Wirtschaft Steinbruch-Erweiterung auf der Zielgeraden

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Samira Eisele 05.09.2018

Eine Abwägungssache zwischen gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Interesse am Rohstoff und dem Naturschutz: So fasste Jan Duvenhorst, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Forst und Naturschutz beim Alb-Donau-Kreis, die Diskussion um eine Erweiterung des Steinbruchs Vohenbronnen abschließend zusammen. Die Betreiberfirma Heidelberg Cement möchte dort für weitere 30 Jahre Kalk für die Zementproduktion abbauen und den Steinbruch um 46 Hektar erweitern, überwiegend auf Blaubeurer Gemarkung. Beim Erörterungstermin im Landratsamt wurden gestern, als vorläufig letzter Schritt des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahrens, die Einwände der Naturschutzorganisationen behandelt.

Thaddäus Bamberger vom Landesnaturschutzverband und Nabu sowie Wolfgang Wohnhas, Hauptnaturschutzwart des Schwäbischen Albvereins, hatten etliche Punkte zu den Themen Gewässer-, Landschafts- und Naturschutz sowie Forst anzumerken, auf die Vertreter und Berater von Heidelberg Cement reagierten. Das Landratsamt machte dabei deutlich: Das Unternehmen erfüllt alle Voraussetzungen für die Genehmigung und hat damit auch einen Anspruch darauf, diese zu bekommen. Ein Rekultivierungsplan, den die Behörde mit den Betreibern abgestimmt hat, soll Bedenken, die auch die Naturschutzbehörde ob der langen Laufzeit hat, auffangen und zur Verträglichkeit beitragen.

Gewässerschutz Zum Schutz des Grundwassers werde der Abbau im Steinbruch nicht in die Tiefe erweitert, erläuterte Werkleiter Stephan Wehning von Heidelberg Cement auf die Einwendungen der Naturschützer. Zehn Meter Boden blieben über dem Grundwasser, zwei Meter sind vorgeschrieben. Auf Verunreinigung durch Unfälle, zum Beispiel mit Diesel-Fahrzeugen, sei man im Steinbruch besser gerüstet als im Straßenverkehr, weil Bindemittel und Geräte zur Bergung vor Ort seien, sagte ein Vertreter des Landratsamts. Dass der Steinbruch im Wasserschutzgebiet liegt, sei nicht unüblich, eine Befreiung ist möglich. Das Grundwasser werde regelmäßig geprüft.

Naturschutz Hauptkritikpunkt: Die Laufzeit, die mit 30 Jahren plus 5 Jahren für die Rekultivierung viel zu lang sei – zumal im bestehenden Steinbruch bisher nur 27 Prozent der Fläche rekultiviert worden seien, wie Wolfgang Wohnhas vorrechnete. Bamberger befürchtet gar, dass in dieser Zeit ganze Arten, zum Beispiel Orchideen, verschwinden könnten. Werkleiter Wehning erläuterte: Im Steinbruch seien verschiedene Abbauschritte notwendig, um alle Bestandteile für die Zementproduktion zu gewinnen: „Mehr Fläche kriegen wir aktuell noch nicht rekultiviert“. Auch im Landratsamt sei der lange Zeitraum ein „hitziges Thema“ gewesen, sagte Verfahrensleiterin Lisanne Staab: Nach mehr als einem Jahr Diskussion habe man nun aber ein schlüssiges Rekultivierungskonzept gefunden.

Landschaft Auch das Landschaftsbild, in das der erweiterte Steinbruch vor allem um den Blaubeurer Weiler Sotzenhausen eingreift, soll im Rahmen der Rekultivierung wiederhergestellt werden. Zudem ist eine Befreiung vom dortigen Landschaftsschutzgebiet laut Behörde möglich, der Gesteinsabbau wurde bei der Festlegung sogar als Landschaftsbestandteil festgehalten.

Forst Die Forderung der Naturschützer nach Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Steinbruchgebiets, insbesondere Wald und Tümpel, wertete Wehning als „zusätzliche Wunschmaßnahme“. Im jetzigen Verfahren zur Erweiterung spielen diese keine Rolle – zumal der Wald laut dem zuständigen Fachdienstleiter Duvenhorst  „eins zu eins“ ausgeglichen wird. Die Genehmigung wird laut Verfahrensleiterin Staab wohl noch in diesem Jahr erteilt.

Feldhecke zum Schutz von Anwohnern im Weiler

Erweiterung Der Steinbruch Vohenbronnen liefert die Rohstoffe – Kalk- und Mergelsteine – für das Zementwerk Schelklingen. Dieses modernisiert das Unternehmen Heidelberg Cement derzeit für rund 100 Millionen Euro.

Zustimmung Vor rund einem Jahr hat der Gemeinderat Blaubeuren der Erweiterung des Steinbruchs zugestimmt. Ein Großteil des Abbaugebiets liegt auf Blaubeurer Gemarkung im Teilort Pappelau, weitere Teile auf den Gemarkungen Schelklingen, Schmiechen und Ringingen. Die Abbruchkante des Steinbruchs rückt mit der Erweiterung bis auf 300 Meter an den Blaubeurer Weiler Sotzenhausen heran, eine Feldhecke soll Schutz bieten.

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