Umwelt Soja-Experiment auf sechs Quadratmetern

Erbach / Franz Glogger 13.07.2018
„Das Soja-Experiment 1000 Gärten 2.0“ – der Erbacher Schulgarten macht mit.

Konstanze Altmann und Dávid Beluscsák stehen mit einem prall gefüllten Karton im Garten des Erbacher Schulzentrums. Jede Menge kleiner Tüten sind darin, Plastiketiketten, ein wasserfester elektronischer Temperaturmesser und eine 20-seitige Broschüre zum Thema „Das Soja-Experiment 1000 Gärten 2.0 – Handbuch“. Absender ist die Universität Hohenheim.

Zwölf Sorten Soja galt es Mitte Mai in den Boden zu stupfen, jeweils 50 Bohnen in eine etwa einen Meter lange  Reihe. Bevor Erde darauf kam, wurde ein Pulver auf die Bohnen gestreut – es handelte sich um Knöllchenbakterien. Sie sollen die Versorgung mit Stickstoff fördern. Dann hieß es für die Betreuer des Gartens warten, bis die Saat keimt.

Altmann und Verena Knöpfle,  Leiterin der Schulmensa sowie Initiatorin des Schulgartens, waren in einer Gartenzeitschrift auf das Projekt gestoßen, das die Uni Hohenheim zusammen mit einem Freiburger Tofu-Hersteller initiierte. Gesucht wurden in ganz Deutschland 1000 Partner, vom Hobbygärtner über Schulklassen bis zum Landwirt, die auf lediglich sechs Quadratmetern Sojabohnen aussäen – und zwar zwölf Sorten.

Neben dem Material erhielten sie eine ausführliche Beratung. Als Gegenleistung wurde um kontinuierliche Pflege, Beobachtung und Dokumentation gebeten. Denn die Auftraggeber interessiert, wie sich die verschiedenen Sorten in welcher Gegend und bei welchen Bedingungen verhalten. Und: Die Sojabohne soll so bekannt werden, dass sie einen festen Platz in den Gärten findet.

Aus dem ersten 1000-Gärten-Projekt 2016 weiß Dr. Volker Hahn, dass die Sojabohne überall gedeiht. „In manchen Gegenden wie kühlen Hochlagen weniger gut, aber sie wächst,“ sagte der wissenschaftliche Leiter des Arbeitsgebiets Sonnenblumen und Leguminosen an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim. Ursprünglich stammen Sojabohnen aus China. Der Freiburger Tofu-Hersteller zum Beispiel fertigt sein Bio-Tofu ausschließlich aus Anbau in Deutschland, Österreich und Frankreich.

Nicht zuletzt sei die Sojabohne sehr gesund, ob als pflanzliche Eiweißbombe oder Lieferant zahlreicher Mineralstoffe, einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren, Vitaminen und Lecithin. Und würden die verschiedenen Produkte richtig zubereitet, sei Soja auch schmackhaft, versichert Hahn. Schlussendlich trage die Hülsenfrucht zu einem fruchtbaren Boden bei, indem sie Stickstoff bindet und das Erdreich für nährstoffhungrige Folgekulturen aufbereitet.

Daran denken Konstanze Altmann und Dávid Beluscsák noch lange nicht. Zunächst freuten sie sich, als die Keimlinge der Bohnen schon nach wenigen Tagen durch die Erde stießen. Von der langen Wärmeperiode begünstigt, wuchsen die Pflanzen in die Höhe – aber nicht gleich. „Zwei Reihen wollten nicht so richtig“, sagt David.

Auch die Blüte und Bildung von Hülsen verlaufen unterschiedlich. Eine Sorte trägt bereits Früchte, bei manchen bilden sich Knospen, andere fangen zaghaft an zu blühen. Die Ernte wird dann für Untersuchungen wie die Ermittlung des Eiweißgehalts nach Hohenheim geschickt.

1000-Gärten-Projekt setzt auf klassische Züchtung

Projekt 1000 Gärten 2.0 will auch für das Thema Sortenvielfalt sensibilisieren. Die Sojabohne eigne sich gut dafür, ihre Familie habe zahlreiche Mitglieder, heißt es zum Projekt. Die Teilnehmer erhalten zusätzlich zum Versuchs-Saatgut für den eigenen Anbau Saatgut der Soja-Wildform, einer Soja-Standardsorte und der neuen Edamame-Sorte Green Shell. Letztere will Konstanze Altmann nächstes Jahr im Schulgarten anbauen. Edamame, übersetzt „Bohnen am Stiel“, werden grün geerntet, sind in Japan geröstet als Snack beliebt und erobern nun auch die westliche Küche.

Züchtung Die Entwicklung von der Wildform zur Standardsorte zeige, welche Fortschritte durch klassische Züchtung erreicht wurden – ohne Gentechnik. „Mit der innovativen Züchtungsmethode von 1000 Gärten können die Menschen ihren persönlichen Beitrag für eine nachhaltige Forschung leisten“, betont Dr. Volker Hahn. Die entstehenden Sorten seien frei von Patenten. Somit könnten Züchter das Saatgut weiterentwickeln. „Das macht uns unabhängig von weltweit agierenden Saatgut-Monopolisten.“

Teilnehmer In der Region gibt es außer dem Erbacher Schulgarten auch noch weitere Projektteilnehmer: die Bühl-Realschule Dornstadt, sowie Privatleute aus Blaubeuren, Ulm und Buch (Landkreis Neu-Ulm).

Schulgarten 2010 wurde damit begonnen, den Schulgarten unterhalb des Erbacher Schulzentrums anzulegen. Heute ist die 1000 Quadratmeter große Anlage ein fester Zulieferer für die Schulmensa, die Betreuung durch alle Schularten ist Teil des Unterrichts. Konstanze Altmann ist Landschaftsarchitektin und per Teilzeitvertrag bei der Stadt angestellt, Dávid Beluscsák arbeitet im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes mit.

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