Dixieland-Klänge hörte man am Sonntag über das morgendlich-ruhige Wain wehen. Wäre es nicht so kühl gewesen, hätte man sich eher in Bethlehem/Tennessee gewähnt als beim Neu-Bethlehem an der Weihung . Die "jazz-band 47" gastierte bei Theo Kobler und seinen Mitstreitern von Schäfers Kulturstadel.

Das war nicht das übliche Programm, da sich sehr viele Veranstaltungen an der so genannten Hochkultur orientieren, sondern durchaus etwas aus der Reihe. Aber für Überraschungen ist Schäfers Kulturstadel bekannt.

Die "jazz-band 47" kam auch gar nicht aus New Orleans eingeflogen, sondern aus Rottenacker bei Munderkingen, wo das Sextett zuhause ist. Die Besetzung mit Tuba (Manfred Walter), Schlagzeug (Karl Schlegel) , Banjo (Thomas Hergöth), Kornett (Manfred Pfütze), Klarinette (und Saxophon: HJarmann Schacher) und Posaune (Peter Weber) ist auch nicht unbedingt die klassische Besetzung für rein Dixieland-Sextett. Doch sind sie so, wie sie sind, perfekt aufeinander eingespielt.

"Unsere Combo existiert jetzt seit 31 Jahren", sagte Bandleader und Tubist Manfred Walter, "und in dieser Besetzung spielen wir unverändert seit fast zwei Jahrzehnten." Das erklärte wohl am besten das blinde Verständnis, mit dem sich die sechs Jazzer untereinander verständigten. Verständigung und Kommunikation der Musiker während des Spiels ist essentieller Bestandteil des Dixieland. Reihen sich doch an das Thema und die Melodie gerne nacheinander Soli der einzelnen Instrumente - und oft genug improvisieren zwei oder mehr auf die Melodie. Das klappte bei der "jazz-band 47" professionell und selbstverständlich.

Die Band kann auf ein Repertoire von zweihundert Titeln zurückgreifen; der Schwerpunkt liegt aber auf dem so genannten Oldtime-Jazz. Heutzutage sind das die Klassiker der Jazzliteratur aus den 1920ern und 1930ern wie der Stevedoor Stomp von Duke Ellington oder Klassiker von Louis Armstrong wie das "Cornet Chop Suey", "Bourbon Street Parade" oder "Gigolo".

Dixieland finde heute nicht mehr die gesellschaftliche Akzeptanz wie noch in den 1970ern, als die Band gegründet wurde, bekannte Manfred Walter. "Früher hatten wir jede Woche einen Gig, heute hat das doch merklich nachgelassen." Und das Publikum werde auch nicht jünger.

Sicher hatten die Organisatoren um Theo Kobler auch mit mehr Zuhörern gerechnet. Aber die ungefähr 40 Besucher, die nach Wain gefunden hatten, waren Vollblut-Fans, und ein fachkundigeres Publikum hat der Kulturstadel selten gesehen. Die Titel waren vielen bekannt, und in allen Ecken schnippten die Leute mit den Fingern oder wippten mit den Füßen. Viele waren sogar ziemlich textsicher - nur ungefähr die Hälfte der Stücke waren instrumental. Steif ging es wahrlich nicht zu: Die Gäste freuten sich an der Musik und hielten sich nicht zurück. Blieb nur noch zu klären, warum die Jazz-Band "47" heißt? Es ist ie Schuhgröße des Bandleaders.