Schelklingen / Maria Bloching  Uhr
Am Hohlen Fels in Schelklingen eröffnet Staatssekretärin Katrin Schütz den Welterbetag. Die Bewahrung des Kulturguts bezeichnet sie als große Verantwortung.

Es gibt 44 Welterbestätten in Deutschland, sechs davon allein in Baden-Württemberg. Unter ihnen die Höhlen im Ach- und Lonetal. Die dort gefundenen archäologischen Hinterlassenschaften zählen zu den herausragenden und am besten erhaltenen Zeugnissen des modernen Menschen in Europa aus der Zeit vor ungefähr 40 000 Jahren.

Für Staatssekretärin Katrin Schütz, die am Sonntag am Schelklinger Hohlen Fels den diesjährigen Welterbetag im Land eröffnete, stehen die Höhlen für „die herausragende Denkmallandschaft unseres Landes“. Es sei die figürliche Kunst aus längst vergangenen Zeiten, die die Welterbestätte der Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb so besonders mache. „Es gibt kein Ranking, dennoch haben wir hier etwas ganz Bemerkenswertes: ein Zeugnis für die einzigartige kulturelle Entwicklung der Menschheit“, sagte Schütz. Sie erwähnte die Figurenschnitzereien aus Mammut-Elfenbein und das älteste Musikinstrument. Etwas Vergleichbares wie die Venus vom Hohlen Fels gebe es weltweit nicht. Die Bewahrung des Welterbes der Höhlen bringe auch eine große Verantwortung mit sich.

Lob für die Ehrenamtlichen

Das Land könne stolz sein über die Entwicklung im Ach- und Lonetal und den Aufbau eines Informationssystems, der koordinierten Besucherlenkung, der vorsichtigen Forschung und dem Schutz und der Konservierung. „Dafür braucht es Menschen vor Ort, die Projekte mit Leben füllen.“ So galt der besondere Dank von Landrat Heiner Scheffold vor allem den Ehrenamtlichen: „Ohne dieses jahrelange Ehrenamt wären diese Höhlen und die Region nie ein Welterbe geworden.“

Die Akteure haben sich in der Dachmarke „Weltkultursprung“ zusammengeschlossen und seien gemeinsam unterwegs: „Das wäre vor drei Jahren in dieser Form undenkbar gewesen“, sagte Scheffold. Er erwähnte den Vertrag zur Gründung dieser Dachmarke mit einer hauptamtlich geführten Geschäftsstelle in Ulm, die Entwicklung eines gemeinsamen Logos, Schulungen der 30 Gästeführer sowie Werbeaktionen und die Einrichtung eines E-Bike-Radweges von Schelklingen nach Niederstotzingen als konkrete Schritte. Den Welterbetag sah Scheffold als Motivation und Verpflichtung, sich weiterhin für dieses Welterbe in der Region stark zu machen. Gemeinsam werde man sich einsetzen, um den Besuchern Geschichte informativ und verantwortungsbewusst näher zu bringen, sagte der Landrat.

Über mehrere Täler verteilt

Als „eine große Ehre“ bezeichnete Iris Mann, Bürgermeisterin in Ulm, die Eröffnung des Welterbetages in Schelklingen. „Das ist ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Partner.“ Das sei nicht immer ganz einfach, weil man im Gegensatz zu anderen Welterbestätten räumlich über mehrere Täler, Höhlen, Fund- und Präsentationsorte verteilt sei. Doch die gesamte Region erfahre dadurch eine Stärkung, deshalb bedürfe es auch immer wieder konstruktiver Impulse und vor allem auch habhafter Unterstützung durch das Land: „Das hilft den Zusammenhalt vor Ort zu stärken.“

Peter Polta, erster Landesbeamter des Landkreises Heidenheim, sprach sich dafür aus, gemeinsam alles tun, um dieses Erbe für die Menschheit zu erhalten und erlebbar zu machen. Einiges sei schon bewegt worden, vieles sei noch in Planung. „Es ist spannend, wenn die Vergangenheit ins Hier und Jetzt geholt, erforschbar und entdeckbar gemacht wird.“ Polta sprach damit das vielfältige Rahmenprogramm an, das am Welterbetag am Hohlen Fels und am Geißenklösterle, im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren und im Museum Ulm, im Hohlestein-Stadel und im Archäopark Vogelherd im Lonetal geboten wurde.

Von „monumentalen Veränderungen in den vergangenen Jahren“ berichtete Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalschutz. „Es gibt kein anderes Bundesland, das so hochkarätige Denkmäler mit einer derartigen Spannweite besitzt wie Baden-Württemberg.“

Info Unter dem Motto Eiszeit-Reise erlebten die Besucher ein spannendes Programm an den Welterbestätten. So probierten sie eiszeitliche Jagdtechniken aus, waren künstlerisch tätig und erfuhren bei Führungen mehr über das Leben der Eiszeitkünstler.

Schelklinger fordern ein Infozentrum am Hohlen Fels

Protest Schelklinger Bürger brachten beim Welterbetag mit Plakaten ihren Unmut über die Verzögerungen bei der Errichtung eines Infozentrums am Hohlen Fels zum Ausdruck. Sie fordern unter anderem auch eine Abbiegespur von der Bundesstraße zum Parkplatz beim Hohlen Fels.

Klarstellung Zu der Frage, wer eine Weiterentwicklung bremse, stellte Prof. Dr. Claus Wolf klar, dass es nicht am Landesamt für Denkmalpflege liege. „Unsere Entscheidung ist gefallen, wir haben uns klar dazu geäußert. Nun liegt der Ball woanders und wir müssen warten, bis die Dinge in Gang gesetzt werden.“ Wolf leitet das Landesamt. blo