der Pressestelle der Deutschen Telekom auf Anfrage mit. Alle Dienste – Telefon, Fernsehen und Internet – werden demnach in Zukunft auf dem einheitlichen Internet Protokoll laufen. „Dieser universelle Code sorgt für mehr Kapazität, Leistung und Benutzerfreundlichkeit im Netz.“  Nicht zuletzt werde es „in absehbarer Zeit“ keine Ersatzteile mehr für die herkömmliche Technik geben. Für die Umstellung auf IP muss laut Kornstädt aus rechtlichen Gründen ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Es erhielten nur die Kunden ein entsprechendes Schreiben, bei denen die Telekom den alten Vertrag nicht fortführen könne. „Wir stellen bis Ende 2018 alle Kunden auf IP um und alte Technik ab.“ Das bedeute, dass der alte Anschluss dann nicht mehr genutzt werden kann. Kornstädt räumt ein, dass die Umschaltung im Fall von Andreas Klaus „tatsächlich aus technischen Gründen schwierig“ sei. Man werde aber  im Frühjahr mit ihm die Alternativen besprechen.