Gussenstadt / THOMAS HEHN  Uhr
Der in Gussenstadt gestrandete Schwertransport hängt jetzt nicht nur in zu engen Kurven. Der 120 Tonnen schwere und 40 Meter lange Koloss ist mittlerweile auch noch in die Mühlen der Bürokratie geraten.

Der Fall des auf dem Weg von Mailand nach Frankreich in Gussenstadt (Gerstetten, Landkreis Heidenheim) gestrandeten Schwertransports nimmt immer kuriosere Wendungen. Nachdem der 40 Meter lange und 5,60 Meter breite Klotz am 28. November in einer spektakulären Aktion erfolgreich wieder aus dem Ort bugsiert worden war, ging alle Welt davon aus, dass der Schwertransport seine Fahrt ins elsässische Lauterbourg umgehend fortsetzen könnte.

Allerdings stellte die eigentlich nur als „Begleitschutz“ abgeordnete Polizei kurz vor der geplanten Abfahrt am Dienstag bei einer Kontrolle fest, dass die 60 Tonnen schwere Ladung eigentlich teilbar sei. Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) kam daher zum Schluss, dass in diesem Fall auch die behördliche Genehmigung des Transports erloschen sei. Eine Ausnahmegenehmigung für solche Schwertransporte gebe es nur, wenn die Ladung nicht teilbar sei, erläuterte RP-Sprecher Dr. Clemens Homoth-Kuhs.

Die Herstellerfirma des 40 Meter langen und 5,6 Meter breiten Maschinengehäuses für eine Flüssiggasanlage erklärte, dass die Ladung theoretisch zwar teilbar, ein getrennter Transport aber aus statischen Gründen nicht möglich sei. Das Regierungspräsidium forderte die Firma daraufhin auf, die Teilbarkeit von einem externen Gutachter untersuchen zu lassen. Am Freitag hat nun ein Ingenieur des Tüv-Süd den Schwertransport unter die Lupe genommen. Das Gutachten des Tüv bestätigt die Bedenken der Firma: Neben der Gefahr für die innere Statik der nun L-förmigen Teile geht der Gutachter auch von einem sogar „noch erhöhten minimal möglichen Kurvenradius“ und einer damit „erheblich eingeschränkten Manövrierfähigkeit“ des Transports aus. Grund: Um den Schwerpunkt wieder in die Mitte des Aufliegers zu bekommen, müssten die beiden Teile stark asymmetrisch geladen werden, wodurch die Ladung auf einer Seite 2,22 Meter über die Aufliegerkante hinausrage. Bislang steht der Turm auf beiden Seiten nur jeweils 1,52 Meter über. Fahrer Bernd Piessenecker bestätigt die Einschätzung des Tüv-Gutachters: „So komm’ ich noch schlechter ums Eck als vorher.“

Die Behörden überzeugt das offenbar nicht. Im Gegenteil: Nach der gewissenhaften Überprüfung des Gutachtens, bei dem auch „polizeiinterner Fachverstand hinzugezogen wurde“, habe die Landespolizeidirektion „doch erhebliche Zweifel, ob die Berechnungen des Tüv-Ingenieurs stimmen“, betonte Homoth-Kuhs auf Anfrage. Man habe der Herstellerfirma daher am Freitag einen Katalog an „wesentlichen Fragen“ zukommen lassen, die jetzt erst noch geklärt werden müssten, bevor man zu einer Entscheidung komme.

Wenn die Firma dieser Forderung nachgekommen sei, „werden wir auch umgehend reagieren“, verspricht Homoth-Kuhs. Irgendwas verzögern wollten die Behörden damit keineswegs, betont er: „Das hat nichts mit Bürokratie zu tun, sondern entspricht der Gesetzeslage. Wir arbeiten nur gründlich.“

Fahrer Piessenecker und sein Beifahrer Peter Rainer werden wohl noch einige Tage die Aussicht über die raue Alb genießen können. Mittlerweile hausen die beiden schon fast zwei Wochen in der Führerkabine ihres Trucks. Am Wochenende haben sie von ihrer Firma „Heimaturlaub“ bekommen. Piessenecker hat seine Familie in Coburg, Kollege Rainer die Angehörigen in Österreich besucht. Jetzt hoffen beide, dass sie nicht auch noch an Heilig Abend nur zur Stippvisite zuhause vorbeischauen dürfen.