Andreas Butzmann aus Pfaffenhofen ist schwer krank - und konsumiert Cannabis zu therapeutischen Zwecken. Muss die Krankenkasse die Kosten dafür übernehmen? Muss sie nicht, sagt das Sozialgericht Augsburg. Am Dienstag hat das Gericht eine Klage des 32-Jährigen abgewiesen. Die Kammer beruft sich mit ihrem Urteil auf eine Entscheidung des Bundessozialgerichts. Demnach ist eine Kostenübernahme nur bei tödlich verlaufenden Krankheiten und in extremen Ausnahmenfällen möglich. Ein Ausnahmefall ist Andreas Butzmann für das Gericht nicht. "Ich kann Sie ja menschlich verstehen", sagt die Richterin zum Kläger. Sie fügt hinzu: "Es ist aber nicht so, dass Sie in den nächsten fünf Wochen sterben müssten."

Wie berichtet, leidet Andreas Butzmann seit mehr als zehn Jahren an hereditärer Neuropathie, kurz HNPP. Einer seltenen neurologischen Erkrankung, die zur Schädigung der Nervenbahnen und zu Empfindungsstörungen führt, heftige Schmerzen in Armen und Beinen verursacht. Gerade einmal 380 Patienten in Deutschland besitzen eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn ausgestellte Erlaubnis für den Erwerb von Marihuana-Produkten in der Apotheke. Butzmann ist einer von ihnen.

HNPP ist eine Schmerzerkrankung - und diese ist nicht lebensbedrohlich, heißt es vor dem Sozialgericht in Augsburg. Ergo liege auch kein extremer Ausnahmefall vor, der die Kostenübernahme durch die Kasse rechtfertige. Die Kammer folgt weitgehend der Argumentation der beklagten Krankenkasse, wonach es keine Studien gibt, die die "evidente Wirkung" von Marihuana im Falle der seltenen Erkrankung belegt. Zudem dürften mögliche Gefahren einer Langzeit-Therapie mit Cannabis nicht unterschätzt werden.

Vor Gericht entscheide nicht immer "der vermeintlich gesunde Menschenverstand", räumt die Richterin ein. Erfolg habe dort nur, wer sich auf gesetzliche Vorgaben berufen könne. "Die beklagte Krankenkasse handelt in dem Fall nach den Regeln."

Andreas Butzmann widerspricht, sagt: "An den Schmerzen gehe ich zugrunde." Ruhig und sachlich spricht er über sein Leiden, über schlaflose Nächte und Tage, an denen er das Bett nicht verlassen kann und sein Leben nicht mehr erträgt. "Ich habe doch schon alles probiert. Ich weiß nicht, was ich sonst noch tun soll."

Butzmann ist 1,83 Meter groß, bringt derzeit jedoch nur noch 58 Kilo auf die Waage. Morphiumpflaster verträgt er nicht. Drei Mal hat Butzmann in den vergangenen vier Monaten den Notarzt rufen müssen, nachdem er sich zuvor stundenlang erbrochen hatte, die Schmerzen unerträglich waren. Die Mediziner seien ratlos. "Sie wissen nicht mehr, was sie mir noch geben sollen", sagt der Pfaffenhofener: "Cannabis ist das Einzige, was mir wirklich hilft."

Der 32-Jährige hat eine Ausbildung als Lebensmitteltechniker absolviert. Seinen Beruf ausüben kann Butzmann aber schon lange nicht mehr. Er ist verrentet - und auf die finanzielle Unterstützung seiner Mutter angewiesen, in deren Haus er lebt. Der Erwerb von Cannabis in der Apotheke ist teuer und manchmal wegen Lieferschwierigkeiten nicht möglich. Bis zu 1500 Euro muss Butzmann monatlich aufbringen, um ein einigermaßen schmerzfreies Leben zu führen.

Der Eigenanbau von Marihuana ist verboten. Dennoch hat Butzmann genau das getan und nun Ärger mit Polizei und Justiz. Diese haben Ermittlungen eingeleitet, wegen Drogenbesitzes in nicht geringer Menge. Im Falle einer Verurteilung vor Gericht muss der 32-Jährige mit einer Haftstrafe rechnen.

Butzmann fühlt sich in die Illegalität getrieben. Die Waffen strecken will er nicht. Der Pfaffenhofener kämpft dafür, eine Erlaubnis für den Eigenanbau zu erhalten. Über seinen Antrag wird demnächst ein Verwaltungsgericht entscheiden.

Die Enttäuschung über das Urteil des Sozialgerichts Augsburg steht Butzmann ins Gesicht geschrieben. "Auch wenn ich ein wenig mit dieser Entscheidung gerechnet habe", wie er nach der Verhandlung einräumt. Seine Rechtsanwältin Nural Albayrak vom Sozialverband VdK hat bereits ankündigt, in Berufung zu gehen. In nächster Instanz muss dann das Landessozialgericht in München darüber befinden, ob die Krankenkasse die Cannabis-Therapie finanzieren muss.

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Gezielte Hilfe Wer Andreas Butzmann unterstützen möchte, kann dies über die Aktion 100.000 und Ulmer helft tun. Einfach auf der Überweisung unter Verwendungszweck das Stickwort "Andreas" notieren: bei der Ulmer Volksbank (IBAN: DE 79 63090100 0002 3640 18, BIC: ULMVDE66) und bei der Sparkasse Ulm (IBAN: DE 47 6305 0000 0000 1000 03, BIC: SOLADES1ULM)