Flussbau Teich-Pläne verunsichern Anwohner

Der Reichenbach bei Staig kurz bevor er in die Weihung mündet: Unweit des Wohngebiets „Saunfeld“ (rechts) soll ein Badeteich angelegt werden. Die Anwohner sehen das Vorhaben kritisch.
Der Reichenbach bei Staig kurz bevor er in die Weihung mündet: Unweit des Wohngebiets „Saunfeld“ (rechts) soll ein Badeteich angelegt werden. Die Anwohner sehen das Vorhaben kritisch. © Foto: Franz Glogger
Staig / Von Franz Glogger 17.04.2018

Seerosen, Flachwasserzonen für Amphibien, ein Spiel- und Badebereich mit Liegewiese. Diese Pläne für einen vom Reichenbach gespeisten Badeteich sind im Juni vergangenen Jahres im Staiger Gemeinderat vorgestellt worden. Bei den Anwohnern des Gebiets Saunfeld stießen sie auf Bedenken, durchnässte und bei Starkregen sogar vollgelaufene Keller könnten die Folge sein. 55 Hausbesitzer forderten daher per Unterschriftenliste ein klärendes Gespräch mit Verwaltung und Gemeinderat.

Inzwischen sind die Pläne für das Projekt geändert worden, das „Sekundärbiotop“ rückt demnach etwa 60 Meter weiter von den Häusern südlich der Talstraße weg. Das Gespräch hat aber bis heute nicht stattgefunden. Nun hat Bürgermeister Martin Jung eine Bürgerinformation anberaumt. Diese soll am Dienstag, 24. April, um 18.30 Uhr im Bürgersaal beginnen.

Das Hauptargument der Anwohner lautet: Mit dem Teich werde der Grundwasserpegel angehoben, die Abflussgeschwindigkeit verringert. Nasse Keller seien damit programmiert. Gefährdet seien vor allem die älteren Häuser. Schon bei einem normalen Regen schwelle der Reichenbach noch stundenlang an, und das unbebaute Nachbargrundstück stehe unter Wasser, sagt Anwohner Eugen Schönle. Was ein Starkregen anrichten könne, hätten die Bewohner des Gebiets „Hinter den Tannen“ im vergangenen Jahr erfahren – und das in Hanglage. Das „Saunfeld“ befinde sich in „totaler Tallage“ mit einem großen Wasser-Einzugsgebiet, das bis Ammerstetten und Weihungszell reiche.

„Noch haben wir trockene Keller“, sagt Hannes Pyhan. Sein Nachbar Günter Becker und er fürchten sogar um die Standfestigkeit ihrer Häuser. Der Baugrund sei in dem Bereich „kritisch“, die Gemeinde habe die Grundstücke seinerzeit ohne Hinweise darauf verkauft. Die Folge: Viele Eigentümer hätten mit hohem Kapital- und Arbeitsaufwand für Standfestigkeit sorgen müssen. Nun befürchten sie, dass mit den Grundwasser-Eingriffen auch geologische Probleme einhergehen. „Schon die kleinsten Änderungen können für eine Instabilität sorgen“, sagt Pyhan.

Weitere Befürchtungen sind eine Mückenplage, nervenzehrende „Froschkonzerte“ und Lärm durch die Nutzer der Freizeiteinrichtungen. Heute schon gehe es auf dem 200 Meter entfernten Sportplatz des SC Staig mehrmals im Jahr recht laut zu. Vom knapp 60 Meter entfernten Teich sei dann „Lärm über die ganze Schönwetterperiode hinweg“, zu erwarten, meint Günter Becker. Ein Freizeitangebot an einem Biotop sei ohnehin fragwürdig. Becker hat deshalb beim Petitionsausschuss des Landtags eine Anfrage eingereicht, ob Zuschüsse für ein solches Vorhaben gerechtfertigt seien. Die Antwort stehe aus.

Nun sind Becker, Schönle, Pyhan und ihre Unterstützer gespannt auf die Informationen seitens der Gemeinde. „Wenn unsere Befürchtungen unbegründet sind, dann wollen wir plausible Erklärungen dafür“, sagt Eugen Schönle. Bislang fühlen sich die Anwohner durch das Rathaus nur häppchenweise unterrichtet, Hannes Pyhan betont deshalb: „Wir wollen Informationen und mit dem Gemeinderat ins Gespräch kommen.“

Renaturierung ist fast ein Millionen-Vorhaben

Weihung Die Pläne zur Renaturierung des Flüsschens sehen insgesamt mehr als zwölf Einzelprojekte vor. Der Badeteich an der Mündung des Reichenbachs ist davon das größte. Vorgesehen sind zum Beispiel Aufweitungen des Bachbetts, Ausleitungen in die Aue und der Abbau von Schwellen, die eine Wanderung von Wasserlebewesen verhindern. Im Rahmen der derzeit laufenden Flurbereinigung im Teilort Steinberg sollen die nötigen Uferbereiche erworben werden. Für die mit knapp einer Million Euro angesetzte Renaturierung erwartet die Gemeinde Staig einen Zuschuss von 85 Prozent.

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