Bildung Sport und Spiel trainieren das Gehirn

Referentin Sabine Kubesch und Realschul-Rektor Martin Metzger.
Referentin Sabine Kubesch und Realschul-Rektor Martin Metzger. © Foto: Barbara Hinzpeter
Von Barbara Hinzpeter 02.11.2018

Wer sich bewegt, lernt besser. Denn beim Sport trainieren Kinder nicht nur Muskeln, sondern auch ihr Gehirn. Was da beim Lernen passiert, machte die Sport- und Neurowissenschaftlerin Sabine Kubesch vom Heidelberger Institut „Bildung plus“ bei einer Lehrerfortbildung in Langenau deutlich.

An vielen Beispielen, die den Lehrern aus ihrem Schulalltag nur allzu bekannt vorkamen, erläuterte sie, warum manche Kinder den Unterricht stören oder sich nicht konzentrieren können. Sie können ihre Gefühle, ihre Aufmerksamkeit und ihr Verhalten nicht oder nur unzureichend steuern. Mit der Folge, dass sie sich mehrere Informationen hintereinander nicht merken und nicht damit arbeiten können, dass sie sich leicht ablenken lassen und nicht in der Lage sind, Neues aufzunehmen, flexibel darauf zu reagieren oder Aufgaben selbstständig zu lösen. Ermahnungen, mehr zu lernen, laufen ins Leere.

Emotionen nicht im Griff

Das ist oft keine Frage von Faulheit, wie Lehrer und Eltern vielleicht unterstellen. Schuld ist auch nicht mangelnde Intelligenz. Vielmehr können solche Defizite die Folge von fehlender Selbstregulation sein, zum Beispiel von der Unfähigkeit, spontane Impulse zu unterdrücken. Die Wissenschaftler sprechen von „exekutiven Funktionen“, die verantwortlich sind fürs Lernen, aber auch für die soziale und emotionale Entwicklung.

Sie können trainiert werden, so Kubesch. Besonders gut durch Sport, aber etwa auch beim Musizieren. Dabei lernen die Kinder, Regeln zu befolgen, sich auf neue Situationen einzustellen. Und: Neue Nervenzellen bilden sich, das Gehirn arbeitet besser. Hinzu kommt: Bei Bewegung wird das Hormon Serotonin ausgeschüttet. Die Stimmung steigt, aber Ängste – zum Beispiel die vor der nächsten Mathearbeit –, Aggressionen und Stress nehmen ab.

Die Lehrer der Langenauer Schulen waren sehr angetan von der ganztägigen Fortbildung, welche die Stadt Langenau, das Staatliche Schulamt und der Verwaltungsverband finanziert hatten. Sie sei „mega happy“, dass sie ihren freien Tag und noch dazu den Freitag vor den Herbstferien für die Teilnahme geopfert habe, sagte eine Lehrerin der Ludwig-Uhland-Grundschule. Die Referentin habe präzise und plausibel die Störungen und Auffälligkeiten beschrieben und erklärt, mit denen sie im Schulalltag konfrontiert sei.

Sie nehme sehr hilfreiche Tipps mit und – nicht zuletzt durch die „Selbsterfahrungs“­-Übungen – vor allem einen anderen Blickwinkel auf die Probleme der Kinder. Sie verstehe jetzt manche Situationen, die im Unterricht immer wieder entstehen, jetzt besser, bestätigte eine Lehrerin vom Robert-Bosch-Gymnasium.

Martin Metzger, Schulleiter der Friedrich-Schiller-Realschule und geschäftsführender Schulleiter der Langenauer Schulen, hatte den Tag organisiert. Er hat bereits Erfahrungen mit der gezielten Förderung der „exekutiven Funktionen“, zum Beispiel mit der „bewegten Pause“. Darüber hinaus  bietet er zweimal pro Woche von 7.30 bis 7.50 Uhr Bewegungsspiele an. Mehr gehe leider aus organisatorischen Gründen momentan nicht. Aber er arbeite an einem Konzept für einen außerschulischen Kurs.

Allerdings baue er auch in den regulären (Sport-)Unterricht Spiele zur Förderung der Hirnfunktionen ein. „Wichtig wäre es, Eltern stärker einzubinden“, sagt Metzger. Denn die schauten nur auf die Noten und auf das Verhalten. Seiner Ansicht nach wäre es oft besser, nach den Gründen dafür zu fragen, als die Kinder zur Nachhilfe zu schicken.

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