Nahversorgung Supermarkt-Pläne sind am Kippen

Blick aus einem Einkaufswagen.
Blick aus einem Einkaufswagen. © Foto: dpa
Illerkirchberg / Matthias Stelzer 06.12.2017
In Oberkirchberg soll ein Supermarkt angesiedelt werden. Das wird nicht ohne Zustimmung aus Staig gehen: Die beiden Gemeinden bilden zusammen ein Kleinzentrum.

Das Thema Nahversorgung bestimmt die Kommunalpolitik in Illerkirchberg seit Monaten. Gemeinderat und Bürgermeister bemühen sich, im Ortsteil Oberkirchberg einen Supermarkt anzusiedeln. Zuletzt allerdings nicht mehr im Einklang.

Ohne Konsens kein großer Markt

Bürgermeister Anton Bertele, der sich für einen Vollsortimentmarkt mit etwa 1400 Quadratmetern Verkaufsfläche einsetzt, hat im Laufe des Prozesses Teile seines Gemeinderats verloren. Die Kritiker werfen dem Verwaltungschef vor, seit Monaten ein unerreichbares Ziel oftmals fürs Gremium intransparent verfolgt zu haben. Denn um einem Markt mit 1400 Quadratmetern verwirklichen zu können, wäre die Gemeinde auf eine Ausnahmegenehmigung des Landes und des Regionalverbands Donau-Iller angewiesen.

Eine Tatsache, die Bertele offensichtlich vor allem auf der landespolitischen Schiene zu lösen suchte. Der Bürgermeister lud die Landtagsabgeordneten ins Illerkirchberger Rathaus ein. Ohne durchschlagenden Erfolg.

Was der Verwaltungschef versäumte: Er hat die Nachbargemeinde Staig nicht mitgenommen, mit der Illerkirchberg im Regionalplan als gemeinsames Kleinzentrum ausgewiesen ist. Das wird auch in einem Gutachten überdeutlich, mit dem sich die Gemeinderäte Illerkirchberg und Staig in der kommenden Woche gleichzeitig beschäftigen werden. Die Aalener Imakomm-Akademie kommt dabei offenbar zum Ergebnis, dass die Grundvoraussetzung für eine Ausnahmegenehmigung, und damit einen Markt mit einer Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern, ein Konsens mit der Gemeinde Staig ist. Ein „interkommunales Nahversorgungskonzept“ der beiden Gemeinden schlagen die Gutachter vor.

In Staig droht die Ablehnung

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Gemeinderat daran Interesse hat“, sagt der Staiger Bürgermeister Martin Jung. Die „gefühlte Stimmung“ in Staig, wo es einen Treff-Markt gibt, sei, dass man kein Jointventure mit der Nachbargemeinde eingehen wolle. Zumal im Ratsgremium schon vor längerer Zeit die Frage aufgekommen sei: „Warum fragt man uns nicht?“ Jung geht davon aus, dass Anton Bertele, „den Diskurs mit Staig umgehen wollte“.

„Ich bin ein Freund der interkommunalen Zusammenarbeit. Aber in diesem Fall müssen wir uns auf unseren bestehenden Standort konzentrieren und diesen stützen“, sagt Jung, der nicht genug Nachfrage im Doppelzentrum für einen weiteren Markt sieht. Jung: „Und so steht jedem zu, was die Regionalplanung zulässt.“

Anton Bertele will sich vor der Sitzung nicht äußern. „No comment“, sagt er nur. Und: „Ich bitte um Verständnis, ich hatte den Gemeinderat gebeten, das Gutachten vertraulich zu behandeln. Dann werde ich das jetzt nicht brechen.“