Das vereinseigene Wasserkraftwerk am Gießenbach stand im Mittelpunkt der Generalversammlung des Sportfischereivereins Kirchberg. Wie Vorsitzender Martin Mussak erläuterte,musste an der kleinen Anlage die Technik instand gesetzt werden. Außerdem war es Auflage verschiedener Regierungsbehörden, eine Fischtreppe zu installiert. Man entschied sich für eine recht aufwändige Lösung, die nur in vielen Stunden Eigenarbeit realisiert werden konnte. Vergangenes Jahr eingeweiht (wir berichteten), sorgte sie beim Rückblick noch einmal für Furore. Denn Mussak hatte sich zwischenzeitlich an die Untere Naturschutzbehörde in Biberach gewandt – mit der Bitte, dem Verein sogenannte „Ökopunkte“ zuzuweisen. Die Behörde stellte fest, es handele sich „um eine kleinflächige Maßnahme mit großer Flächenwirkung“. Deshalb bewertete sie das knapp 40 Meter lange Bauwerk mit sage und schreibe 134 383 Ökopunkten.

Diese Punkte sind in der Kommunalpolitik bares Geld wert. Das verdeutlichte Kirchbergs Bürgermeister Jochen Stuber. Demnach benötigt jede Gemeinde, wenn sie Flächen versiegelt, zum Beispiel für ein Gewerbe- oder ein Wohngebiet, diese Punkte, um damit den Verlust von intakter Natur auszugleichen. In der Regel kauft die Gemeinde Ackerflächen auf, um selbige ökologisch aufzuwerten, oft durch die Umwandlung in eine Streuobstwiese.

Nun bot der Sportfischereiverein der Kommune die Punkte zum Kauf an. Auf dem freien Markt in der Region sind 100 Punkte 50 bis 75 Euro wert. Zugeschlagen hat Kirchberg bei einem Preis von knapp 36 Euro. Wie Stuber mitteilt, habe der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung zugestimmt. Der Preis sei fair, betonte Mussak, er habe sich aus der Tatsache ergeben, dass es schließlich die Gemeinde war, die den Verein bei seinen Vorhaben unterstützt hatte. Von den erzielten knapp 50 000 Euro fließen jedoch nur 10 000 Euro in bar an den Verein. Der Rest kommt quasi in Raten: Für 25 Jahre verzichtet Kirchberg auf sämtliche Pachtzahlungen für die Seen.

Weniger spektakulär waren die anderen Themen: Mit den Gästen des Badesees scheint das Miteinander zwischenzeitlich gut zu funktionieren, seitdem nur noch aus dem Ruderboot geangelt werden darf. Auf dem Dorf- und dem Fischerfest erwirtschaftete der Verein einen kleinen Gewinn und konnte damit die Schuldenlast auf unter 100 000 Euro drücken.

Mit einem flammenden Appell beendete Gewässerwart Sven Ruchti seine Amtszeit: Eindringlich warnte er vor dem so genannten „Catch and Release“, also dem Angeln von großen Fischen, um sie wieder freizulassen. So etwas wolle niemand im Verein. Ruchti verwies auf ein aktuelles Gerichtsurteil, das zwei Angler zu insgesamt rund 1600 Euro Strafe verdonnerte.

Wie Ruchti trat auch der Stellvertreter des Vorsitzenden, Michael Lange, mehr zur Wahl an. Nachfolger wurde Benjamin Walcher. Dietmar Schemperle wird Ruchti ersetzen. Neu im Vorstand sind Daniel und Leon Abler als Beisitzer. Wer Mitglied im Kirchberger Sportfischereiverein werden will, muss sich um Aufnahme bewerben. Diesmal hatten alle Anwärter Glück, obgleich nicht einer ohne Gegenstimme aufgenommen wurde. Geehrt wurden Werner Zeiler für 25 Jahre sowie Horst Beland, Karl-Heinz Kramer und Georg Weber für 40 Jahre Mitgliedschaft.

Sinnloser Akt der Tierquälerei


Catch and Release Der Begriff heißt übersetzt „fangen und freilassen“. Erwischen sie ein großes Exemplar, zücken manche Angler die Kamera für ein Selfie mit Beute. Überlebt der Fisch die Zeit außerhalb des Wassers überhaupt, zieht man ihm den Haken aus dem Maul und lässt ihn samt Verletzung und Trockenstress wieder frei. Diese Praxis ist in Deutschland verboten. Das Fischereigesetz sieht vor, dass Fische beim Fang der Natur entnommen werden, um letztlich auf dem Teller zu landen. Catch and Release sei ein sinnloser Akt von Tierquälerei, sagt der Kirchberger Gewässerwart Sven Ruchti.