Soziales Taschengeldbörse hilft Alt und Jung

Sibylle Meyer zeigt die Flyer der Taschengeldbörse. Bei ihr laufen die Fäden zusammen.
Sibylle Meyer zeigt die Flyer der Taschengeldbörse. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
Laichingen / Sabine Graser-Kühnle 23.08.2018

Einfach mal anpacken“. Unter dieses Motto stellt Sibylle Meyer von „Mola“, der Laichinger Vermittlungsstelle für Ehrenamt, ihr neues Projekt, die Taschengeldbörse. Es hilft älteren oder behinderten Menschen, die selbstständig leben, aber dennoch in manchen einfachen Dingen des täglichen Lebens Unterstützung brauchen. Etwa bei der Gartenarbeit, bei der schon das Rasenmähen zu anstrengend sein kann. Oder wenn man mal nicht selber mit dem Hund Gassi gehen kann. Mag der Weg zum nächsten Supermarkt noch gut zu bewältigen sein, kann es schwer sein, den wöchentlichen Einkauf nach Hause zu tragen.

Kraft und Wissen einbringen

Laichinger Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren sind die Zielgruppe von Sibylle Meyer. Sie können ihre jugendlichen Kräfte, ihre Zeit und auch ihr Wissen einbringen. Obendrein gibt es ein paar Euro Taschengeld für die Jugendlichen, denn fünf Euro je Stunde muss es den Menschen schon wert sein, dass sie nicht nur Unterstützung finden, sondern obendrein eine kurzweilige Zeit mit netten Jugendlichen haben.

Sibylle Meyer denkt auch an Menschen, die kaum Kontakte haben, denen ein Gesprächspartner oder ein Begleiter bei kleinen Spaziergängen fehlt. Oder an den Senior, den sein Computer oder das Smartphone manchmal an den Rand des Wahnsinns bringt. Selbst Babysitter könnten über die Taschengeldbörse vermittelt werden, Voraussetzung dafür ist jedoch der Besuch eines entsprechenden Kurses bei der Volkshochschule. Die Taschengeldbörse kann Nährboden sein für zahlreiche weitere Ideen.

Bei Sibylle Meyer von „Mola“ (Motiviert in Laichingen) laufen die Fäden zusammen. Sie ist überzeugt, dass unter den 14- bis 18-Jährigen große Bereitschaft zur Hilfe vorhanden ist. Die Taschengeldbörse war ein „Kind“ der Agenda 21, die 2001 ins Leben gerufen wurde als bürgerschaftliche Bewegung, die als Ideen- und Impulsgeber Nachhaltiges in der Stadt anstoßen sollte. Daraus hervorgegangen sind unter anderem der Tafelladen, der Schülermittagstisch und der Smaily-Bus.

Sibylle Meyer, Mitglied der Agenda-21-Bewegung, hat nun die Idee mit der Taschengeldbörse aufgegriffen. Die Vorbereitungen zu diesem Projekt dauerte einige Jahre, berichtet sie, denn die Bürokratie stellte sie vor manche Hürden. Insbesondere die Tatsache, dass die Schüler als Gegenleistung für ihre Hilfe bezahlt werden sollen, führte zu Problemen versicherungstechnischer Art. „Aber jetzt ist alles geklärt, die Taschengeldbörse kann nach den  Sommerferien mit Beginn der Schule starten“, sagt sie erleichtert.

Manche Senioren haben in der Vergangenheit schon bei ihr angeklopft und um Hilfe aus ehrenamtlichem Engagement gebeten, etwa beim Keller entrümpeln. „Die Nachfrage ist ebenso da wie die Bereitschaft zur Hilfe, da bin ich sicher.“ Wichtig ist ihr nicht nur die Hilfeleistung, sondern der generationsübergreifende Kontakt und das soziale Engagement der Jugendlichen.

Am Ende erhalten die jungen Helfer eine Bescheinigung für die geleisteten Stunden. Auch ein Zertifikat für soziales Engagement, wichtig für eine spätere Bewerbung, kann sich Sibylle Meyer gut vorstellen. Das ist dann jedoch Sache der Schulen. Am liebsten wäre es ihr, wenn sich die Taschengeldbörse als ebenso nachhaltig entpuppen würde wie der Mittagstisch oder der Einsatz der Streitschlichter an den Schulen.

Flyer wird an den Schulen verteilt

Anmeldung Ein Flyer mit Informationen zur Taschengeldbörse wird nach den Ferien an den Schulen ausgegeben. Damit können sich Interessierte zur Teilnahme anmelden und angeben, welche Tätigkeiten sie übernehmen möchten. Bei Jugendlichen ist das Einverständnis der Eltern erforderlich.

Kontakt Wer Hilfe haben möchte, kann sich bei „Mola“ im Regionalbüro Laichingen, Am Marktplatz 23, informieren und einen Info-Flyer für das Hilfegesuch holen.  Sibylle Meyer gibt die Kontaktdaten der passenden Helfer weiter. Wer Hilfe der Schülerinnen und Schüler annehmen möchte, nimmt selber Kontakt auf und entlohnt sie direkt. Das Büro in den Räumen der LWV-Eingliederungshilfe ist dienstags von 10 bis 13 Uhr besetzt.

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