Persönlichkeiten Spaziergang zu historischen Stellen

Beim historischer Spaziergang durch Laichingen informierte der Heimathistoriker Heinz Surek (Bildmitte) die rund 50 Teilnehmer über 16 Persönlichkeiten.
Beim historischer Spaziergang durch Laichingen informierte der Heimathistoriker Heinz Surek (Bildmitte) die rund 50 Teilnehmer über 16 Persönlichkeiten. © Foto: mp
Laichingen / mp 06.08.2018

Solche Käpsale (kluge Menschen) haben wir früher in Laichingen gehabt.“ Diesen Spruch von Heinz Surek hörten die rund 50 Teilnehmer bei seinem historischen Spaziergang durch Laichingen mehrfach. Die Führung ging durch Laichinger Straßen, die ihre Namen Persönlichkeiten verdanken, die in Laichingen gewirkt haben, oder den Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus getragen haben. 134 Laichinger Straßen sind nach solchen Personen benannt, zu 16 davon haben Bürgerstiftung und Stadt die Legenden unter der Straßenbeschilderung angebracht.

Zwei „Käpsale“, die in die Industrialisierung und damit „in die Blütezeit Laichingens“ geführt hatten, waren die Unternehmer Hermann Pichler und Georg Huober. Sie boten mit 88 und 160 Webstühlen obendrein sichere Arbeitsplätze in Laichingen. Zuvor arbeiteten die Laichinger Leinenweber, meist Bauern, zuhause in ihren feuchten und kalten Dunken am Handwebstuhl. Die beiden Unternehmer begründeten den Ruf Laichingens als Leinenweberstadt. Denn sie lieferten an die Reichsstadt Ulm die von dort geforderte, beste Tuchqualität. „Verächtlich wurden diese Weber von den Ulmern ‚Gäuweber‘ genannt“, erzählte Surek. Ein abwertender Begriff, der wohl auf die Armut auf der wenig fruchtbaren Alb abzielte. Eine der zahlreichen Anekdoten, mit denen Surek seine Führungen spickt.

Mit Huober, Pichler und Ulm waren schon drei Straßennamen lebendig geworden: die nach den beiden Webereigründer benannten Straßen und der Ulmer Weg, auf dem die Leinenweber ihre Stoffe nach Ulm brachten. „Ulm war damals ein mächtiger und reicher Stadtstaat“, erzählte Surek dazu.

Heute keine Webstühle mehr

In den „Bleichwisen“ haben die Weber die Leinentücher in der Sonne zum Bleichen aufgehängt. „Wir wollen, dass Laichingen weiterhin die Leinenweberstadt bleibt“, sagte Surek abschließend zur Webereigeschichte augenzwinkernd, „deshalb erzählen wir nicht weiter, dass in Laichingen keine Webstühle mehr stehen.“

Heinrich Kirschmer, der nicht nur Gründer von Obst- und Gartenbauverein und der großen Obstgartenanlage war, sondern ebenso der Gründer der Schwäbischen Albzeitung, war die nächste Station. Einer, dessen Wirken bis heute wesentlich für Laichingen ist, war der Arzt Max Lechler, der am liebsten ein Bezirkskrankenhaus in Laichingen gründen wollte. „Aber die Münsinger haben da nicht mitgemacht.“ Damit spielte Surek auf die bis heute noch unterschwellige „Hassliebe“ zwischen Laichingern und Münsingern an. Doch Lechler gründete den Ortskrankenverein (OKV) und baute unter dessen Trägerschaft das Laichinger Krankenhaus. Heute gehört das Gebäude der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, die ein Pflegeheim dort betreibt. Der OKV selbst ist heute noch aktiv, wenn auch in anderer, sozialer Form.

Dass der Arzt und Krankenhausbegründer auch kommunalpolitisch aktiv war, wusste Surek ebenfalls. „Unter Pseudonym hat er den Gemeinderäten Verbesserungsvorschläge in der Zeitung unterbreitet und wurde, nachdem er seine Tarnung aufgegeben hatte, sofort in den Gemeinderat gewählt.

Doch nicht nur die Laichinger Geschichte findet sich in den örtlichen Straßennamen wieder. So berichtete Surek von der Olga- und Karlstraße, die nach dem König von Württemberg und dessen Frau benannt sind. „Der König hat sich das Gedenken durch die Benennung von Straßen nach ihm nicht verdient, wohl aber seine Frau Olga“, kommentierte er. Ulm habe es gut gemacht, die Prachtstraße nach der Olga und die einspurige Nebenstraße nach dem König benannt: „So ist es richtig.“

Karl Ehmann war eine weitere bekannte Persönlichkeiten: Er versorgte die Alb mit Trinkwasser. „Die Laichinger wollten das zuerst nicht: Wasser laufe schließlich nicht den Berg hoch. Doch als die Hüle zu verdreckt war, lenkten sie ein: für uns geht das Wasser ja noch, aber für‘s Vieh nicht.“ Der Spaziergang endete am Geburtshaus des Heimatdichters Daniel-Mangold. Auf dem Areal stehen seit diesem Jahr die „Weberhöfe“.

Gedenktafel angebracht

Versprechen Die Erbauer der „Weberhöfe“, die Firma Tempus, haben am Samstag ihr bei Baubeginn gegebenes Versprechen eingelöst und eine Gedenktafel angebracht. „Die Tafel steht genau dort, wo der Weg zu Daniel Mangold‘s Haustür geführt hatte“, sagte Geschäftsführer Reiner Betz. Mit dem gemeinsam gesungenen Laichinger „Heimatlied“, begleitet von Winfried Meyer-Hentschel an der Drehorgel, endete der historische Spaziergang. Eingeladen hatten die Bürgerstiftung Laichinger Alb, die zusammen mit Heinz Surek die 16 Straßen mit den dazugehörenden Legenden versehen haben. Dem vorangegangen war das Projekt der Bürgerstiftung „Stadt- und Ortsgeschichte“. Örtlichkeiten, Plätze, Gebäude, Gässle und Winkele wurden mit historischen Informationen ausgeschildert. Dazu gehörte das Geburtshaus des Heimatdichters Mangold, das dem Bau der „Weberhöfe“ weichen musste. Die neue Gedenktafel erinnert nun an ihn.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel