Dornstadt / THOMAS STEIBADLER Die ersten Wohnungen im Familien- und Generationenzentrum in Dornstadt sind bereits bezogen. Das Modellprojekt in Dornstadt hat jedoch einen Rückschlag erlitten, die Senioren-WG kommt nicht zustande.
Eine unerfreuliche Nachricht hatte Wolfgang Schneider, Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, am Donnerstagabend in die Sitzung des Dornstadter Gemeinderats mitgebracht. Der Plan, im neuen Familien- und Generationenzentrum in der Ortsmitte eine Wohngemeinschaft für Senioren einzurichten habe sich „komplett in Luft aufgelöst.“ Als Grund führte Schneider nicht etwa fehlendes Interesse potenzieller Mieter an, sondern das „Gesetz für unterstützende Wohnformen, Teilhabe und Pflege“ (WTPG) – ein Landesgesetz.

Die Kreisbau, Tochtergesellschaft der landkreiseigenen ADK GmbH, sei als Anbieter an dieses Gesetz und die daraus folgenden Regelungen gebunden, sagte Schneider. Dem Gesetz zufolge gilt eine als solche vermarktete Senioren-WG als stationäre Einrichtung, in der rund um die Uhr eine Betreuung durch Fachkräfte gewährleistet sein muss. Das sei wegen der Personalkosten „nicht wirtschaftlich darstellbar“, sagte Schneider. Daran hätten auch viele Gespräche im Sozialministerium in Stuttgart nichts geändert. Die 13 Einzelappartements, die für die Wohngemeinschaft vorgesehen waren, werden deshalb an andere Interessenten vergeben. Sieben sind Schneider zufolge bereits an Bundeswehr-Angehörige vermietet.

Das Konzept eines Wohnquartiers, in dem generationenübergreifende Nachbarschaftsprojekte und Aktionen für alle Dornstadter angeboten werden, verfolgt die Gemeinde trotzdem weiter. Für die Umsetzung ist Christian Renner als Moderator verantwortlich. Er verwies im Gemeinderat auf den integrativen Charakter des Familien- und Generationenzentrums, in dem unter anderem eine Wohngruppe für Menschen mit Behinderung eingerichtet werde. Das Café werde als Treffpunkt ebenfalls eine soziale Funktion erfüllen. Die Gastronomie wird Wolfgang Schneider zufolge von der gemeinnützigen Insiva, einer Gesellschaft des Landeswohlfahrtsverbands, betrieben. Das Café, in dem auch Behinderte mitarbeiten sollen, werde keinesfalls aus öffentlichen Kassen subventioniert, betonte Bürgermeister Rainer Braig auf Nachfrage von Gemeinderat Hans Schmid (CDU/BWV), der auf die Konkurrenzsituation in der Ortsmitte hingewiesen hatte.

Gegen Jahresende werde ein Allgemeinmediziner eine Praxis im Generationenzentrum eröffnen, kündigte Schneider an. Für die zweiten Praxisräume, etwa 70 Quadratmeter groß, sei noch kein Mieter gefunden, die Kreisbau bemühe sich aber weiter. Der Wunsch der Gemeinderäte, einen Kinderarzt zu gewinnen, an den Andreas Aigeltinger (Freie Wähler) erinnert hatte, werde jedoch kaum zu erfüllen sein. Dazu sei die Versorgung bereits zu gut.

Von den 26 Wohnungen im Familien und Generationenzentrum seien bereits drei bezogen, sagte Schneider. Die Kreisbau habe zwölf verkauft und neun vermietet, für fünf gebe es Kaufinteressenten. Kapitalanleger wüssten sehr wohl, dass sie ihre Mieter nicht nach eigenem Gutdünken aussuchen könnten, ergänzte Bürgermeister Braig. Die Auswahl sei Sache der Kreisbau in Zusammenarbeit mit Moderator Renner. Mit solchen vertraglichen Regelungen soll gewährleistet werden, dass die Bewohner sich an Quartiersprojekten beteiligen.

Die Höhe der Mieten sei keineswegs nach oben offen, betonte Wolfgang Schneider, nachdem Paul Anhorn (SPD) entsprechende Bedenken geäußert hatte. Orientierung liefere der Ulmer Mietspiegel, von dessen Preisen die Kreisbau selbst zehn Prozent abziehe. Auch die beiden Einfamilienhäuser des Quartiers sollen Schneider zufolge vermietet werden, der Verkauf habe sich als schwierig erwiesen.

Fest zur Eröffnung

Baubeginn fürs Familien- und Generationenzentrum auf dem Alten Sportplatz in der Ortsmitte war am 3. Juni 2014. Das Eröffnungsfest ist für den 24. Juni geplant. Zu dem Zentrum gehört das Kinderhaus der Gemeinde, das Ende August 2015 eröffnet wurde. Die Gesamtkosten des von der Kreisbau realisierten Projekts betragen 12,3 Millionen Euro, der Anteil der Kommune 2,7 Millionen Euro.