Blitzmarathon Selbst Raser fahren langsam

Die Alte Steige in Albeck war gestern eine der »Aufregerstellen« beim bundesweiten Blitzmarathon. Die Polizei stand dort mit der Laserpistole und kontrollierte den Verkehr. Doch um die Mittagszeit war die Straße nur schwach befahren.
Die Alte Steige in Albeck war gestern eine der »Aufregerstellen« beim bundesweiten Blitzmarathon. Die Polizei stand dort mit der Laserpistole und kontrollierte den Verkehr. Doch um die Mittagszeit war die Straße nur schwach befahren. © Foto: Oliver Schulz
Region / ANDREAS SPENGLER 16.04.2015
Wilhelm Lütze ist geplagt von den Rasern. Der tägliche Ärger fährt direkt vor seinem Haus vorbei – auf der Alten Steige in Langenau-Albeck. Eng und steil ist die Straße, abends und morgens nehmen viele eine Abkürzung durch die Tempo-30-Zone. Letztes Jahr wurde ein Kind angefahren. Lütze wollte endlich etwas tun gegen den Verkehr. Deshalb hat er die Alte Steige als „Aufregerstelle“ für den Blitzmarathon gemeldet.

Überall im Land waren die Beamten am Donnerstag im Einsatz – mit Laserpistolen und Blitzern gegen die Temposünder. Insgesamt 21 Messstellen waren es im Alb-Donau-Kreis. In Bayern wird sogar die ganze Woche über verstärkt kontrolliert. Doch nicht immer waren die Bemühungen von Erfolg gekrönt.

Beispiel Albeck: Die Polizei hat Lützes Wunsch erhört – und stand am Donnerstag am frühen Nachmittag mit der Laserpistole und einem dunklen Van in Albeck. Lütze hat es sich nicht nehmen lassen, den Polizisten persönlich über die Schultern zu schauen. Gemeinsam warten sie auf Autofahrer, doch die machen sich rar. „Nachmittags ist eine denkbar ungünstige Zeit, da fährt hier fast niemand“, klagt er. Das habe er den Beamten auch so geschrieben, aber die haben natürlich auch ihre Zeitpläne. „Hauptsache ist ja, dass wir da waren“, sagt Oberkommissar Bernhard Abt. Nach einer guten Stunde ziehen er und sein Kollege ab. Ihre Ausbeute: Ein Autofahrer ohne angelegten Anschnallgurt.

Nächste Aufregerstelle: an der Landesstraße zwischen Beimerstetten und Weidenstetten. Die lange Gerade und die leichte Schräge laden zum Rasen ein. Abt und sein Kollege stellen den Van auf einem Parkplatz ab. „100 km/h sind hier erlaubt, aber viele fahren 140 oder schneller“, sagt Abt und blickt durch seine Laserpistole. Dann seufzt er: „Nur heute nicht.“ Woran liegt es? „Je mehr der Blitzmarathon in der Öffentlichkeit präsent ist, desto eher halten sich die Menschen an die Geschwindigkeit.“ Die Messung der Polizei bleibt lange ohne Erfolg. „Heute ist ja jeder blöd, der zu schnell fährt“, sagt Oberkommissar Ulrich Mannal.

„Viele Autofahrer werfen uns vor, Geschwindigkeitskontrollen seien reine Abzocke“, sagt Horst Bauer, Sprecher des Polizeipräsidiums Ulm. „Mit dem Blitzmarathon wollen wir vor allem das Bewusstsein für das Thema schärfen.“ Das scheint zu gelingen: 2014 hat das Polizeipräsidium rund 30 Prozent weniger Verkehrsunfälle registriert als im Jahr zuvor. Seit Jahren gehen die Zahlen der Verkehrstoten zurück.

An der Straße zwischen Beimerstetten und Weidenstetten scheint es, als rase heute überhaupt niemand mehr. Bis zu dem Moment, als Oberkommissar Abt plötzlich Alarm schlägt: „133! Jetzt haben wir jemanden.“ Doch der Motorradfahrer fährt auf der Gegenspur, mit der Laserpistole hat die Polizei kein Beweisfoto, und auf der Gegenspur wartet niemand, der den Fahrer aus dem Verkehr ziehen könnte. Das Motorrad verschwindet hinter einer Kurve. Die Beamten fordern Verstärkung an.