Dornstadt Stadt will Gemeinschaftsschule

Dornstadt / THOMAS STEIBADLER 18.07.2015
Dornstadt behält zwei eigenständige weiterführende Schulen: die Realschule und die Werkrealschule, die zur Gemeinschaftsschule werden soll.

"Regionale Schulentwicklungsplanung für die weiterführenden Schulen in Dornstadt" - die sperrige Formulierung lässt erahnen, dass es sich um keinen einfachen Prozess gehandelt hat. An dessen Ende sollte jetzt ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss stehen. Das jedenfalls wünschten sich am Donnerstagabend Beate Happold (Freie Wähler) und Bürgermeister Rainer Braig. Einstimmigkeit als Zeichen dafür, dass die Kontroversen der Entscheidungsfindung überwunden sind und das formulierte Ziel gemeinsam angesteuert wird. Der Wunsch ist nicht ganz in Erfüllung gegangen, Hans Schmid und Joachim Schmutz (beide BWV/CDU) enthielten sich der Stimme.

Laut dem Beschluss bleiben Realschule und Werkrealschule selbstständig. Aus der Realschule wird, wenn der Wille der grün-roten Landesregierung zur angestrebten Gesetzesänderung führt, die "Realschule neu": mit neuem Unterrichtskonzept und der Möglichkeit, den Hauptschulabschluss zu machen. Zu diesem Zweck werden ab dem Schuljahr 2016/17 die Klassenstufen fünf und sechs zur Orientierungsstufe. Nach der sechsten Klasse wird am Ende jedes Schuljahres entschieden, ob ein Schüler künftig auf grundlegendem (G) oder mittlerem (M) Niveau unterrichtet wird. Das freiwillige Ganztagsangebot und der laut Verwaltung in Dornstadt "sehr erfolgreiche" zweisprachige Zug sollen beibehalten werden.

Aus der Werkrealschule soll eine Gemeinschaftsschule werden. Den Antrag beim Land wird die Gemeinde zum 30. Juni 2016 stellen. Im Schuljahr 2017/18 soll die Umstellung mit der fünften Klasse beginnen. Drei- oder viermal pro Woche wird auch nachmittags Pflichtunterricht gehalten - wie in der Realschule auf G- und M-Niveau, zudem auf erweitertem (E) Niveau. Wenn die Gemeinschaftsschule so attraktiv wird wie erhofft, könnte den E-Schülern in einigen Jahren eine zum Abitur führende Oberstufe angeboten werden. Voraussetzung für eine Oberstufe sind allerdings 60 Schüler pro Jahrgang. Dann wäre der Wunsch von Beate Happold - "Schulen für alle in Dornstadt" - in Erfüllung gegangen: "Es muss kein Kind mehr wegfahren."

Das jetzt vom Gemeinderat beschlossene Vorgehen ist das Ergebnis langer Diskussionen: im Gemeinderat und in den Gremien beider Schulen. Zudem wurde eine Steuergruppe mit Schul- und Elternvertretern, Bürgermeister Braig, Hauptamtsleiter Jörg Huhnke und zwei Moderatoren von der Führungsakademie Baden-Württemberg eingerichtet. Schließlich fand im Bürgerhaus in Temmenhausen eine ebenfalls moderierte Klausur zur Schulkonzeption statt.

Am Ende dieses Prozesses steht "ein sehr gutes Ergebnis für Dornstadt", sagte Bürgermeister Braig. Nicht alle Gemeinderäte sind so überzeugt. Werner Weidlin (SPD): "Nicht mein Wunschergebnis, aber ich kann damit leben." Wichtig sei, "dass in Dornstadt keine schulische Monokultur" entsteht, sagte sein Fraktionskollege Paul Anhorn. Zufrieden mit Prozess und Ergebnis, zeigte sich Herbert Jarosch (Freie Wähler), jedoch habe die Entscheidungsfindung zu lange gedauert.

Einige Gemeinderäte forderten die Real- und die Werkrealschule zu verstärkter Kooperation auf. Bürgermeister Braig: "Mir scheint, alle Beteiligten haben begriffen, dass ein Schulzentrum nur mit Zusammenarbeit funktioniert."