Partei SPD: Julius Bernickel ist neuer Vorsitzender

Der neue SPD-Kreisverbandsvorstand (von links): Regine Lieb, Monika Späth, Julius Bernickel, Stephanie Bernickel, Jonas Unterricker, Michael Kühnemund und Lisa Späth.
Der neue SPD-Kreisverbandsvorstand (von links): Regine Lieb, Monika Späth, Julius Bernickel, Stephanie Bernickel, Jonas Unterricker, Michael Kühnemund und Lisa Späth. © Foto: Joachim Schultheiß
Ehingen / Joachim Schultheiß 12.03.2018
Die Mitglieder im SPD-Kreisverband Alb-Donau wählen Julius Bernickel aus Ehingen zum Vorsitzenden. Es gibt auch Kritik.

Der mit Abstand jüngste Kreisverbandsvorsitzende einer Partei in Deutschland kommt aus Ehingen, das steht seit Samstag fest: Julius Bernickel, 18 Jahre alt und bislang Schriftführer des SPD-Kreisverbands Alb-Donau sowie Juso-Kreisvorsitzender, ist als Nachfolger von Bernhard Gaertner mit 88 Prozent der Stimmen (siehe Infokasten) zum Vorsitzenden des Verbands gewählt worden. Gaertner kandidierte nicht mehr. Er war am Samstag krankheitsbedingt verhindert und ließ seinen Bericht verlesen.

Streitbar beglieben

Wer vor der Wahl geglaubt hatte, angesichts des einzigen Kandidaten würde die Versammlung den Bewerber einfach so durchwinken, hatte nicht mit der streitbar gebliebenen SPD und nicht mit der  Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis gerechnet. Heftig kritisierte sie Bernickel dafür, dass er sich in seiner Bewerbungsrede auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron bezogen hatte, mit dem sie sich nicht vergleichen wolle.

Aus Frankreich kämen nur neoliberale Töne, sagte die Vorsitzende des „Forums Demokratische Linke 21“. Angesichts des Erneuerungsprozesses der SPD fragte sie, ob ein 18-Jähriger diese Aufgabe bewerkstelligen könne. „Ist das wirklich die richtige Entscheidung, oder nimmt es nur anderen das Problem von den Hacken und von vielen den Druck weg?“

Bernickel selbst bezeichnete es als schade, dass Mattheis, die für einen Erneuerungsprozess der SPD einstehe, so argumentiere. Er habe sich aber gefreut, dass der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir sich hinter ihn gestellt habe. Rivior sagte, mit dem Bezug auf Macron seien nicht die neoliberalen Seiten des französischen Präsidenten gemeint. Die Abgeordneten seien er in der Pflicht, die Ehrenamtlichen zu unterstützen.

Von Jürgen Haas, dem Vorsitzenden des Schelklinger Ortsvereins und Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat, kamen ebenfalls kritische Töne gegenüber dem Bewerber. Die Forderungen etwa nach einem besseren Nahverkehr in der Region möge dieser doch mit denen abstimmen, die darüber entscheiden. Viele Forderungen scheiterten aus finanziellen Gründen.

Forderungen nicht weichspülen

Dies sah Christel Seppelfeld vom Ortsverein Blaubeuren jedoch anders. Der Kandidat habe das Recht, Dinge zu formulieren, die er für nötig halte. Er müsse seine Forderungen nicht vorher etwa mit Gemeinderäten weichspülen. „Was Hilde gemacht hat, ist eine Demontage des Julius“, sagte der Ehinger Lutz Deckwitz.

Bernickel selber relativierte seinen Bezug auf den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Er habe damit nicht den Investmentbanker gemeint sondern den Macron, der aus dem Nichts etwas aufgebaut habe. Er wisse schon, dass er selbst sehr jung sei, aber er habe auch Helfer im Vorstand, sagte der 18-Jährige. Wolfgang Hänle aus Ehingen sagte zu den Kontroversen um die Vorstandswahl: „In anderen Parteien gibt es genügend Beispiele, wo junge Leute gefördert werden.“

Die Ergebnisse im Überblick

Vorstand Von den rund 320 Mitgliedern im Kreisverband waren 51 Wahlberechtigte ins Gasthaus Wolfert in Ehingen gekommen, 45 haben für Julius Bernickel, zwei gegen ihn gestimmt. Vier Mitglieder enthielten sich. Die Stellvertreterinnen Monika Späth (40-Ja-Stimmen) Stephanie Bernickel (39) wurden bestätigt. Benjamin Hampel aus Blaustein wurde in Abwesenheit zum neuen Schriftführer, Jonas Unterricker aus Kirchen zum Kassierer gewählt. Die Kandidaten erhielten je 49 Ja-Stimmen. Beisitzer sind Carsten Held (49), Michael Kühnemund (49), Hans Lampe (42), Regine Lieb (50) und Lisa Späth (40). Klara Dorner und Gerhard Müller bleiben Kassenrevisoren.

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