Ulm Studie: Bahnhalt an der Neubaustrecke auf der Alb machbar

Ulm / PETRA LAIBLE 15.07.2014
Ein Bahnhalt in Merklingen wäre ein Riesengewinn nicht nur für die Laichinger Alb. Dass er machbar wäre, ergab eine Studie. Ebenso die Kosten von bis zu 27 Millionen Euro. Dazu kämen hohe Folgekosten.

Rund 1500 Fahrgäste täglich könnten von einem Regionalbahnhof in Merklingen profitieren. Das ergab eine Studie, in der das Münchner Unternehmen Intraplan untersucht hat, ob ein Bahn-Halt auf der Alb sinnvoll wäre. Die Untersuchung im Auftrag des Alb-Donau-Kreises sowie der Gemeinden Berghülen, Heroldstatt, Merklingen, Nellingen und Westerheim hat rund 26 000 Euro gekostet. Am Montagnachmittag wurde sie im Kreistag vorgestellt.

Bahnverkehr: Der Takt der Regionalbahnen - Brenzbahn, Südbahn, Blautalbahn, Donaubahn - ist auf den Knotenpunkt Ulm und die weiterführenden beziehungsweise eintreffenden Züge aus Stuttgart abgestimmt. Mit einem zusätzlichen Halt in Merklingen käme der Zug in Ulm drei Minuten später an - und würde den gesamten Fahrplan durcheinanderbringen. Diese Möglichkeit scheide somit aus, meinte Dr. Frank Schäfer von Intraplan. Alternative: eine Umstellung auf schnellere Regionalzüge. Neun solcher "sehr teuren" Züge mit 200 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit müssten angeschaft werden. Kosten: rund 45 Millionen Euro. Dazu nochmals 1,83 Millionen Euro im Jahr, um Schulden zu tilgen und Zinsen zu zahlen. Vom Land gebe es bisher keine Aussage, ob es die Mehrkosten trägt oder nicht.

Bedarf: Rund 1500 Fahrgäste täglich würden den Bahnhof Merklingen nutzen, ergab die Studie. Das seien so viel wie die Neubaustrecke Nürngerg-Ingolstadt habe, sagte Schäfer. 850 Fahrgäste nutzten bereits bestehende Zugverbindungen, 700 kämen neu hinzu. Die Mehrzahl von diesen bewege sich Richtung Stuttgart, unter anderem Menschen, die am Flughafen Stuttgart oder in Unternehmen auf der Filderhochebene beschäftigt seien. Das Einzugsgebiet reiche Richtung Ulm von der Laichinger Alb bis Mühlhausen im Täle, in Richtung Stuttgart abgesehen von der Alb gar bis Türkheim, Dornstadt, Schelklingen, Blaubeuren, Gundershofen. Insgesamt ergäbe das "eine gute verkehrliche Bilanz".

Bahnhof: Mögliche Standorte für einen Bahnhof gebe es westlich oder östlich der A 8-Anschlussstelle Merklingen - auf Höhe eines der Portale des bei Merklingen geplanten Tunnels. Der Bahnhof bräuchte für die schnelleren Züge zusätzlich zwei Außenbahngleise für den Halt sowie zwei Überholgleise, einen großen Parkplatz für rund 800 Fahrzeuge, Bushaltestellen, Erschließung. Flächenbedarf: rund 29 000 Quadratmeter. Investitionskosten laut Intraplan: rund 17,7 Millionen Euro, mit Risikozuschlag 26,6 Millionen Euro. Dazu kommen Folgekosten: bis zu 1,2 Millionen Euro im Jahr schätzt Intraplan für Zinsen und Tilgung der Schulden, weitere 400 000 bis 600 000 Euro jährlich für den Unterhalt.

Busverkehr: Die Frage ist, wie der neue Bahnhof vom Umland bedient werden soll. Es stellte sich heraus, dass die bestehenden Buslinien nicht ausreichen: Bisher gibt es die Buslinien 360 Geislingen-Merklingen-Laichingen und 30 Bad Urach-Laichingen-Merklingen-Berghülen-Blaustein-Ulm. Ein zusätzliches Angebot müsste geschaffen werden: Eine Linie 1 Heroldstatt-Feldstetten-Westerheim-Laichingen-Merklingen-Nellingen-Aufhausen-Türkheim-Geislingen; eine Linie 2 Berghülen-Machtolsheim-Merklingen. Kosten: rund 1,2 Millionen Euro im Jahr.

Nutzen: Unter volkswirtschaftlicher Gesichtspunkten wäre ein Regionalbahnhof Merklingen sinnvoll, sagte Schäfer. Dabei würden Aspekte wie Zeitersparnis, Umweltbilanz, Erreichbarkeit und Verkehrssicherheit berücksichtigt. Die Maßnahme könnte als förderfähig eingestuft werden. Schäfer verwies auf die hohen Kosten von bis zu 27 Millionen Euro. Diese müssten finanziert werden, dazu kämen die Kosten für den laufenden Betrieb, die bis zu drei Millionen Euro im Jahr betragen sollen.

Fraktionen: Alle sprachen sich dafür aus, das Ziel weiterzuverfolgen. Allerdings sollte das Vorhaben der hohen Kosten wegen gleichzeitig mit der Neubaustrecke der Schnellbahn geplant werden. Überdies müsse das Ganze noch gründlich geprüft werden.

Fazit: Die Daten von Verkehrsministerium und Intraplan werden nun abgeglichen. Zudem wird es ein weiteres Gespräch geben mit Landrat Heinz Seiffert, den Bürgermeistern der Alb-Gemeinden und Verkehrsminister Winfried Hermann. Bereits am 10. Juli gab es in dieser Sache offenbar ein Gespräch im Verkehrsministerium.

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