Dornstadt Sommer, Sonne, Biathlon

Grundlagen schaffen für den Winter (von links): Finn, Trainer Frieder Pfeil, Charlotte, Jan, Mara, Fabian, Trainer Jonas Retter, Nela und Benni.
Grundlagen schaffen für den Winter (von links): Finn, Trainer Frieder Pfeil, Charlotte, Jan, Mara, Fabian, Trainer Jonas Retter, Nela und Benni. © Foto: Celina Percuku
CELINA PERCUKU (16), HELENA MARX (15),(16) 29.08.2015
30 Grad und strahlener Sonnenschein ist eine wahrlich merkwürdige Kulisse für Wintersport. Doch im Biathlonzentrum von Dornstadt herrscht in diesen Wochen keineswegs Sommerpause.

Biathlon im Sommer - das ist für einen Laien nur schwer vorstellbar. Statt bei Eiseskälte und Schnee trainieren die jungen Sportler am Biathlonzentrum Dornstadt-Ulm bei wolkenlosem Himmel und heißem Asphalt mit ihren Skirollern fast täglich. Denn es gilt immer noch: Gute Wintersportler werden im Sommer gemacht.

"Im Winter haben wir wegen der vielen Wettkämpfe keine Zeit für Grundlagentraining", erklärt Jugend-Trainer Frieder Pfeil. "Im Sommer muss man sich die Ausdauer aneignen und man kann auch Technik perfekt trainieren."

Als Sportgerät im Sommer dienen Skiroller - eine Mischung aus Langlauf-Ski und Inlinern. Dabei wird mit zwei unterschiedlichen Rollern trainiert. Die Anfänger laufen klassisch mit einem Skiroller, der über eine Rücktrittbremse verfügt. Die Biathleten, die den Sport schon länger ausüben, trainieren auf Freistilrollern, wofür die Kraft mehr aus den Beinmuskeln, als aus den Armen kommen muss.

In der Gruppe, die diese Woche Trainingslager in Dornstadt hat und täglich von 9 bis 15 Uhr hier ist, sind zehn- bis zwölfjährige Sportler, wobei die Leistungsunterschiede auch für den Laien erkennbar sind. "Vor allem Gleichgewicht und Koordination sind am Anfang schwierig, es ist ja alles ziemlich wackelig", erklärt Frieder Pfeil die Unterschiede.

Natürlich gehört zum Biathlon nicht nur laufen, sondern auch schießen. "Jeder kann schießen, aber ob man trifft, ist eine andere Sache", scherzt Trainer Frieder Pfeil. Deshalb trainieren große wie kleine Athleten rund drei- bis viermal pro Woche nicht nur Ausdauer, sondern auch Treffsicherheit. Während die Jüngsten ein Lasergewehr haben, schießt man ab zehn Jahren mit dem Luftgewehr auf zehn Meter entfernte Scheiben. Im Alter von 15 Jahren wechselt man zum Kleinkaliber. Dann sind die Scheiben 50 Meter weit weg. Dafür gibt es in Dornstadt einen eigenen Schießstand. Anfangs stehen vor allem regionale Wettbewerbe auf dem Programm, obwohl der Begriff "regional" in diesem Fall eine, im wahrsten Sinne des Wortes, weitläufigere Bedeutung hat, da man schon mal zwei bis drei Stunden fahren muss.

Ab dem zwölften Lebensjahr stehen dann Wettbewerbe auf Bundesebene offen. Der wirkliche Leistungssport beginnt erst mit 15, 16 Jahren. "Dann hören viele auf, vor allem weil ihnen die Zeit fehlt", erzählt Pfeil.

Doch für Nachwuchs ist gesorgt. "Ich möchte auf jeden Fall Biathlon als Leistungssport machen", meint Charlotte hochmotiviert. Die Elf-jährige ist vor einem Jahr über die Schule zu dieser Sportart gekommen, denn die Schüler der Sportklasse des Anna- Essinger-Gymnasiums testen sechs Wochen lang eine neue Sportart aus. Sie ist dabei geblieben und trainiert drei bis vier Mal in der Woche mit Begeisterung. Außerdem spielt sie noch Handball, Wenn sich Charlotte entscheiden müsste, stünde jedoch Biathlon auf Platz eins.

Im Weltcup ist noch kein Ulmer gelaufen, aber einige waren schon international am Start, erklärt Stützpunktleiter Werner Rösch. Einer davon ist David Pfeil, Frieders älterer Bruder. Im April waren die älteren Jugendlichen zudem in Norwegen gewesen, beim größten Biathlon-Wettkampf der Welt.

Bevor die Wintersaison am 14. Dezember startet, stehen den Ulmer Biathleten noch einige Rennen mit Skirollern bevor, auf die sie sich zielstrebig vorbereiten. Dann hoffen sie auf Schnee oder zumindest Kälte, um in Dornstadt Kunstschnee produzieren zu können und nicht auch zum Training noch weit fahren zu müssen. Denn die nationalen Wettkämpfe sind im Osten Deutschlands, in Bayern oder im Schwarzwald. Die Jugendlichen treten auch im Rahmen des Alpencups in Österreich oder der Schweiz an.

Die Sonne brennt inzwischen vom Himmel. Die Sportler setzen ihr Training trotzdem fort, um ihrem Traum vom Spitzensport wieder ein Stück näher zu kommen. Ob es am Ende klappt, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Es bedarf jedenfalls großer Disziplin, Durchhaltevermögen und man darf den Spaß nicht verlieren. Der kommt in diesen Tagen in Dornstadt sichtlich nicht zu kurz.

CELINA PERCUKU (16), HELENA MARX (15),
NOAH STARK (14), FLORIAN HOLLEY (16)

Das Zentrum

Zehn Jahre Rund 50 Sportler trainieren regelmäßig in Dornstadt. Die zahlenmäßig größte Gruppe sind die Kinder bis einschließlich Jahrgang 2005. Es folgen die Schüler (Jahrgänge 2001 bis 2004), die in zwei Leistungsgruppen eingeteilt sind, ebenso wie die Jugendlichen. Schnuppertraining ist nach Anmeldung möglich.