Projekt Setzinger Filmprojekt: Geschichten von früher

Margarete Dürr zeigt den Kindern, wie ein Spinnrad funktioniert.
Margarete Dürr zeigt den Kindern, wie ein Spinnrad funktioniert. © Foto: Barbara Hinzpeter
Setzingen / Barbara Hinzpeter 09.08.2018

Gute alte Zeit? Babette Seeger (78) schüttelt energisch den Kopf. Die Arbeit in der Landwirtschaft war mühsam, und der Tag war lang. Er begann für die junge Babette jeden Morgen um halb sechs und abends wurde es oft spät. Bis zehn, halb elf schwangen die Frauen Besen oder Bügeleisen. Um es zu erhitzen, wurden glühende Kohlen eingefüllt. Seeger hat extra alte Haushaltsgegenstände aufgebaut. Besonders beeindruckt sind Isabel und Ramona (beide 12) von der „ersten Waschmaschine“ – einer Trommel, die mit einer Handkurbel gedreht wurde.

Erfahrungen bewahren

Wie Babette Seeger sind alle Gastgeber an diesem Vormittag bestens vorbereitet auf die Fragen der Kinder, und alle haben Anschauungsmaterial zusammengetragen und liebevoll arrangiert. Ingeborg und Michael Lang haben das Projekt fürs Setzinger Ferienprogramm initiiert. Dabei sollen die Kinder ältere Setzinger befragen, nicht zuletzt, um deren Erfahrungsschatz zu bewahren. Dazu filmen Jonathan (14) und seine Mutter Ingeborg Lang die Interviews.

Im blauen Schaffschurz erwartet Hans Häußler (90) die neugierige Schar. Die Kornsäcke, die er aufgehängt hat, stammen teils aus dem vorvorigen Jahrhundert. Der Bauer bindet Garben und zeigt, wie gedroschen wurde. „D’Leut hend missa schwer schaffa“, sagt er. Jedoch hätten auch die modernen Zeiten ihre Schattenseiten. Ausgelaugte und verdichtete Böden machen dem 90-Jährigen Sorgen. Kein Regenwurm und kein Marienkäfer weit und breit, doch „der Boden sieht wunderbar fein aus, leider oft zu fein“.

Isabel und Ramona machen sich auf dem Weg zwischen zwei Stationen Gedanken darüber, wie es wohl war, wenn die Buben und Mädchen, die im Stall und auf dem Feld helfen mussten, mal krank waren. Bevor sie in die erste Klasse kamen, wurden die Kleinen tagsüber im „Kenderschiale“ betreut. Das erzählen Hans Buck, dessen Ehefrau die Kindergärtnerin gewesen war, und Maria Fischer, die einige Zeit ausgeholfen hatte. „Wirklich groß ist der nicht“, sagt Luca nach einem Blick in den einzigen früheren Gruppenraum. Allerdings dauerte die Kindergarten-Saison nur von März bis Oktober. Die Kleinen waren daher meistens im großen Garten, „und zwischen ihnen sprangen die Hühner herum“.

Im „Musikhäs“, der Festtagstracht der Setzingerinnen, empfängt Margarete Dürr die Nachwuchs-Reporter. „Isch des net furchtbar warm?“, fragt Luca angesichts des schweren Wollrocks. „Es geht eigentlich“, antwortet die 76-Jährige. Sie sei selbst erstaunt, dass sie es in dem Gewand trotz der Hitze aushalten könne und setzt sich ans Spinnrad.

Im Winter an den Dorfteich

Auch in der Stube von Martha Hieber sind die Kinder mucksmäuschenstill. Die 86-Jährige erzählt vergnüglich, wie „mein Hans“ Enteneier kaufte und sie der Henne unterjubelte. Die war nicht wenig aufgeregt, als ihre „Küken“ eines Tages nicht zu halten waren und in die „Lach“ watschelten. Der Dorfteich lag vor dem Haus von Martha Hieber. Im Sommer zog er Enten und Gänse an und im Winter die Kinder. Auch ohne Schlittschuh konnten sie „wunderbar schleifen“.

Von allerlei Streichen der Schulkinder weiß Wilhelm Keck (83) zu berichten. Wenn sie gar nicht mehr zu bändigen waren, genügte es, dass die Lehrerin drohte, sie werde den Bürgermeister holen. Der verhängte sogar mal Arrest für die Buben. Sie hatten die Waage eines Pflugs ausgehängt und versteckt. Am Sonntagmittag traten sie die Strafe an, versorgt mit Karten- und Mühlespiel. Nach zehn Minuten, „gerade als wir es uns gemütlich machen wollten“, sperrte der Bürgermeister auf. Der kurze Arrest habe zur Warnung dienen sollen.

Vor jeder der sechs Stationen besprechen die Kinder mit Ingeborg Lang die Fragen, die sie vor der Kamera stellen. Sobald er den Film geschnitten und bearbeitet habe, werde er auf die Homepage der Gemeinde gestellt, verspricht ihr Sohn. Geplant ist auch eine längere Fassung, die öffentlich vorgeführt werden kann.

Abwechslung in den Sommerferien

Programm 18 Angebote umfasst das Setzinger Ferienprogramm. Sport, Spiel, Kreatives und Geselliges sorgen für Abwechslung in den Sommerferien. Gestaltet wird es von Vereinen, aber auch von Privatleuten. Unter anderem soll dabei die Mauer am Gehweg in der Langen Straße verschönert werden, außerdem sind Besuche auf einem Bauernhof und bei der Schäferin geplant.

Filmprojekt Bereits zum zweiten Mal haben Bürgermeisterin Ingeborg Lang und ihre Familie ein Filmprojekt angeboten. Das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr ist noch auf der Homepage der Gemeinde Setzingen zu sehen, und zwar unter www.setzingen.info.

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