Ersingen Stadtwerke lassen Wasser der Ersinger Seen ab - Verein rettet Tiere

FRANZ GLOGGER 24.08.2015
Niedrigwasser zeigt: In den Ersinger Stauseen kreucht und fleucht es wieder. Dies haben Fischer beim Absenken des Pegels festgestellt. "Das kommt hier richtig gut", sagte Gewässerwart Simon Henle.

Die beiden Männer knien im Schlamm. Mit den Händen durchkämmen sie Pfützen. "Hier ist jede Menge", ruft Simon Henle seinem Partner Andreas Matz zu. In Henles Hand wuselt es: Stichling, Karpfen, Bitterling, Schleie, Teichmuschel, Bachflohkrebs und ein Frosch zappeln darauf. Allesamt Jungfische. Manche sind kaum dem Dottersackstadium entwachsen. Henle taucht seine Hand in einen mit Wasser gefüllten Bottich und setzt den Fang ab. In der schlammgefärbten Flüssigkeit wimmelt es nur so vor Leben.

Henle ist Gewässerwart des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm, Matz eines der Mitglieder. Seit den frühen Morgenstunden sind die beiden mit anderen Petrijüngern des Vereins auf den Ersinger Stauseen unterwegs, die Teil des Kanalnetzes für das Kraftwerk Donaustetten sind. Für notwendige Reparaturen an den Uferbauten des Ersinger Wehrs sowie am Rotwehr bei Dellmensingen haben die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) am Freitag begonnen, das Wasser abzulassen.

80 Zentimeter sind notwendig, um die Arbeiten durchzuführen, sagt der für den Unterhalt der Anlagen zuständige SWU-Ingenieur Bernd Weber. "Nach 90 Jahren Betrieb ist dafür höchste Zeit", erklärt Weber. Vier Wochen wird die 70 .00 Euro teure Maßnahme dauern. Für den Verein, der das Fischereirecht in dem Kanal ausübt, bedeutet die verhältnismäßig überschaubare Sanierung einen erheblichen Aufwand. Immerhin fällt damit ein beachtlicher Teil der gepachteten 68 Hektar trocken. Wo es geht, werden Jungfische und anderes Wassergetier gerettet. Größere Tiere haben sich mit dem Sinken des Pegels selber in Sicherheit gebracht.

Die Gefahr, in dem abgelagerten Schlick zu versinken, schränkt die Arbeit jedoch arg ein. "Uns tut jeder Fisch leid, der verenden muss. Aber eine so große Fläche aus Morast und Schlamm bekommen wir einfach nicht in den Griff", sagt Henle. Trotzdem ist er nicht unzufrieden, denn mit der Aktion hätten sie über das Ökosystem wichtige Erkenntnisse gewonnen. So makaber es klinge, die Donau sei in den letzten Jahren "zu sauber" geworden, sprich befreit von Schwemmteilchen. Diese seien aber die wichtigste Grundlage für die Bildung von Plankton, das wiederum Fischen nach dem Schlüpfen aus dem Ei und anderen Kleinsttierchen als Nahrung diene. "Ist der Dottersack aufgezehrt, mussten die Tiere verhungern", erklärt Henle.

Deshalb hat der Verein vor einigen Jahren damit begonnen, den Fischbestand umzubauen. Vermehrt wurden Fische ausgesetzt, "die mit dem auskommen, was da ist", sagt der Gewässerwart. Der nun ermöglichte Blick auf den Grund des Kanals habe gezeigt, dass die Arbeit Früchte trägt. "Unmengen" an Kleinfischen wie Gründlinge sei zu sehen gewesen. Und zugleich ein größerer Artenreichtum, vom Bachflohkrebs bis zum Spiegelkarpfen, von der Äsche bis zum Hecht - oder dem Bitterling, der in Symbiose mit der Teichmuschel lebt. "Es hat wohl funktioniert. Wenn das Wasser stabil bleibt, bin ich zuversichtlich. Dann kommt das hier richtig gut", sagt Henle.