Tierseuche Schweinepest: Sie kommt, die Frage ist nur noch wann

Gar nicht gut: Sollte die Salami mit dem Virus verseucht sein und ein Wildschwein sich den vermeintlichen Leckerbissen holen, könnte die Afrikanische Schweinepest hier ausbrechen.
Gar nicht gut: Sollte die Salami mit dem Virus verseucht sein und ein Wildschwein sich den vermeintlichen Leckerbissen holen, könnte die Afrikanische Schweinepest hier ausbrechen. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Region / Helga Mäckle 16.05.2018

Die Experten sind sich einig: Es ist nicht mehr die Frage, ob die Afrikanische Schweinepest in Deutschland ankommt, „sondern wann und wo“. Das sagte Dr. Hans-Joachim Butscher, Leiter der Veterinärbehörde im Landratsamt Alb-Donau, am Montag in der Sitzung des Kreistags. Angesichts dessen laufen die Vorbereitungen für den Ausbruch der Tierseuche auf Hochtouren, bundesweit und in der Region.

Zunächst stellte Butscher klar, dass das Virus für Menschen und andere Tiere keine Gefahr darstelle, auch nicht der Verzehr von verseuchtem Schweinefleisch. „Nur Haus- und Wildschweine erkranken.“ Für sie aber ist die Krankheit nach einer Inkubationszeit von rund vier Tagen tödlich. Die Tiere bekommen hohes Fieber, Atemwegsbeschwerden, Hautverfärbungen, innere Organe werden geschädigt. Gegen den aus der südlichen Sahara kommenden und 2007 nach Georgien eingeschleppten, hochkomplexen Virus gebe es keinen Impfstoff.

Butscher zeigte Karten, auf denen die Ausbreitung von 2014 bis heute dargestellt ist – sie verläuft rasant. Inzwischen sind Fälle in Tschechien aufgetaucht, nur gut 300 Kilometer von der bayerischen Grenze. „Jetzt gibt es Meldungen aus Ungarn. Die Seuche lässt sich nicht aufhalten.“ Damit war der Tierarzt bei der Übertragung. Die gute Nachricht: Das Virus ist von Tier zu Tier nicht hochansteckend, es wird über Blut, Sperma und Sekrete übertragen. Die schlechte: Es überlebt sehr lange, zwischen vier und sechs Monaten bei Zimmertemperatur. „In einer Salami oder einem Stück gesalzenem Schinken bis zu 140 Tagen.“ Daher sei die Gefahr einer Übertragung durch verseuchte Lebensmittel, Küchen- und Speiseabfälle sehr hoch. Ein Lkw-Fahrer oder Tourist, der aus betroffenen Gebieten kommt, unbedacht eine verseuchte Salami-Semmel wegwirft, kann für einen Ausbruch reichen, wenn ein Wildschwein die Salami frisst. Auch an Kleidung, Schuhen und Autoreifen kann der Erreger eingeschleppt werden.

Um das zu verhindern, sind an Grenzübergängen, Autobahnen und Landstraßen Hinweisschilder aufgestellt. Zudem werden Flyer verteilt, um in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Gefahr zu schaffen. Laut Butscher schätzt das Friedrich-Löffler-Institut die Gefahr der Einschleppung durch verseuchte Speisereste als hoch ein. Das Risiko einer Ansteckung von Wildschwein zu Wildschwein bewertet das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mit „mäßig“.

Gau für die Landwirtschaft

Bricht die Afrikanische Schweinepest in einem Betrieb aus, muss der gesamte Bestand getötet werden. Um den Hof wird ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern und ein „Beobachtungsbezirk“ mit zehn Kilometern eingerichtet: Es dürfen keine Schweine mehr heraus und herein gebracht werden. Für die Landwirtschaft ist das der Gau, zumal im Alb-Donau-Kreis laut Hans-Joachim Butscher ein Siebtel aller Schweine in Baden-Württemberg gehalten wird. Die Einhaltung strenger Hygieneregeln ist für die Bauern daher selbstverständlich. Auch für die dazugehörige Industrie wie etwa Schlachthöfe, wäre die Afrikanische Schweinepest ein Desaster: „Der wirtschaftliche Schaden würde deutschlandweit in die Milliarden gehen.“ Denn Deutschland exportiere sehr viel Schweinefleisch, vor allem nach China.

Für den Fall, dass die Seuche bei Wildschweinen ausbricht, wappnen sich die Behörden ebenfalls. Das setzt voraus, dass Jäger den Behörden melden, wenn sie einen Wildschwein-Kadaver finden, damit der auf den Virus getestet wird. Nach Angaben des Fachdienstleiters sind die Jäger im Kreis darüber und über die entsprechenden Hygienevorschriften informiert. Die Kadaver werden dann in Verwahrstellen gelagert, die in Langenau, Ehingen, Westerstetten, Dietenheim, Justingen und Merklingen eingerichtet werden. Diese bestehen aus gekühlten Abfallbehältern und verschließbaren Containern.

Teil der Präventionsarbeit ist auch, den Wildschweinbestand deutlich zu reduzieren. „Die Schwarzwildjagd ist schwierig“, sagte Stefan Tluczykont, Chef des Dezernats Kreisentwicklung, Bauen, Land- und Forstwirtschaft, Boden – und selbst Jäger. „Die Jäger tun, was sie können.“ Aber bei einer solch „zuwachsstarken Tierart“ sei es nicht leicht, den Bestand in den Griff zu bekommen. Das bestätigte Landrat und Jäger Heiner Scheffold: „Wildschweine sind einfach clever.“

Auch der Kreis Neu-Ulm wappnet sich

Kreis Neu-Ulm „Wir haben durch die Schweinepestverordnung die gleichen Vorgaben wie der Alb-Donau-Kreis“, sagte Dr. Manfred Enderle vom Geschäftsbereich Veterinärwesen im Landkreis Neu-Ulm. Diese Regelungen gelten bundesweit, insofern liefen jenseits der Donau die gleichen Vorbereitungen wie diesseits. Auch der Kreis Neu-Ulm habe inzwischen zwei Verwahrstellen für die Wildschweinkadaver eingerichtet. „Denn die müssen schnell raus aus dem Wald, damit sich andere Wildschweine nicht daran infizieren:“ Auch seien Verwaltungsangestellte gefunden, die die Verwahrstellen leeren, desinfizieren, betreuen. Sollte ein Verdachtsfall oder tatsächlicher Ausbruch auftreten, stünden die nötigen Schilder bereit, um Sperrbezirke und andere Restriktionsbezirke auszuweisen. „Das muss zeitnah passieren, da können wir nicht erst noch die Schilder machen lassen.“