Berufe Sie verkloppt alles von Handy bis Erbstück

Doris Carstensen-Fiedler schließt den Hermes-Shop in Langenau. Mit diesem Bild will sie noch ins TV zu „Bares für Rares“.
Doris Carstensen-Fiedler schließt den Hermes-Shop in Langenau. Mit diesem Bild will sie noch ins TV zu „Bares für Rares“. © Foto: Karin Mitschang
Langenau / KARIN MITSCHANG 15.06.2018

Es wirkt wie ein kleiner Garagen-Flohmarkt. Von Deko über Möbel bis zu Schreibwaren steht am und im Laden in der Langen Straße in Langenau allerlei Buntes. Doris Carstensen-Fiedler verkauft an diesem schwülen Tag noch einen großen Antik-Spiegel für 45 Euro, der eigentlich für 99 online angeboten wird, verschenkt ein paar Messerbänkchen, sieht den Leuten bei einer Zigarette vor ihrem Laden beim Vorbeifahren zu, checkt drinnen nochmal ihren Ebay-Shop am Monitor. „Ich mag nicht mehr, ich sitze hier wie ein Tiger im Käfig“, sagt die 65-Jährige, die Ende des Monats in Rente geht und die von kleinen Geschenken wie Schokolade und Erfrischungsgel von Kunden umringt ist. Sie schließt den Hermes-Shop und ihren Onlinehandel nach 18 000 verkauften Artikeln und will dann nur noch ganz viel Fahrrad fahren. „Ich habe einen Heckträger gekauft und kann mit dem Rad überall hin.“

Dass sie für ihren Beruf der Verkaufsagentin viel Leidenschaft hatte, wird schnell deutlich: „Ich habe mir alles genau so aufgebaut, wie ich das wollte. Ich könnte nie immer nur Schuhe verkaufen“, sagt die Langenauerin, die sämtliche Trödel- und Antiquitäten-TV-Sendungen schaut, um auch nach einem actionreichen Zehn-Stunden-Tag noch dazuzulernen. Während ihre Kunden sich auf Computer und Auktionen teils nicht einlassen mögen, fotografiert, recherchiert und feilscht die Langenauerin und erstellt für jeden Artikel die passende Verkaufsstrategie. „Es kann sein, ich stelle einen Festpreis ein, und es passiert 14 Tage nichts, dann biete ich Preisvorschläge an, und wenn auch das nicht klappt, gehe ich mit dem Artikel in die Auktion.“ Nicht nur ihre Verkäufer, auch die Käufer sind zufrieden: 99,99 Prozent positive Bewertungen hat der Shop „dorisundteam“.

Eigentlich war die Langenauerin in Berlin Buchhalterin in einem Autohaus. Als sie arbeitslos wurde, las sie in der Zeitung über ein Pilotprojekt von Ebay (siehe Infokasten) und der IHK, bei dem sich eine 40-Jährige umschulen ließ. „Da dachte ich: Was die kann, das kann ich auch.“ Nach dem Tod ihrer Schwiegermutter fing sie nach der Schulung von zuhause aus an, den Haushalt mit Auktionen und Angeboten auf dem Online-Portal aufzulösen. „Das klappte gut.“ Als Carstensen-Fiedler mit ihrem Mann wieder nach Langenau zog, um ihre Eltern zu pflegen, hatte sie vor Ort schon viele Kontakte, das Geschäft kam schnell in Schwung. Weil Gewerbeflächen teuer waren, fand sie in Kooperation mit einer örtlichen Metzgerei die Lösung mit der kleinen Wohnung als Büro und Hermes-Shop in der Langen Straße. „Meinen Mann habe ich als 450-Euro-Kraft eingestellt, er macht von zuhause aus die Buchhaltung.“

Ob Antiquitäten, Berufskleidung aus einer Überproduktion, Laden- oder Haushaltsauflösung: Die Artikel bei Doris Carstensen-Fiedler sind extrem vielfältig. Einmal haben sich zehn Geigenbögen, deren Rosshaar teils schon ausgefranst war, bei näherer Betrachtung als vergoldet und selten herausgestellt. „Ich habe am Ende 700 bis 800 Euro pro Bogen erlöst.“ Selbst Industriemaschinen, die zunächst beim Verkäufer stehen bleiben, verkaufte die 65-Jährige schon.

Zur Zeit hat sie unter anderem eine riesige Sammlung alter Kameras von einem ehemaligen Sammler da. Die Preise variieren auf Ebay je nach Teil von 30 bis 600 Euro. Es sind die letzten Verkäufe im Laden, der nach sieben Jahren Ende des Monats schließt. Es ist auch eine Erlösung angesichts stetig steigender Ebay-Gebühren und gelegentlichem Ärger mit Kunden, die behaupten, ein Artikel sei nicht oder in falschem Zustand angekommen, wie die Langenauerin einräumt. Es gibt zwar einen möglichen Nachfolger für ihren Hermes-Shop, doch es sei noch nicht klar, ob dies klappt.

Zum Abschluss ihres „eCommerce“-Lebensabschnitts will Doris Carstensen-Fiedler noch ins TV: „Mit diesem Bild will ich zum Lichter zu ,Bares für Rares’, sowas verkauft sich online nicht so gut“, sagt die Verkaufsagentin, die sich im Auftrag der Caritas Freiburg noch eines Gemäldes angenommen hat, das 1941 von der Dachauer Künstlerin Langer-Schöller gestaltet wurde und 750 Euro wert sein dürfte.

Verkaufen auf Ebay ist seit 1995 möglich

Finanzen Mit Hilfe eines Unternehmensberaters hatte Doris Carstensen-Fiedler ihre Gebühren festgelegt. Wer ihr Gegenstände für den Verkauf überließ, erhielt 60 Prozent des Erlöses, mindestens aber 3 Euro. Vom Rest gehen Ebay-Gebühren und Steuern ab, den Versand der versicherten Pakete zahlt der Käufer. Das US-amerikanische Unternehmen Ebay, weltweit größter Online-Marktplatz (gegründet  1995), hat 2016 rund 8,98 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

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