Langenau Stets fair aus Überzeugung

Seit vielen Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Langenauer Weltladens (von links): Elsbeth Hübner, Renate Vögele und Karin Klaiber: Sie bieten fair gehandelte Produkte und viele Informationen an. Foto: Simon Palaoro
Seit vielen Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Langenauer Weltladens (von links): Elsbeth Hübner, Renate Vögele und Karin Klaiber: Sie bieten fair gehandelte Produkte und viele Informationen an. Foto: Simon Palaoro
SIMON PALAORO 07.09.2012
Im Langenauer Weltladen werden seit 18 Jahren fair gehandelte Lebensmittel und Kunsthandwerk aus Entwicklungsländern verkauft. Eine Initiative betreibt den Laden ehrenamtlich, sie plagen Nachwuchssorgen.

Nicht die Umsatzzahlen sind es, die die 18-jährige Erfolgsgeschichte des Langenauer Weltladens schreiben. Vor allem ist es das veränderte Einkaufs- und Konsumbewusstsein, das den langfristigen Erfolg des Weltladens ausmacht: "Eines unserer Ziele bestand in den 80er Jahren darin, einen Markt für fair gehandelte Produkte zu schaffen", sagt Renate Vögele. "Das haben wir mit dem Weltladen geschafft." Dennoch fragen sich die 20 Mitarbeiter der "Arbeitsgemeinschaft für Weltgerechtigkeit", welchen Nutzen ein Weltladen noch hat, wenn fair gehandelter Kaffee selbst in großen Supermarktketten angeboten wird? Diskutiert wird auch, ob das Konzept einer ehrenamtlichen Arbeit noch angemessen ist. Die Initiative ist aus der Lateinamerika-Solidarität der 80er Jahre entstanden (siehe Infokasten). Heute plagen sie Nachwuchssorgen.

Die Mietsituation im Ladengeschäft hat sich durch steigende Strompreise geändert, der Laden wirft kaum Gewinne ab. Da Supermärkte ebenfalls fair gehandelten Kaffee im Sortiment haben, könnte man davon ausgehen, dass die Idee des gerechten Handels in der Gesellschaft angekommen sei, sagt Renate Vögele, die diese Entwicklung grundsätzlich begrüßt. Laut einer Studie von "Fairtrade Deutschland" konnte der Absatz von fair gehandelten Produkten wie Kaffee, Schokolade oder Tee zwischen 2006 und 2011 allein in Deutschland um rund 300 Prozent auf rund 400 Millionen Euro gesteigert werden.

Dennoch gibt Elsbeth Hübner, die den Langenauer Weltladen ebenfalls mit aufbaute, zu bedenken, dass dem Weltladen durch das Supermarkt-Angebot Kunden verloren gingen und dass es dort kaum Informationen über fairen Handel gibt. "Da fehlen die Gespräche, die wir hier führen und so auch die Bürger sensibilisieren." Denn der Langenauer Weltladen hat sich in den vergangenen 18 Jahren zu einer Anlaufstelle für all diejenigen entwickelt, die mehr über gerechtes Wirtschaften erfahren möchten. "Wir haben sehr viele Schulklassen hier, die im Unterricht das Thema Entwicklungsländer oder soziale Gerechtigkeit behandeln", erzählt Renate Vögele.

Dies bedeute für den Weltladen freilich auch, dass man sich gegenüber einheimischen Produzenten fair verhalte: "Wir haben beispielsweise nie unseren Honig aus Mexiko beworben, weil wir den einheimischen Imkern keine Konkurrenz machen wollen", erklärt sie. Denn grundsätzlich setzen sich die Mitarbeiter des Weltladens dafür ein, dass jeder Mensch von seiner Arbeit leben kann. Deswegen biete der Handelspartner GEPA mittlerweile auch Schokolade an, die nicht nur fairen Handel in Entwicklungsländern unterstützt, sondern auch vor Ort, indem "faire Milch" aus der Region und fair gehandelter Kakao verarbeitet werden. Dass diese Schokolade besser schmeckt, als die "aufgezuckerten" Riegel im Supermarkt, steht für Hübner außer Frage. Deshalb lässt sie Schulklassen die fair gehandelte Schokolade auch probieren: "Da rümpft mancher Schüler die Nase", erzählt sie, weil die Kinder früh an übliche Schokolade gewöhnt seien.

Die Macherinnen des Langenauer Weltladens blicken auf bewegte Jahre zurück: Ein fester Kundenstamm konnte in Langenau und der Region gewonnen werden, das Thema fairer Handel sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, die Lebensmittel seien durch die Bank gentechnikfrei und Kinder in Entwicklungsländern müssten nicht, wie in vielen Konzernen üblich, zu Hungerlöhnen schuften. Dass sich in diesen knapp zwei Jahrzehnten vieles getan habe, erkenne man daran, dass der Langenauer Gemeinderat seit vergangenem Jahr fair gehandelten Kaffee in seinen Sitzungen ausschenkt. Auch Kirchengemeinden und Vereine gehörten seit Jahren zu den regelmäßigen Kunden. Das sei ein Beleg dafür, dass die ursprüngliche Intention der Langenauer "Arbeitsgemeinschaft für Weltgerechtigkeit" aufgegangen ist. Das einzig drängende Problem ist der Nachwuchs: "Seit fast 20 Jahren betreiben wir den Weltladen mit großem Erfolg", sagt Karin Klaiber. "Wir würden uns sehr freuen, neue Mitarbeiter zu finden. Alle sind willkommen."