Premiere Senioren auf den Ernstfall vorbereiten

Lebensrettende Maßnahmen üben: Eine Seniorin bringt Kursleiter Heiko Feist in die stabile Seitenlage.
Lebensrettende Maßnahmen üben: Eine Seniorin bringt Kursleiter Heiko Feist in die stabile Seitenlage. © Foto: Lisa Maria Sporrer
Nersingen / Lisa Maria Sporrer 17.10.2017
Erstmals fand in Nersingen ein Erste-Hilfe-Kurs für ältere Menschen statt. Statt um Unfälle ging es um Herzinfarkt-Anzeichen und Flüssigkeitsmangel.

Manche Fälle verlaufen piano“, sagte Heiko Feist. „Und genau da wollen wir ansetzen, um das früher erkennen zu können.“ Sechs Teilnehmer hatten sich im Gemeindehaus in Nersingen eingefunden, um einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren – speziell für Senioren. Zum ersten Mal gab es von der Johanniter Unfallhilfe dieses Angebot in Nersingen. Anstatt die klassischen Themen solcher Kurse abzuarbeiten, setzte Leiter Heiko Feist einen besonderen Schwerpunkt auf akute Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Wir machen hier keine Helmabnahme, obwohl das üblicherweise auf dem Programm steht“, sagte Feist, bevor er mit den Teilnehmern zunächst ihre theoretischen Kenntnisse auffrischte und mit einfachen Handgriffen die lebensrettenden Sofortmaßnahmen übte.

Viele Anmeldungen

„Der Wunsch nach einem solchen Kurs kam von den Senioren selber“, sagte Beate Müller, Seniorenbeauftragte der Gemeinde Nersingen. Jeden Monat trifft sich der Seniorenarbeitskreis und entwickelt Aktionspläne, wie etwa ein Verkehrssicherheitstraining. Zunächst sei man zögerlich gewesen, ob genügend Anmeldungen für einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Senioren eingehen würden. „Wir wurden aber positiv überrascht“, sagte Müller über die beiden Kurse, zu denen es je acht Anmeldungen gab.

Auch Feist, der neben seinem Ehrenamt in der Breitenausbildung bei der Stadt angestellt ist, findet dieses Angebot sinnvoll. „Es hat mich selber gewundert, dass es so etwas in unserer Region noch nicht gibt“, sagt er, der das Thema bei seiner Einsatzstellenleiterin in Augsburg, vorgeschlagen hat. Anschließend hat er dann einen eigenen Kursablauf entwickelt, der besonders Themen anspricht, die bei älteren Leuten wichtig werden: Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutzucker, Flüssigkeitsmangel.

Die Kenntnisse auffrischen

Bei Kaffee und Butterbrezeln konnten sich die älteren Herrschaften auch über ihre bisherigen Erfahrungen mit Erster Hilfe austauschen. Seit der Absolvierung ihres Erste-Hilfe-Kurses vor Jahrzehnten habe sich mittlerweile viel geändert, resümierte eine Dame. Ein Beispiel: Früher habe sie gelernt, krampfenden Personen etwas in den Mund zu stecken. „Aber diese Info ist wohl überholt“, sagte sie.

Nicht nur aus Nersingen kamen die Anmeldungen zu den zwei Kursen, auch aus Pfuhl und Senden hatten sich zwei Senioren aufgemacht. „Ich habe auch ältere Bekannte“, sagte Elvira Hillmann als Beweggrund. Da sollte man schon mal seine Kenntnisse auffrischen, meinte sie. Außerdem sei die Atmosphäre in einer kleinen Runde prima zum Lernen und Üben geeignet.

Der einzige Nachteil bei solchen Kursen sei, dass nicht alle Senioren so lange konzentriert mitarbeiten könnten, meinte Feist nach dem ersten dreieinhalbstündigen Kurs. Eine Dame hatte sich früher verabschiedet, weil es ihr zu anstrengend wurde. „Wir werden schauen, wie wir das Angebot weiterentwickeln können“, meinte Feist, denn eins ist für ihn klar: Das war keine einmalige Sache. „Diese beiden ersten Kurse sind wie kleine Pflänzchen, die man wachsen lassen muss.“

Kooperation über die Donau hinweg

Zusammenarbeit Die Johanniter-Unfallhilfe Ulm/Neu-Ulm hat in diesem Jahr ihre neue Geschäftsstelle (Zeppelinstraße 1, Neu-Ulm) in den Dienst genommen. Die beiden Landesvorstände hatten die Zusammenarbeit in Ulm und Neu-Ulm beschlossen – für Hausnotruf, mobilen sozialen Hilfsdienst, Erste-Hilfe-Ausbildung, Betriebshelfer-Grundschulung und ehrenamtlichen Sanitätsdienst.