Mit jedem Mastschwein, das Ernst Buck in diesen Tagen verkauft, macht er ein Minus von etwa 55 Euro. "Wir zahlen drauf", sagt der Landwirt aus Holzkirch und seit Februar Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen. Die Preise, die Einzelhandelsriesen wie Lidl, Aldi und Edeka derzeit aufriefen, reichten nicht, um die Kosten für Aufzucht, Mast und Stall zu decken: "Wir leben von der Substanz." Im optimalen Fall bringe eine Sau mit 94 Kilo Schlachtgewicht - Blut und Innereien werden nicht vergütet - dem Bauern etwa 133 Euro. Die Produktionskosten jedoch lägen jenseits der 180 Euro, erklärt Buck und legt entsprechende Kalkulationen vor. Bei einem Kilopreis von zwei Euro könnte er schwarze Zahlen schreiben. Gerade so. Dann blieben ihm 3,91 Euro Gewinn pro Tier.

Eine Preissteigerung aber sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Vor Pfingsten haben die Schweinefleischpreise leicht angezogen", sagt Buck. In Erwartung von Grillwetter und damit erhöhten Absatzzahlen hätten die Einkäufer der Discounter die Erzeugerpreise leicht erhöht. Nun aber habe es über die Feiertage geregnet. Bald werden daher neue Preise kommen. "Davor habe ich richtig Bauchweh."

Das Auf und Ab des Schweinefleischpreises ist nicht neu. "Schweinezyklus" nennen Ökonomen diese Schwankungen. Doch die Ausschläge nach oben werden immer geringer. Als Grund nennen offizielle Statistiken eine Überproduktion von Schweinefleisch. Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland lag 2015 demnach bei 120 Prozent. "Das glaube ich nicht", sagt Buck. Er kritisiert die Berechnungsgrundlage für diese Zahlen. Nicht das Lebendgewicht eines schlachtreifen Schweines sei ausschlaggebend, sondern einzig und allein das Schlachtgewicht ohne Blut und Innereien. "Rechnet man damit, liegt der Selbstversorgungsgrad bei nurmehr 85 Prozent."

Fest steht: Die Schweinebauern können mit den aktuellen Erlösen nicht überleben. Im November vergangenen Jahres wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge deutschlandweit 27,7 Millionen Schweine gehalten. Dies ist der niedrigste Stand seit 2011. Auch in Baden-Württemberg sei die Situation für die Bauern schwierig: "Allein 2015 mussten zehn Prozent der Sauenhalter im Land ihre Betriebe aufgeben", sagt Buck. Wie sich eine Kehrtwende schaffen ließe, weiß auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbands nicht. "Die Politik kann das nicht richten", befürchtet er.

Die Macht der großen Einzelhändler sei gigantisch, "wenn Aldi sagt, das Ferkel muss rückwärts aus der Sau raus, dann muss das so passieren". Was der Handel nachfrage, müsse produziert werden, wer außerhalb der vorgegebenen Norm agiere, werde abgestraft. An Belegen für seine Aussagen mangelt es Ernst Buck nicht. So habe ein Kollege aus der Region nur 88 Cent je Kilo für eine seiner Sauen erhalten, weil das Tier mehr als 105 Kilo Schlachtgewicht auf die Waage brachte. "Das ist nicht erwünscht." Die Produktion müsse wie am Fließband laufen, "dass wir mit Individuen und nicht mit Schrauben arbeiten, wird oft vergessen".

Den Hebel, die Situation der Schweinebauern zu verbessern, habe einzig und allein der Verbraucher in der Hand. Sieben Euro pro Kilo koste ein halbes Spanferkel mit Knochen dieser Tage beim Discounter. "Davon sieht der erzeugende Landwirt 70 Cent", sagt Buck. Die Gewinnmarge der Händler sei dagegen gigantisch. Weigerten sich deutsche Bauern, ihr Fleisch zu diesen Preisen abzugeben, lande eben Ware aus Holland, Dänemark und Spanien in den Regalen. "Legen Sie Wert auf Regionalität", wirbt Buck daher. Wer Fleisch und Wurst beim örtlichen Metzger statt beim Discounter kaufe, leiste einen wichtigen Beitrag zum Überleben der viehhaltenden Betriebe in der Region.

Während die Schweinebauern noch um bessere Erzeugerpreise kämpfen, zieht bereits die nächste Problematik auf: Zum 1. Januar 2019 will die Bundesregierung die betäubungslose Kastration männlicher Ferkel verbieten. Für Ernst Buck, weitere Erzeuger und den Kreisbauernverband Ulm-Ehingen ist das "eine Katastrophe". Denn: "Trotz intensiver Forschung stehen bis zum heutigen Tag keine zugelassenen und praxistauglichen Betäubungsmittel für Ferkel zur Verfügung." Das vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz empfohlene Narkosemittel Isofluran lehnt der Deutsche Bauernverband ab: "Die schmerzlindernde Wirkung einer Betäubung mit Isofluran ist wissenschaftlich umstritten", heißt es in einer Stellungnahme des Verbands. Zudem sei das Mittel in Deutschland nicht für den Einsatz an Schweinen zugelassen. Was bleibe, sei die Möglichkeit einer Immunokastration junger Eber, mit der die Produktion des Geschlechtshormons Androsteron durch eine Impfung unterdrückt werde. Ob der Verbraucher das Fleisch entsprechend behandelter Tiere akzeptiere, sei jedoch fraglich, meint Buck.

Damit seien die Bauern wahrscheinlich gezwungen, nicht kastrierte Eber zu mästen. Mit allen Folgen, denn unter jungen Ebern komme es häufig zu Rangkämpfen mit teils dramatischen Verletzungen. Die Tiere seien insgesamt aggressiver, erläutert Buck. Zudem entwickle das Fleisch in 2 bis 20 Prozent der Fälle bis zur Schlachtreife den charakteristischen Ebergeruch und sei dann auch nicht mehr zu vermarkten.