Infrastruktur Staig stimmt Supermarktplänen der Nachbarn zu

Der Treff 3000 in Staig.
Der Treff 3000 in Staig. © Foto: Franz Glogger
Staig / fg 08.06.2018

Was hat Staig mit einem Markt in Oberkirchberg zu tun? Diese Frage kann man sich schon stellen. Die Erklärung: Über einen Markt von bis zu 800 Quadratmetern kann die Illergemeinde selbst entscheiden. Will sie jedoch darüber hinaus, muss Staig als Partner des gemeinsamen Kleinzentrums erst zustimmen. Und der auf dem früheren Möhle-Areal geplante Rewe-Markt soll knapp 1000 Quadratmeter messen.

Bislang tat sich Staig schwer mit einem Ja, da die Gemeinde eine Konkurrenz für den eigenen „Treff 3000“ fürchtete. Er sei schleppend in Gang gekommen, schreibe aber inzwischen schwarze Zahlen, informierte Bürgermeister Martin Jung. In der Sitzung des Gemeinderats sprach Jung sich dafür aus, dem nun geplanten Markt zuzustimmen. Vor allem, weil das früher geplante Nahversorgungszentrum mit 1400 Quadratmetern und mehreren kleinen Märkten an der Landesstraße L 260 vom Tisch sei.

Die benötigte Zustimmung Staigs bringe die Gemeinde in die Position, eigene Forderungen stellen zu können, sagte der Bürgermeister: Staig solle nur unter dem Vorbehalt zustimmen, dass der eigene Markt ebenfalls auf 1000 Quadratmeter erweitert werden darf und weitere Ladenflächen wie eine Bäckerei-Filiale bekommt. Außerdem müsse Staig ein zweiter Markt zugestanden werden, da im Illerkirchberger Teilort Unterkirchberg bereits ein Netto-Markt steht. Weitere Forderungen sind eine zeitnahe Umsetzung des von einem Fachbüro vorgeschlagenen gemeinsamen Nahversorgungskonzepts sowie die dauerhafte Aufgabe des Nahversorgungszentrums an der L 260 „oder sonstiger Handelsbetriebe“. Das Gremium der Nachbargemeinde habe zwar das Verfahren zurückgezogen, aber ohne den Zusatz „dauerhaft“, sagte Jung.

Kritik an Informationspolitik

Mit der Zustimmung des Gremiums dauerte es jedoch etwas: Die Räte ärgern sich noch immer über die Nachbarverwaltung, die nicht ausreichend über die früheren Pläne informiert haben soll. Die Kritik reichte von „das war nicht optimal“ bis zum Vorschlag von Erwin Karletshofer, den Markt zumindest im Moment abzulehnen: „Illerkirchberg darf ruhig schwitzen.“ Letztendlich wirkten die Argumente des Bürgermeisters – auch deshalb, weil die Erweiterung des Treff 3000 laut Jung „schneller notwendig werden kann, als uns lieb ist“ (siehe Kasten). Erich Kienhöfer plädierte dafür, das „nun verbesserte Verhältnis“ zu Illerkirchberg zu honorieren. Mit Nachbarn sollte man grundsätzlich versuchen, gut auszukommen:  „Das hat nicht immer so geklappt.“

Den Bedenken einiger Räte, ob der eigene Markt noch geschützt bliebe, hielt Dietmar Fetzer entgegen: „Da müssen wir uns selber an der Nase fassen und hier einkaufen.“ Franz Wahl sah sich gegenüber Illerkirchberg im Wort: „Wir haben gesagt, wenn der Markt kleiner wird, dann stimmen wir zu. Jetzt ist er kleiner, dann müssen wir auch ja sagen.“

Erwin Karletshofer stellte den Antrag, das Thema zu vertagen, bis mehr bekannt sei über die Zukunft der zum Edeka-Konzern gehörenden Treff-3000-Kette. Dafür waren drei Räte, elf waren gegen ein Verschieben. Der Zustimmung unter den von Jung genannten Bedingungen folgten elf Räte, zwei votierten mit Nein, ein Ratsmitglied enthielt sich.

Gerücht: Aus Treff 3000 soll Netto werden

Rückblick Im Entwicklungsplan für das Wohngebiet „Hinter den Tannen“ sah die Gemeinde 2003 auch Platz für einen Einkaufsmarkt vor. Den verwirklichte Edeka mit dem Discounter „Treff 3000“.

Zukunft Die 160 Filialen umfassende Kette soll offenbar vom Markt genommen werden. Etwa die Hälfte, darunter wohl die Filiale in Staig, will Edeka demnach in die Discount­-Schiene Netto integrieren. Das Unternehmen bezeichnete dies auf Anfrage als „Branchengerücht“.

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