Landwirte Seit 70 Jahren Unimog-Fahrer

Langenau / Kurt Fahrner 01.09.2018

Wir können einsteigen und losfahren“, sagt Hermann Mack auf dem landwirtschaftlichen Betriebshof seines Sohnes neben der Langenauer Ostermühle. Der 88-jährige Rentner im „Unruhestand“ steht vor dem geputzten Nutzfahrzeug der Marke Unimog moderner Bauart, das er fährt, wenn Bedarf vorliegt, Feldarbeit zu erledigen oder Kartoffeln zu transportieren. „Da helfe ich gerne aus.“

Hermann Mack machte 1948 als 18-Jähriger den Führerschein der Klasse II mit der Zusatzprüfung, Lastwagen auch mit Anhänger chauffieren zu dürfen. Bis heute erneuert er die dafür in regelmäßigen Zeitabständen vorgeschriebenen Tests und Gesundheitschecks. „Da habe ich bisher keinerlei Probleme“, stellt er fest.

Sein vor 70 Jahren erworbener Führerschein war im Sommer 1948 Voraussetzung dafür, dass für die Langenauer Ostermühle und deren Landwirtschaft, damals vereint im Besitz von Georg Mack, der erste Unimog als Universal-Motorgerät beschafft wurde. Gefertigt von der Firma Gebrüder Böhringer in Göppingen, trug das Fahrzeug die Produktionsnummer zwölf, verfügte über eine Leistung von 25 PS und kostete 12 800 Mark, erinnert sich Hermann Mack noch ganz genau. „Mit meinem Vater Georg Mack reiste ich nach Göppingen, um den Unimog abzuholen.“ Und mehr als zehn Jahre habe dieses Fahrzeug den Macks gute Dienste geleistet, ehe es durch einen neuen Unimog mit mehr Zugkraft und modernerer Ausstattung ersetzt wurde, nachdem die Göppinger Herstellerfirma von Mercedes übernommen worden war.

„Unser erster Unimog fand in Langenau große Aufmerksamkeit“, weiß Hermann Mack zu berichten und hebt ab auf den Allrad-Antrieb, die Kipp-Pritsche und die Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern, die das Fahrzeug damals schon ausmachten.

Und besonders gut angekommen sei dieser Unimog bei seinen Kumpels in der Stadt, wenn sie an Sonntagen vollbesetzt Ausflüge in die nähere Umgebung machten, einkehrten und feierten und singend nach Langenau heimfuhren. „Das war einfach eine schöne Zeit damals“, sagt Hermann Mack.

Der wievielte Unimog bis heute auf dem Betriebshof des Langenauer „Oster-Bauern“ Verwendung gefunden hat, kann Hermann Mack auf die Schnelle gar nicht sagen. „Wir sind nach wie vor begeistert von dieser Marke“, sagt er. Und weist auf die Leistung von 160 PS des jetzt vorhandenen Fahrzeugs hin, das rund 200 000 Euro gekostet habe. „Dass ich als 88-Jähriger damit noch fahren kann, macht mich schon ein wenig stolz“, bekennt Hermann Mack.

Ebenso wie die Tatsache, dass Unimog seit nun mehr als 70 Jahren ununterbrochen treuer und zuverlässiger Wegbegleiter bei der bäuerlichen Arbeit des Landwirtschaftsbetriebes der Familie Mack ist „Das kommt sicher nicht so häufig im Land vor“, ist sich Hermann Mack gewiss.

Die Anfänge eines automobilen Mythos

Historie Der Unimog wird 1948 auf der ersten Nachkriegsausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Frankfurt der Öffentlichkeit vorgestellt. Im August 1948 ist es dann soweit: Bei Boehringer beginnt die Serienfertigung. Bis Sommer 1950 fertigt Boehringer rund 600 Unimogs, die als Markenzeichen ein stilisierter Ochsenkopf mit Hörnern in Form eines „U“ auf der Motorhaube ziert, berichtet der Unimog-Club Gaggenau.

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