Ulm/Leipheim SWU-Kraftwerk in Leipheim soll von 2017 an die Versorgung stabilisieren

Ulm/Leipheim / THOMAS STEIBADLER 11.04.2014
Von der Bremse aufs Gas: Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm beschleunigen die Planung ihres Kraftwerksprojekts in Leipheim. Die Gas-Turbine soll als Reservekapazität zur Stabilität des Stromnetzes beitragen.

Auf Eis habe die Planung nicht gelegen, sagt Bernd Jünke, Pressesprecher der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Aber das Projekt eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Flugplatzes in Leipheim sei in den zurückliegenden Monaten nur verlangsamt betrieben worden. Eine Investition von etwa 900 Millionen Euro schien sich angesichts der Überkapazitäten auf dem Strommarkt nicht zu rentieren. Doch nun dreht sich der Wind. Die Stadtwerke treten aufs Gas, wollen das Projekt in zwei Stufen verwirklichen. In drei Jahren soll (wie gestern kurz berichtet) eine Gas-Turbine betriebsbereit sein. Die Kosten gibt Jünke mit 250 bis 400 Millionen Euro an.

Spätestens Ende 2015 wird der Energiekonzern Eon sein Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld (Kreis Schweinfurt) vom Netz nehmen. Zwei Jahre später folgt Block B in Gundremmingen. Der Atomstrom soll so weit wie möglich durch Wind- und Sonnenstrom ersetzt werden. Wenn die so genannten Alternativen nicht genügend liefern und die Stromversorgung gefährdet ist, sollen Reservekraftwerke an- und einspringen. Wie viel Reservekapazität benötigt wird, legt die Bundesnetzagentur in Absprache mit den Stromnetzbetreibern fest. So steht es in der Reservekraftwerksverordnung, die Mitte vergangenen Jahres in Kraft getreten ist.

In ihren bislang veröffentlichten Prognosen geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass bis zum Winter 2015/16 genügend Reservekraftwerke zur Verfügung stehen. Für den 2. Mai kündigt die Behörde allerdings die Ergebnisse einer „verfeinerten Untersuchung“ an. Nicht ausgeschlossen, dass die Bedarfsprognose nach oben korrigiert wird. Und für die Zeit nach dem Abschalten von Block B in Gundremmingen am 31. Dezember 2017 hat Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, bereits Kraftwerksbedarf angemeldet. Gegenüber dem „Handelsblatt“ sagte er kürzlich: „Wir benötigen ausreichende Reservekapazitäten. Aber diese zu generieren, sollte bis 2017 gelingen.“

Hier wollen die Stadtwerke mit ihrer Gas-Turbine ins Spiel kommen. Spätestens bis Mitte 2017 soll sie betriebsbereit sein, sagt Pressesprecher Jünke. Das Verfahren für den projektbezogenen Bebauungsplan solle nach Möglichkeit noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Der Antrag für die Betriebsgenehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz werde bereits vorbereitet, solle 2015 bei der Regierung von Schwaben eingereicht werden. Verhandlungen mit möglichen Partnern, um eine Projektierungsgesellschaft zu gründen, und das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen, seien bereits weit gediehen. „Mehrere mittelständische Unternehmen in öffentlicher Hand haben Interesse bekundet“, teilen die SWU mit. Auch ein Anlagenbauer solle zu den insgesamt fünf Gesellschaftern gehören. Die Stadtwerke selbst wollen zehn Prozent der Anteile halten, zusammen sollen die öffentlichen Partner in der Gesellschaft das Sagen haben: „Das wird ein kommunales Unternehmen.“

Der Kraftwerksstandort auf dem früheren Fliegerhorst ist nach Ansicht der Stadtwerke ideal. Das interkommunale Gewerbegebiet an dem der Kreis Günzburg, die Stadt Leipheim und die Gemeinde Bubesheim beteiligt sind, ist insgesamt 112 Hektar groß. Davon sind 18,5 Hektar (mehr als 20 Fußballplätze) für das Kraftwerk reserviert, die SWU verfügen über eine Kaufoption. Das Ferngasnetz sei lediglich fünf Kilometer entfernt, zur Höchstspannung-Stromtrasse mit 380 Kilovolt sind es vier Kilometer.

Betreiber dieser so genannten Stromautobahn und potentieller Abnehmer des mit der Gas-Turbine produzierten Stroms ist Amprion. Andreas Preuß, Pressesprecher des in Dortmund ansässigen Unternehmens, hält sich bedeckt, was den zukünftigen Bedarf an Reservekraftwerken betrifft. Diesen zu veröffentlichen, sei Sache der Bundesnetzagentur. Erst dann werde der jeweilige Netzbetreiber Bau und Betrieb eines Kraftwerks ausschreiben.

Wenn es soweit ist, wollen die Stadtwerke bereit sein. Die Gas-Turbine werde nach Ansicht des Unternehmens etwa 500 Stunden pro Jahr in Betrieb sein und damit rentabel arbeiten, sagt Bernd Jünke: „Etwas Unwirtschaftliches können sich die SWU nicht leisten.“

Von der Wirtschaftlichkeit hängt Jünke zufolge auch ab, wann auch der zweite Teil des ursprünglichen Kraftwerksplans verwirklicht wird: die Dampf-Turbine. Spätestens Ende 2021, wenn Gundremmingen vollständig vom Netz geht, könnte es soweit sein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel