Alb-Donau-Kreis Steigende Zahl von Asylbewerbern zwingt Landkreise zum Improvisieren

Der erste und zweite Stock des früheren Karl-Christian-Planck-Stifts in Blaubeuren werden derzeit umgebaut. Ab kommender Woche sollen dort 60 weitere Asylbewerber untergebracht werden. Alleine dieses Jahr muss der Alb-Donau-Kreis 300 Flüchtlinge aufnehmen. Das bereitet der Kreisverwaltung Kopfzerbrechen.
Der erste und zweite Stock des früheren Karl-Christian-Planck-Stifts in Blaubeuren werden derzeit umgebaut. Ab kommender Woche sollen dort 60 weitere Asylbewerber untergebracht werden. Alleine dieses Jahr muss der Alb-Donau-Kreis 300 Flüchtlinge aufnehmen. Das bereitet der Kreisverwaltung Kopfzerbrechen. © Foto: Volkmar Könneke
HELGA MÄCKLE 02.10.2013
Der Alb-Donau-Kreis muss dieses Jahr rund 300 Asylbewerber aufnehmen. Doch es fehlt an Platz. In Blaubeuren wird nun der erste und zweite Stock des Planck-Stifts als Unterkunft für 60 Menschen umgebaut.

"Die Situation macht uns erhebliche Sorgen", sagte Landrat Heinz Seiffert am Montag in der Sitzung des Verwaltungsausschusses. Bis Ende 2013 müsse der Kreis weitere 130 Asylbewerber aufnehmen, 170 sind dieses Jahr bereits gekommen. Dabei seien die Gemeinschafts- und Ausweichunterkünfte mit 279 Menschen mehr als belegt. "Ich weiß nicht, wie lange wir noch improvisieren können", erklärte Seiffert. Zumal es ihm und der Verwaltung ein Anliegen sei, "den armen Menschen den Weg in ein Leben hier zu ermöglichen".

Um die zusätzlichen Flüchtlinge unterzubringen, baut der Kreis derzeit das erste und zweite Stockwerk des ehemaligen Karl-Christian-Planck-Stifts in Blaubeuren um. Im Erdgeschoss des Gebäudes in der Bergstraße, das der Krankenhaus GmbH gehört und das der Kreis angemietet hat, leben seit Januar 60 Menschen. In den oberen Stockwerken sollen ab nächster Woche weitere 60 Platz finden, sagte Josef Barabeisch, Sozialdezernent des Kreises. Er hatte zuvor die Entwicklung erläutert: Bundesweit werde für 2013 mit 87 500 Asylanträgen gerechnet, das sei im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 41 Prozent. Das Land Baden-Württemberg muss 12,3 Prozent dieser Menschen aufnehmen - rund 11 000; auf den Alb-Donau-Kreis entfallen 2,8 Prozent - für das laufende Jahr rund 300.

Die meisten Asylbewerber kommen laut Barabeisch aus Pakistan (30), Indien (26), Syrien (24), Afghanistan (19) und Mazedonien (15), aber auch aus der Russischen Förderation (vor allem Tschetschenien), Ägypten, Togo und einigen Ländern mehr. Von den 5000 Kontingent-Flüchtlingen aus Syrien sind bisher keine im Kreis angekommen.

Die Menschen leben - solange ihr Asylverfahren läuft - in Gemeinschaftsunterkünften, oder in so genannten Ausweichunterkünften, die der Kreis kurzfristig für die Unterbringung anmietet. In Ehingen gibt es 96 Plätze, in Langenau 144 und in Blaubeuren mit den neuen Räumen im Karl-Planck-Stift 120 Plätze. Ist das Asylverfahren abgeschlossen, ziehen sie in "Anschlussunterkünfte", die Kommunen und Städte bereitstellen müssen.

Neben zwei Sozialarbeitern, die die Flüchtlinge im Auftrag des Kreises betreuen, lobte der Sozialdezernent vor allem die Ehrenamtlichen, die sich in den drei Städten um die Flüchtlinge kümmern, ihnen etwa Deutschunterricht anbieten oder ihnen bei Behördengängen helfen. Nach Angaben von Barabeisch bekommt der Kreis für jeden Asylbewerber vom Land pauschal 12 790 Euro für 29 Monate. "Das ist natürlich nicht viel, weil wir davon den Lebensunterhalt, Unterkunft, Verwaltung, Krankenkosten und einiges mehr bezahlen müssen." Die steigende Zahl von Asylbewerbern wirke sich auch auf den Kreishaushalt aus: rund 2,2 Millionen Euro fallen dieses Jahr an, das sind 300 000 Euro mehr als geplant.

Kritik äußerte Landrat Seiffert am neuen Gesetz für Flüchtlingsaufnahmen: Die Fallpauschalen, die das Land dem Kreis zahlt, reichten nicht aus, um die tatsächlichen Kosten zu decken: 2014 sind das jährlich 12 393 Euro pro Asylbewerber, im Jahr 2015 12 517 Euro. Dass Integrationsministerin Bilkay Öney ab 2016 die Fläche, die jedem Flüchtling zur Verfügung stehen muss, von 4,5 Quadratmetern auf 7 erhöhen will, "müsste nicht sein", sagte Seiffert. Schließlich hätten alle Landkreise ihre liebe Not, mit der steigenden Zahl an Asylbewerbern zurecht zu kommen. Müsse die Fläche - im Kreis sind es im Schnitt derzeit fünf Quadratmeter - vergrößert werden, "kriegen wir ein Riesen-Problem", meinte Seiffert. Er hoffe beim Thema Asylbewerber weiter auf die Mitwirkung der Gemeinden und auf das Verständnis der Bürger.

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