Ulm SWU-Neubau wird deutlich teurer

Im öffentlichen Fokus: Der K-3-Neubau an der Karlstraße, den die Stadtwerke einen privaten Investor hinstellen lassen und dann mieten. Er wird nach jetzigem Stand der Dinge alles in allem 42,8 Millionen Euro kosten. Foto: Matthias Kessler
Im öffentlichen Fokus: Der K-3-Neubau an der Karlstraße, den die Stadtwerke einen privaten Investor hinstellen lassen und dann mieten. Er wird nach jetzigem Stand der Dinge alles in allem 42,8 Millionen Euro kosten. Foto: Matthias Kessler
Ulm / HANS-ULI THIERER 18.02.2013
Böse Überraschung: Das Bürogebäude K 3 der Stadtwerke an der Karlstraße wird um etliche Millionen teurer als ursprünglich gedacht. SWU-Chef Matthias Berz nennt erstmals öffentlich Zahlen und Gründe.

Im späten Frühjahr werden 200 SWU-Mitarbeiter in den Bürocenter-Neubau einziehen, der an der Karlstraße 3 liegt und der deshalb K 3 genannt wird. Der Neubau sorgt seit Monaten für Furor: Unter der Belegschaft, weil es mit der Geschäftsführung, vornehmlich mit SWU-Chef Matthias Berz, Reibereien um Bürogrößen und -zuschnitte gab; und um die Frage, welche Vor- und Nachteile Großraumbüros haben. Berz sagt, diese Konflikte seien ausgeräumt worden, ehe eingeräumt wird.

Weiter für Diskussionen sorgen hingegen die Kosten. Sie sind inzwischen für den fünfstöckigen Komplex auf 42,8 Millionen Euro gestiegen. In einer Mitteilung nehmen die SWU erstmals öffentlich Stellung, Berz schlüsselt Zahlen auf.

Die SWU werden in dem Neubau Generalmieterin sein. Zwei Fünftel der Fläche werden untervermietet, zum Beispiel an den Ebner-Verlag. Bauherr und Investor ist die Projektgesellschaft IVU GmbH und Co KG, Friedrichshafen. IVU trägt die Baukosten von 32 Millionen Euro (aktuelle Schätzung). Das Grundstück bleibt im SWU-Eigentum (Info-Kasten links). "Als Grundstückseigentümer und Hauptmieter tragen die Stadtwerke weitere 10,8 Millionen Euro (ergibt zusammen 42,8 Millionen, d. Red.) für Gewerke, die aus guten Gründen nicht in der ursprünglichen Investoren-Ausschreibung enthalten waren", sagt Berz. Der Aufsichtsrat habe diesen Eigenanteil im Rahmen der Wirtschaftspläne, verteilt auf die Baujahre, gebilligt. Es handele sich um folgende, in der Mitteilung als "SWU-Eigenleistungen" titulierte Kosten:

Mit drei Millionen Euro zu Buche schlage der Aufwand für das Grundstück. Dabei sei Unvorhersehbares zu bewältigen gewesen: Beim Abriss der alten Gebäude seien Altlasten festgestellt worden, "die über das hinausgingen, was im Vorfeld erkennbar war". Der Boden sei mit Bauschutt und Müll aufgefüllt gewesen. Zudem seien die Bagger auf tief gelegene, in keinem Plan eingezeichnete Untergeschosse gestoßen, die nach dem Krieg überbaut worden seien. Diese Materialien hätten entfernt werden müssen.

Bewusst nicht in der Ausschreibung enthalten gewesen sei die Gestaltung des Vorplatzes zur Kreuzung Karlstraße/Neutorstraße hin. Und zwar deswegen nicht, weil dort künftig die Linie 2 der Straßenbahn fahren werde. Zwischen den SWU-Gebäuden entstehe die Auffahrt zur neuen Straßenbahnbrücke über die Bahn. Der Vorplatz werde vorübergehend als Ausweichfläche für den Autoverkehr benötigt und könne erst hernach gestaltet werden.

"3,9 Millionen Euro entfallen auf die Ausstattung des Gebäudes", erläutert Berz weiter. Damit sei mehr als nur die Möblierung gemeint, die Wünsche der künftigen Mieter zu berücksichtigen habe und daher ebenfalls bei der Investoren-Ausschreibung im Jahr 2010 weggelassen worden sei. Zur Ausstattung gehörten die Einrichtung der SWU-Kantine und einer Tagesstätte für Kinder bis drei. Die Kita, betrieben von der Arbeiterwohlfahrt Ulm, sei für Kinder der SWU-Mitarbeiter gedacht, nehme aber je nach Kapazität auch den Nachwuchs von Familien der übrigen Mieter oder städtischer Mitarbeiter auf.

Noch mal 3,9 Millionen Euro beträfen Aufwendungen für die Haustechnik. "Als das Bürocenter 2005 geplant wurde, konnte niemand die Weiterentwicklung der Medientechnik voraussehen. Einen Standard zu planen und zu kalkulieren, der über die Bezugsfertigkeit hinaus ausreichen würde, war unmöglich", sagt Berz. Ähnliches gelte für die Beleuchtung. Die LED-Technik sei seit den ersten Planungen so weit vorangeschritten, dass ein Einsatz von stromsparenden, aber teureren Leuchtdioden heute sinnvoll sei. Zur Haustechnik zählten versetzbare System-Trennwände, um die Bürogrößen problemlos verändern zu können, und eine Schließanlage, die nach unseren Informationen schlicht vergessen worden war.

Über allem stehe, dass der Neubau energetisch gesehen ein Vorbild werde (siehe rechten Info-Kasten).

Berz: "Dies wird von den SWU erwartet, entsprechend waren die Vorgaben des Aufsichtsrats. Aber auch das hat seinen Preis."