Regglisweiler Stehende Ovationen: Weihnachtskonzert des MV Regglisweiler begeistert

Einen großen Auftritt hatte beim Weihnachtskonzert des MV Regglisweiler Jürgen Klöble als Elvis.
Einen großen Auftritt hatte beim Weihnachtskonzert des MV Regglisweiler Jürgen Klöble als Elvis. © Foto: Kurt Högerle
KURT HÖGERLE 29.12.2014
Ob Titelauswahl, Spieltechnik oder Showelemente: Beim Weihnachtskonzert des Musikvereins Regglisweiler passte alles zusammen. Nach dem Ende des Konzerts klatschen die Besucher minutenlang im Stehen.

"Wie wir das nächstes Jahr noch toppen wollen, weiß ich jetzt auch nicht." Sichtlich ergriffen bedankte sich der Vorstand der Regglisweiler Musiker, Gerhard Häussler, nach dem Konzert bei seinem Publikum. Die auf der Bühne und die davor spürten: Das Weihnachtskonzert 2014 des Musikvereins Regglisweiler war ein ganz besonderes.

Aber der Reihe nach: Traditionell gibt sich der Musikverein Regglisweiler die Ehre, am Abend des ersten Weihnachtsfeiertags im Bürgerhaus ein Konzert zu geben. Dass das Angebot gerne wahrgenommen wird, zeigte sich wieder am vollen Haus: Viele Gäste kamen aus der näheren und auch aus der weiteren Umgebung. Sogar Gäste aus Rheinland-Pfalz waren dabei.

Eröffnet wurde der Abend durch das Jugendorchester unter Leitung von Franziska Lambacher. Die junge Dirigentin, die im Blasorchester Querflöte spielt, führte die Nachwuchsmusiker sicher durch drei anspruchsvolle Stücke. Vor allem mit "Leuchtfeuer", seinem letzten Titel, zeigte der Nachwuchs nicht nur seine teils erstaunlichen technischen Fertigkeiten, sondern auch eine unbändige Freude am Musizieren. Den "Großen" muss nicht bange sein: Franziska Lambacher zieht ein paar echte Vollblutmusiker heran.

Bei den "Großen", also dem Blasorchester, gab es zunächst eine Überraschung. Andreas Walter, der Stammdirigent, setzte dieses Mal aus Zeitgründen aus und verstärkte als Trompeter das hohe Blech. Für ihn eingesprungen war der Stellvertretende Kreisverbandsdirigent Rupert Vogl. Mit "A Christmas Auld Lang Syne" und "A Discovery Phantasy" nahm der Abend richtig Fahrt auf. Mit überwiegend getragenen Tempi und feinster Spieldynamik spielten die Musiker eine heitere Weihnachtsstimmung ins Publikum. Anderswo wäre das schon der musikalische Höhepunkt gewesen. Auch wenn nichts mehr nachgekommen wäre, wäre es ein schöner Blasmusikabend gewesen. Martin Schneider, selber aktiv beim Musikverein Schnürpflingen, nickte zustimmend: "Die Regglisweiler Musiker gehören halt zu den besten im Illertal."

Doch das war nur das Vorspiel an einem denkwürdigen Abend. Nach einer Pause zogen die Regglisweiler Musiker alle Register, wobei das Bild durchaus stimmig ist, denn die großartig angelegte Ouvertüre zu Giuseppe Verdis Oper Nabucco (Nekubadnezar) verlangte von den einzelnen Instrumentengruppen, den Registern, aufs Genaueste aufeinander zu hören, schon weil da kein 80-Mann-Orchester auf der Bühne stand, sondern nur eine ziemlich kleine Blaskapelle, in der jeder Musiker eine große Verantwortung für den Zusammenklang einfach übernehmen muss. Talent, Übungsfleiß und die Leidenschaft von zweieinhalb Dutzend Vollblutmusikern, angeleitet vom energisch dirigierenden Rupert Vogl, gipfelten in geradezu italienischen Begeisterungssturm des sonst so ruhigen Regglisweiler Publikums.

Tributes oder Medleys gibt es viele und sie sprechen immer einen Großteil des Publikums an. So etwas ist eine sichere Sache. Fünf bis acht Minuten lang ein paar Refrains aneinandergereiht, die täglich im Radio dudeln, garantieren gute Laune im Saal. Auf dem Weihnachtskonzert dauerte das Medley mit Titeln von Elvis Presley aber weit über zwanzig Minuten. Den Elvis gab - stilecht mit schwarzer Perücke, weißen Stiefeln und langen Koteletten - Jürgen Klöble aus Schmiechen, dem Wohnort von Rupert Vogl. Der ehemalige Landesligakicker zog sein Publikum nur durch seine Präsenz und seine Stimme in den Bann, dankenswerterweise verzichtete er dabei auf Peinlichkeiten wie Hüftschwünge. Trotzdem oder gerade deswegen hatte er eine Bühnenpräsenz wie ein Vollprofi.

Praktisch nonstop spielten die Musiker komplexe Rhytm&Blues-Arrangements, ein ungeheurer Probenaufwand, wie alle Beteiligten zugaben. Und eine Bravourleistung, die sogar Rupert Vogl Respekt abverlangte. Speziell der Tubist Clemens Stiehl bekam ein Extralob vom Dirigenten, "weil er sämtliche Kontra- und Elektrobasslinien aller Titel am Stück durchspielen musste." Am Ende gab es stehende Ovationen und minutenlangen Beifall.