Bürgermeisterwahl Stimmungshochs und -tiefs in Erbach

Der Wahlausschuss hat gestern im Erbacher Rathaus getagt (von links): Vorsitzender Constantin von Ulm-Erbach, Hauptamtsleiter Florian Ott und Stefanie Baiz vom Sekretariat.
Der Wahlausschuss hat gestern im Erbacher Rathaus getagt (von links): Vorsitzender Constantin von Ulm-Erbach, Hauptamtsleiter Florian Ott und Stefanie Baiz vom Sekretariat. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Petra Laible 09.10.2018

Es sind interessante Rückschlüsse, die sich nach der Bürgermeisterwahl in Erbach aus den Ergebnissen in den Stadtteilen ziehen lassen. So hat Amtsinhaber und Wahlsieger Achim Gaus in Ringingen mit rund 76 Prozent sein stärkstes Ergebnis erzielt – in Ersingen mit rund 42 Prozent wiederum sein schwächstes.

„In Ersingen stehen gewisse Punkte zur Erledigung an“, sagte Gaus gestern dazu.  Zum Beispiel die Missstände am Badesee: Parkprobleme, Müll, Vandalismus hätten sich mit dem Hochbetrieb in diesem sonnigen Sommer zugespitzt. „Das Problem gibt es seit 30 Jahren, wir müssen es lösen.“ Ein anderes Thema sei die Wohnbebauung in Ersingen. „Diese war lange nicht möglich, nun scheint sich etwas zu bewegen.“

Hinzu komme auch, dass sein Gegenkandidat Wolfgang Schrade lange in Ersingen gelebt habe. Dieser hatte dort quasi ein Heimspiel und erhielt mit rund 57,8 Prozent mehr Stimmen als der Amtsinhaber. „Das ist die Ortschaft, die mich am besten kennt und mir die Aufgabe am ehesten zugetraut hat“, erklärt sich Schrade den Erfolg. Er sieht sich darin bestärkt, zwei seiner Anliegen weiter zu verfolgen: Die Gemeinschaft der Stadtteile und die Förderung der Vereine.

Ganz anders die Zahlen in Ringingen: Dass er dort mit rund 76 Prozent ein Top-Ergebnis einfuhr, hat Gaus auch überrascht. Denn „von der Investitionssumme her haben wir Dellmensingen am besten bedient“, sagt der Bürgermeister, zum Beispiel in Sachen Hochwasserschutz und Friedhof. Das aber zeige sich nicht im Wahlergebnis: Gaus erhielt in Dellmensingen, dem größten Stadtteil, rund 60,6 Prozent.

Das starke Resultat in Ringingen spiegle wohl auch die gute Stimmung im Ort wider, nimmt Gaus an. „Das Ergebnis muss nicht unbedingt nur mit dem Bürgermeister zu tun haben.“ So interpretiert es auch Wolfgang Schrade, der in Ringingen mit rund 23,6 Prozent sein schwächstes Ergebnis einfuhr. Festzuhalten seien eine „hohe Zufriedenheit der Menschen“ und mit Georg Mack ein „starker Ortsvorsteher“.

 In der Erbacher Kernstadt erzielte Gaus mit rund 67,2 Prozent ein „positives Ergebnis“: Offenbar als Reaktion auf die aktuellen Großprojekte wie Dreifeldsporthalle und   Innenstadtsanierung.

Im Stadtteil Bach erhielt Gaus 63,6 Prozent der Stimmen. Ein ordentliches Ergebnis, das er sich damit erklärt, dass es dort derzeit abgesehen von der Breitbandversorgung und dem Starkregen-Risikomanagement keine großen Themen gebe.

Weniger gut scheint die Stimmung in Donaurieden zu sein: Dass er nur 57,9 Prozent der Stimmen erhielt, führt der Bürgermeister darauf zurück, dass die Menschen dort mit zwei Themen unzufrieden sind: dem Bau der Querspange B 311/B 30 und der damit zusammenhängenden Flurbereinigung. „Das kann ich nachvollziehen.“

Nachdenklich stimmt ihn aber noch ein ganz anderer Punkt: die geringe Wahlbeteiligung in den Stadtteilen. In Dellmensingen zum Beispiel gaben lediglich 32 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Heißt im Umkehrschluss: „Rund 70 Prozent gingen nicht zum Wählen.“ Er könne das nicht nachvollziehen, meint Gaus, schließlich stehe bei einer Bürgermeisterwahl die persönliche Ebene im Vordergrund.

Ein Kreuzchen für Gaus, Schrade und „I love Erbach“

Ergebnis Der Wahlausschuss hat gestern Nachmittag im Erbacher Rathaus das vorläufige Endergebnis bestätigt. Demnach ist Amtsinhaber Achim Gaus mit rund 63 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden, auf seinen Herausforderer Wolfgang Schrade entfielen rund 36,5 Prozent der Stimmen, auf Sonstige 0,5 Prozent.  Die Wahlbeteiligung lag bei 45,9 Prozent. Das Endergebnis steht nach der Prüfung des Landratsamtes fest.

Sonstige Constantin von Ulm-Erbach, Vorsitzender des Wahlausschusses, hat auf einen originellen Wahlzettel aufmerksam gemacht: Ein Kreuzchen für Gaus, ein Kreuzchen für Schrade und dazu die Worte:
I love Erbach. Stimmen gab es auch für sonstige Erbacher: Unter anderem Michael Faber (10), den früheren Bürgermeister Paul Roth (5) sowie den Dornstadter Bürgermeister Rainer Braig (1), der in der Stadt wohnt.

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