Waldemar Westermayer aus Leutkirch war bis zur Übergabe des Hofs an seinen Sohn selbst Milchbauer. Seit vier Monaten ist der 61-Jährige als Nachfolger von Annette Schavan für den Wahlkreis Ulm im Bundestag. Am Sonntag diskutierte er auf Einladung des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter (BDM) mit etwa 40 Landwirten im Gasthaus Hirsch in Dellmensingen über Lage und Zukunft der Landwirtschaft im allgemeinen und der Milchbauern im speziellen.

Um gemeinsame Ziele zu erreichen, müssten die Landwirte und ihre Organisationen zusammenstehen, sagte Westermayer. Bauernverband und BDM sollten sich nicht gegenseitig schlecht machen. Als der Milchpreis vor drei Jahren wegen Überproduktion fiel, wäre ein Aufruf des Bauernverbands zur Selbstbeschränkung der Landwirte hilfreich gewesen. Drei Prozent weniger Milch hätten seiner Meinung nach genügt, um den Preis stabil zu halten. Stattdessen habe der Verband gemeint: "Das wird schon wieder." Diese eher gleichgültige Haltung nehme der Verband auch angesichts der zum 31. März 2015 fallenden EU-weiten Milchquote ein, kritisierte Westermayer.

Der Abgeordnete, selbst Mitglied im Bauernverband und im BDM, nahm sich aber auch die Milchbauern zur Brust. Sie hätten es weitgehend selbst in der Hand, die Preise in einem auskömmlichen Rahmen zu halten. Das aber unterliefen jene Kollegen, die ihre Betriebe vergrößern, um nach dem Wegfall der Quote große Mengen günstig zu produzieren. "Bäuerliche Egoisten", wie es ein Zuhörer formulierte, beschäftigen auch den BDM. Nach den Worten des Landesvorsitzenden Karl-Eugen Kühnle aus Ulm-Unterweiler, gestehen es die Kartellbehörden den Milchbauern ausdrücklich zu, die Produktion zu drosseln, um Marktmacht auszuüben. "Davon träumen andere Branchen." Doch seien zu wenige Landwirte bereit, Druck auszuüben.

Die dafür notwendige Solidarität könne nur durch verbindliche Vorgaben erzwungen werden, sagte ein Zuhörer. Einigkeit unter Landwirten und ihren Verbänden herzustellen, sei aber nicht Aufgabe der Politik, betonte Westermayer. Es sei an Bauern und Organisationen, Einfluss auf den Milchmarkt zu nehmen: "Wenn wir schlau genug handeln, können wir den Preis halten."