Tourismus Steinzeitdorf: Hausnachbau und Sparpläne

Der Förderverein Steinzeitdorf Ehrenstein beim Verladen gefällter Eschen. Mit dabei: Landschaftsarchitekt Edmund Spengler (links), Bürgermeister Thomas Kayser (dritter von links) und Vorsitzende Beate Specker (vierte von links).
Der Förderverein Steinzeitdorf Ehrenstein beim Verladen gefällter Eschen. Mit dabei: Landschaftsarchitekt Edmund Spengler (links), Bürgermeister Thomas Kayser (dritter von links) und Vorsitzende Beate Specker (vierte von links). © Foto: Volkmar Könneke
Samira Eisele 02.11.2018

Dickere Stämme für den Boden, dünnere für die Wände, als Pfosten Bäume, die sich gabeln: Bevor Markus Ostler vom Bauhof Blaustein am vergangenen Freitag einen am Eschentriebsterben erkrankten Baumbestand im Gemeindewald oberhalb von Herrlingen fällte, hatte Landschaftsarchitekt Edmund Spengler ihm eine genaue, vom Archäologen erstellte, Materialliste an die Hand gegeben. Die rund 60 Bäume werden auf dem Gelände des Steinzeitdorfs Ehrenstein benutzt, um eines der im Boden konservierten, steinzeitlichen Holzhäuser nachzubauen.

Mitglieder des Fördervereins Steinzeitdorf Ehrenstein haben die Bäumchen mit Durchmessern von sechs bis acht Zentimetern verladen und auf das Gelände gebracht. Dort lagern bereits Paletten mit Birkenrinde für das Dach, Arbeitsteams des Vereins bringen sich bei, Seile aus Hanf selbst zu drehen: Der möglichst originale Nachbau ist ein wesentlicher Teil des geplanten Steinzeitparks, an dem Förderverein und Stadtverwaltung arbeiten. Um vor Ort einen Einblick in das Leben vor 6000 Jahren geben zu können, hat der Verein nun in einem Workshop an einem pädagogischen Konzept gefeilt. Verein, Stadtverwaltung und Landratsamt beschäftigt die Frage, wo genau die Hütte auf dem Welterbe-Fundort stehen soll. Und wie das Eingangsgebäude trotz ständig steigender Baukosten im Kostenrahmen bleiben kann.

„Wir haben uns überlegt, dass man mit einer Modulbaulösung mehr Fläche bekommt“, sagt Beate Specker. Die Vereinsvorsitzende erklärt, dass die ursprüngliche Planung für das Eingangsgebäude „nicht so ideal“ gewesen sei: Ausstellung und das Café bräuchten mehr Platz. Diese Flächen zu vergrößern und trotzdem im Kostenrahmen – laut Specker 600 000 Euro – zu bleiben, sei ohne Abstriche nicht möglich. „Hochwertiger Modulbau“ sei eine gute Lösung: günstiger und falls nötig erweiterbar.

Pläne im Gemeinderat vorstellen

Gemeinsam mit dem Blausteiner Planungsbüro Sterr-Ludwig werde in den kommenden Wochen der Kostenrahmen für die Modulbau-Lösung besprochen, erklärt Bürgermeister Thomas Kayser: Die Pläne sollen in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen vorgestellt und abgestimmt werden. „Wenn alles gut läuft, soll der Bau im nächsten Jahr begonnen werden, im Jahr 2020 soll das Gebäude fertig sein“, sagt Specker. Ursprünglich war der Bau des Eingangsgebäudes bereits für dieses Jahr geplant. Der Modulbau soll sich möglichst gut in Gelände und den zukünftigen Steinzeitpark einfügen: Material wie Naturstein und Holz könnte laut Specker zum Einsatz kommen: „Wir stellen nicht einfach einen Container hin.“

Einfach hinstellen, das geht auch beim Nachbau des Steinzeithauses nicht: Da das Holzhaus im Boden verankert werden muss, in dem die zum Unesco-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ gehörenden Fundstücke konserviert sind, legt das Landesdenkmalamt viel Wert darauf, dass der Bau außerhalb der geschützten, so genannten Kern- und Pufferzonen liegt. Diese Zonen sollen auf jeden Fall eingehalten werden, sagt Specker. Das Holzhaus samt „Aktionsbereich“ sollte ungefähr dort entstehen, wo heute ein blauer Arbeits-Container des Vereins steht. Gemeinsam mit dem Landratsamt soll nun der exakte Standort festgelegt werden. Der Nachbau sei „nicht in Gefahr“, betont Jürgen Stübler, bei der Stadt Blaustein zuständig für Tourismus.

Er rückt einen weiteren Aspekt des Steinzeitparks in den Vordergrund: Das pädagogische Konzept. Hierfür sei mit einem Workshop am vergangenen Wochenende der Grundstein gelegt worden. Unter anderem durch drei Neuntklässler der Realschule im Schulverbund Blaustein, die – wie Lehrerinnen, Vereinsmitglieder und andere Blausteiner – am Workshop teilnahmen und „superklasse Ideen“ beisteuerten.

„Mitmachdorf“ samt Camp

Am besten gefiel den Jugendlichen die Idee einer Mitmach-Werkstatt, in der Speer-, Werkzeug- oder Floßbau sowie Töpfern gelernt werden können. Sogar von einem „Mitmachdorf“ sprachen die Teilnehmer. Die Blausteiner Bevölkerung samt Kindergärten und Schulen solle aktiv einbezogen werden. Eine weitere Vision: Ein Camp auf dem Gelände, in dem Schulklassen und andere Gruppen untergebracht werden könnten. Arbeitsgruppen werden diese Ideen nun ausarbeiten, in einem halben Jahr sollen mit einem weiteren Treffen konkrete Schritte eingeleitet werden. Und auch die Hausbau-Gruppe hat bald wieder einen Einsatz: In der kommenden Woche werden bei Arnegg weitere Bäume gefällt.

Park soll spätestens im Jahr 2022 eröffnet werden

Ablauf Im vergangenen Jahr die Blau-Brücke, Wege und wahrscheinlich noch dieses Jahr die Erschließung mit Strom und Wasser: Laut Beate Specker liegen die Hoch- und Tiefbau-Arbeiten für den Steinzeitpark „noch gut in der Zeitschiene“. Kommt das Eingangsgebäude im Jahr 2019, dann hofft Specker, dass der Park sogar noch vor dem geplanten Eröffnungsjahr 2022 fertig wird.

Finanzen Insgesamt soll der Steinzeitpark rund 1,7 Millionen Euro kosten, 800 000 davon hat die Stadt Blaustein zugesagt. Jedes Jahr werden 200 000 Euro in den Haushalt eingestellt – angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt jedoch nicht ohne Diskussion. Das Land hat das Projekt bereits mit 115 500 Euro gefördert.

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