Erfindung Spieglein, Spieglein an der Wand

Dietenheim / Isabella Hafner 14.08.2018

Die Geschichte geht so: Rolf Gramm begleitete seine Ehegattin beim Kleidungskauf. Sie probierte eine Jeans an und fragte den Gatten nach seiner Meinung.  Sitzt die Hose gut? Wie sieht sie von hinten aus? Rolf Gramm versuchte es seiner Frau so gut wie möglich zu beschreiben. Sie verrenkte sich vor dem Spiegel. Irgendwie war sie sich nicht ganz sicher… Wie sieht die Hose von der linken Seite aus, wie von der rechten? Da dachte sich Rolf Gramm: Es müsste einen Spiegel geben, in dem man sich gleichzeitig perfekt von hinten und vorne sehen kann.

Rolf Gramm ist 60 Jahre alt und führt in Dietenheim ein gleichnamiges Unternehmen, das sich auf beleuchtete Spiegel spezialisiert hat. Mit Studierenden der Hochschule Ulm begann er kurz darauf, seine Idee umzusetzen. „Welche Revolution das in den Umkleidekabinen auslösen würde? Der Wahnsinn!“, dachte sich der Tüftler.

Schwenkbar in jede Richtung

Eineinhalb Jahre dauert die Entwicklung des 360-Grad-Super-Spiegels am Ende dann doch. Die Ulmer Studierenden unterstützten ihn kräftig bei der Umsetzung der technischen Details, erzählt er. Und wie funktioniert der Wunderspiegel nun? Ein Quadrat ist ausgespart. Rolf Gramm erklärt den Sinn und Zweck so: „Dort wurde die Spiegelfläche chemisch entfernt. Dahinter verbirgt sich ein Bildschirm.“ Dieser  zeigt die Person gleichzeitig von hinten. Er erhält seine Daten von einer Kamera, die entweder an der Decke, an der Wand oder auf einem Ständer hinter der Person montiert ist. „Die Kamera verfügt über einen 30-fachen optischen Zoom, so dass auch der kleinste Knopf im Spiegel zu sehen ist.“ Und: Die Kamera lässt sich in jede Richtung schwenken.

Der Verkauf geht los

In Ulm wird man die Erfindung aus Dietenheim bald im Sportgeschäft Klamser ausprobieren können. Dem großen Modehaus Reischmann stellt sie Rolf Gramm demnächst vor. Er hofft, dass auch dort Begeisterung ausbricht. Etwa seit einem Monat ist der Spiegel verkaufsfertig. Doch nicht nur Ladengeschäfte können sich den 1,80 beziehungsweise 1,70 Meter hohen und 80 Zentimeter breiten Spiegel in die Umkleidekabinen stellen.

Auch in Privathaushalten soll er künftig einziehen. Gramm: „Dann braucht die Frau nicht mehr umständlich mit dem Handspiegel in der einen Hand und den Klammern in der anderen Hand herum hantieren, wenn sie sich eine Hochsteckfrisur machen will.“ Auch als Garderobenspiegel eigne er sich gut: quer aufgehängt oder stehend. Zunächst gibt’s das Standardmaß auf dem Markt – für 2000 Euro. Die Maße könnten individuell abgewandelt werden, sagt Gramn.

Wenn Modegeschäfte bald alle mit 360-Grad-Spiegeln ausgerüstet sind, wird Rolf Gramms fachmännischer Blick beim Kleidungskauf mit seiner Frau über­flüssig. Das ist ihm klar.  Mit seiner Erfindung hat er sich wohl selbst ersetzt. Schlimm? Gut? Gramm lacht laut – und sagt nix.

Mehr Mitarbeiter für „Si-More“

Die Erfindung Der Spiegel und der Produktname „Si-More“ sind mittlerweile vom Patent- und Markenamt geschützt. In Kürze sollen auch Rahmen für den Spiegel lieferbar sein. Es sei geplant, viele Stilrichtungen abzudecken – „vom stylischen Metallrahmen bis hin zum Rahmen im Vintage-Style“, sagt Rolf Gramm. Anfragen hat der schwäbische Tüftler bereits aus Russland, Spanien, Dubai und den Arabischen Emiraten. „Wir haben rund 30 Mitarbeiter und werden relativ kurzfristig unsere Mitarbeiterzahl deutlich erhöhen können“, kündigt der Dietenheimer Unternehmer an. Neben Geschäften und im Privatbereich können Gramm zufolge auch Frisöre und Fitnessstudios vom Spiegel profitieren.

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