Hittistetten Sonnenblumen: Eine Pflanze, so gelb wie der Sommer

Sommer, Sonne, Sonnenblumen: Inge Held auf dem Feld bei Hittistetten, wo die Familie das blühende Symbol der heißen Jahreszeit anbaut.
Sommer, Sonne, Sonnenblumen: Inge Held auf dem Feld bei Hittistetten, wo die Familie das blühende Symbol der heißen Jahreszeit anbaut. © Foto: Dave Stonies
Hittistetten / NIKO DIRNER 25.08.2015
Familie Held aus Hittistetten verdient ihren Lebensunterhalt mit harter Arbeit. Im Stall stehen 30 Milchkühe, die gemolken und gefüttert werden müssen.

Obendrein sind Landwirt Leonhard Held und sein Sohn Manuel mit ihren Maschinen für Kollegen unterwegs: Sie fahren Gülle, säen Mais, ernten Zuckerrüben, Stroh, Heu. Doch der Betrieb hat ein drittes Standbein, das deutlich weniger Aufwand bereitet und des leuchtenden Gelbs wegen sogar etwas fürs Gemüt bietet - andererseits aber vergleichsweise wenig einbringt: Die Helds pflanzen seit 18 Jahren auf sechs Feldern zwischen Neu-Ulm und Memmingen Sonnenblumen an. Zum Selberpflücken.

"Gelb ist für mich die Farbe des Sommers", schwärmt Inge Held im Feld bei Senden. Auf 5000 Quadratmetern wächst hier die Pflanze Helianthus annuus, teils höher als die Bäuerin. Rund 100.000 Samen haben die Helds mit einer speziellen Maschine im April ausgesät. "Es muss mindestens zehn Grad draußen haben, und es darf keinen Frost mehr geben." Für einen guten Start gab es etwas Schneckenkorn, zwischendrin wurde mal Unkraut entfernt und gemäht. 100 Tage später sind die Sonnenblumen ausgewachsen. Aus 70 Prozent der Samen ist etwas geworden, schätzt Held, viele Samen würden von Hasen oder Vögeln gefressen. Manche, die durchkamen, sind relativ klein geblieben. Das liege an der großen Hitze in diesem Sommer, seufzt die Fachfrau. "Das wird keine gute Ernte."

Der rechnerische Ertrag - allein 49.000 Euro vom Sendener Feld bei einem Preis von 70 Cent pro Sonnenblume - lasse sich übrigens auch bei bestem Wuchs nicht erzielen, sagt die Bäuerin lachend. "Wenn es so wäre, würden wir nur noch Sonnenblumen machen."
Grund ist die Unehrlichkeit der Leute: Immer wieder komme es vor, sagt Held, dass die Blumen ohne Bezahlung mitgenommen werden. "Wenn ich jemand ertappe und zur Rede stelle, heißt es meistens: Die wachsen doch von selbst." Wegen der miesen Zahlungsmoral haben die Helds den Anbau von Kürbissen und Schnittblumen aufgegeben. Außer den Sonnenblumen sind zum Selberpflücken nur noch Gladiolen und Dahlien im Angebot.

Ab und an klopft aber auch ein Großabnehmer bei den Helds an, ein Wirt etwa oder eine Hochzeitsgesellschaft. Einmalig war der Absatz von 550 Sonnenblumen auf einen Schlag, erinnert sich Inge Held. Der Ulmer Gastronom Michael Freudenberg ("Wilder Mann") hatte diese Menge vor elf Jahren als Deko für eine "Sunflower Party" eingekauft. "Das war eine verrückte Aktion", erinnert sich die Bäuerin. "Wir mussten die halbe Verwandtschaft mobilisieren, um auf ein Mal so viele Blumen liefern zu können." Freudenberg engagierte die Hittistetter auch für seine Beach-Partys vor dem Ikea-Möbelhaus in Ulm.

Obwohl Inge Held seit Jahren geschäftlich mit Sonnenblumen zu tun hat, hat sie sich nicht sattgesehen: "Ich habe Anfang Juli Geburtstag - und freue mich dann immer über die erste Sonnenblume vom Feld." Zuhause hat sie stets Sonnenblumen auf dem Tisch. Derzeit leuchtet eine Blüte mit ganz kurz geschnittenem Stängel aus einer runden Schale. Außerdem, sagt Inge Held, möge sie die Helianthus annuus als Mitbringsel etwa zu Grillpartys: "Eine Sonnenblume kommt immer gut an, da reicht eine aus."

Die Blätter sollte man wegschneiden, weil die Pflanze darüber viel Wasser verliert. Ohne Beiwerk halte eine Sonnenblume in der Vase deutlich länger. Ein weiterer Tipp lautet, die Blume nach dem Pflücken nicht allzu sehr hin und her zu schwenken. Längere Radtouren überstehe sie nicht gut. Die Körner ihrer Sonnenblumen sollten Menschen nicht essen, sagt sie. Dafür gebe es andere Sorten. Die strahlend gelben Pflanzen der Helds dienen nur einem Zweck: der Zierde.

Sommerserie

Farben-Reich Unser gesamtes Leben ist von Farben geprägt. Fast jeder Mensch hat eine Lieblingsfarbe. Für Inge Held etwa ist Gelb die Farbe des Sommers. Für sie und viele andere ist eine bestimmte Farbe ein ständiger Bestandteil des Berufslebens. Andere wiederum verdienen mit Waren in bestimmten Farben ihren Lebensunterhalt. Wir stellen an der Palette der Farben entlang Menschen aus der Region vor.

Die ganze Serie unter swp.de/bunt