Betreuung Tagesmutter: Ein Euro mehr ist nicht genug

Von Samira Eisele 31.08.2018

Die Betreuung ist gut, die Bezahlung nicht. Etwas verkürzt drückt dieser Satz aus, wie Anna-Sarah Riadi, Tagesmutter aus Blaustein, ihre Arbeitssituation einschätzt. Die Bertelsmann Stiftung hat am Dienstag eine Studie veröffentlicht, laut der die Kitas in Baden-Württemberg im Bund besonders gut abschneiden: mit einem Betreuungsschlüssel von rund 3,1 Kindern unter drei Jahren pro Erzieherin. In der Kindertagespflege dürfte die Situation vergleichbar oder „minimal besser“ sein, sagt Riadi: Tagesmütter im Land dürfen höchstens fünf Kinder gleichzeitig betreuen, zu zweit höchstens sieben, eine offizielle Erhebung des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) erhob im März einen Schlüssel von 3,38 unter Dreijährigen pro Tagesmutter – allerdings betreuen diese oftmals nebenberuflich einzelne Kinder. Doch die Anerkennung, die den Kitas zum Beispiel nach der jüngsten Studie zuteil wird, fehlt der 32-Jährigen – vor allem finanziell. Als Mit-Initiatorin der „Aktion Baustein“ kämpft sie für bessere Arbeitsbedingungen in der Kindertagespflege.

Schockiert über Studie

Mitte Juli veröffentlichte der Landesverband Kindertagespflege in Baden-Württemberg eine Studie, laut der Tageseltern im Land weniger als die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns verdienen. Riadi war als einzige Vertreterin der Tagesmütter in Stuttgart dabei, als die Ergebnisse der Studie verkündet wurden. „Da stand ihnen schon der Mund offen“, sagt die Blausteinerin über die Reaktionen der Vertreterinnen von Tagesmütter-Vereinen. Selbstständige Tagesmütter (der Anteil männlicher Tagespflegepersonen liegt in Baden-Württemberg nur bei rund drei Prozent) verdienen demnach rund 4,08 Euro pro Stunde. Unter anderem deshalb, weil nur die Zeit bezahlt wird, in der sie Kinder betreuen. Die Zeit für Elterngespräche. Einkäufe, Vorbereitungen und Reinigungsarbeiten wird nicht berücksichtigt.

„Total schockierend“ findet Riadi diese Ergebnisse. Sie möchte sich dafür stark machen, dass Tagesmütter „mindestens den Mindestlohn“ verdienen: So formuliert der Landesverband die Forderung. Der gesetzliche Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde gilt jedoch nur für Angestellte, die Kindertagespflege ist außerdem kein einheitlicher Ausbildungsberuf.

Einen ersten Schritt zur besseren Bezahlung macht Kultusministerin Susanne Eisenmann. Vor rund einem Monat hat sie verkündet, dass Tagesmütter einen Euro mehr pro Kind und Stunde verdienen sollen. „Wir sind generell über diesen Euro glücklich“, sagt Riadi. Allerdings fordert sie: Die Erhöhung soll rückwirkend ab dem 1. Januar 2018 ausbezahlt werden. Auch andere Tagesmütter im Kreis drängten auf die Umsetzung, sagt Riadi, die gut vernetzt ist.

Die Absichtserklärung der Ministerin müsse zunächst von den zuständigen Gremien zu einer Empfehlung ausgearbeitet werden, erklärt Heide Pusch vom Landesverband: Kreistag, Städtetag und KVJS tagen im Herbst, die Umsetzungsempfehlung an Kreise und Kommunen werde deshalb voraussichtlich Ende des Jahres, die Umsetzung zum Jahr 2019 kommen.

Aktion trägt Früchte

Den „Kampf um Kleinigkeiten“ findet Tagesmutter Riadi hin und wieder „ermüdend“. Trotzdem möchte sie weitermachen, auch mit der „Aktion Baustein“. Zwar sei noch keine neue Aktion der Initiative spruchreif, doch eine aus dem Frühjahr trage bereits Früchte. Nach einer Unterschriftenaktion mit der Forderung nach zwei Euro Zuschuss durch die Kommunen im Kreis habe es in Dornstadt, das bisher einen Euro bezahle, ein Gespräch gegeben. Hauptamtsleiter Jörg Hunke bestätigt, dass ein Vorschlag zur Neuregelung der Zuschüsse intern abgestimmt wird.

Tageseltern werden gesucht

Ausschreibung Aktuell sucht der Tagesmütterverein Alb-Donau-Kreis nach einer Kinderfrau, die in Ehingen ein eineinhalbjähriges Kind an ein bis zwei Vormittagen pro Woche und zusätzlich die beiden Geschwister (vier und fünfeinhalb Jahre alt) abends, ein bis zweimal pro Woche betreuen kann. Nähere Informationen: Mirjam Langer, Tel. (07391) 7 792471 oder E-Mail: mirjam.langer@alb-donau-kreis.de.

Nachfrage „Wir können nie genug Tagesmütter haben“ drückt Andrea Johnson vom Tagesmütterverein die Situation im Alb-Donau-Kreis aus: Gerade in größeren Orten wie Blaustein, Erbach, Dornstadt und Langenau und allgemein in der Nähe von Ulm sei die Nachfrage groß.

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