Innovation Wirtschaft konkret: Schwäbischer Geiz treibt Erfinder an

Dieter Leibing rückt dem Unkraut, das auf seinem Acker zwischen dem Weizen hochkommt, mit einer Hacke zu Leibe, die er eigenhändig konstruiert und gebaut hat: Er meldete für die technischen Neuerungen ein Patent an.
Dieter Leibing rückt dem Unkraut, das auf seinem Acker zwischen dem Weizen hochkommt, mit einer Hacke zu Leibe, die er eigenhändig konstruiert und gebaut hat: Er meldete für die technischen Neuerungen ein Patent an. © Foto: Volkmar Könneke
Ballendorf / Regina Frank 09.08.2018

Er hat sie aus dem Kopf heraus gebaut. Ohne Konstruktionsprogramm. Und schon das erste Versuchsmodell seiner neuartigen Hacke funktionierte. Der Prototyp ist im fünften Jahr auf den eigenen Feldern auf der Schwäbischen Alb im Einsatz und dient Dieter Leibing (51) dazu, jenen unerwünschten Pflanzen beizukommen, die sich auf dem Acker gerne breitmachen: Kamille, Klee, Wiesenstorchschnabel, Quecke. Gemeinhin Unkraut genannt. Im Öko-Landbau wird hier von Beikräutern gesprochen, und es geht auch nicht um eine 100-prozentige Beseitigung, sondern darum, derartige Gewächse zurückzudrängen und in Schach zu halten – damit das, was wachsen soll, also der Weizen, der Dinkel oder die Ackerbohne, gut gedeihen kann. Vor einem Jahr meldete Dieter Leibing für seine neuartige Hacke ein Patent an.

Eine Innovation im Handwerk, die ganz ohne Innovationsgutschein und ähnliche öffentliche Förderungen gelang. Die Erfindung kam so zustande: Dieter Leibing ist hauptberuflich Landwirt und baute nebenher einen Maschinenbaubetrieb auf. In diesem Mann ist zweierlei Wissen vereint: Als Bauer weiß er, wie sich Ackerboden verhält. Und als Maschinenbau-Mechaniker-Meister kennt er sich mit technischen Fragen und Lösungen aus. Dieser Umstand erleichtert die Ideenentwicklung und -umsetzung. Den Ausschlag, sich überhaupt mit dem Thema  Hacken zu beschäftigen, gab jedoch etwas ganz anderes, nämlich: schwäbische Sparsamkeit.

Dem Landwirt waren die herkömmlichen Maschinen zu teuer, zu wartungsaufwendig und obendrein ungenau, nicht gründlich genug. „Sie kratzen zu hoch über dem Boden oder bohren sich zu tief rein.“ Nicht immer und auf ganzer Linie, aber stellenweise – abhängig von Unebenheiten und anderen Bodenbeschaffenheiten. Leibing war jedenfalls unzufrieden mit der Funktionsweise der bisher vorhandenen Technik, weil infolgedessen in einem Fall das Unkraut nicht richtig erfasst und im anderen die Wurzeln der Kulturpflanze verletzt werden.

Als er den Hof in Ballendorf auf Bioanbau umstellte und sich dafür nach einer Hacke umschaute, sei er ob des Preises für die angebotenen Geräte richtig erschrocken, erzählt er: „Für sechs Meter 24 000 Euro!“ Soll heißen: für eine sechs Meter breite Hacke. Leibing trat an mit dem Ziel, eine einfachere Technik, die besser funktioniert und weniger kostet, zu realisieren. Er hat die Hacke ursprünglich lediglich für sich selbst konstruiert und gebaut. Drei Monate brauchte er von der Idee bis zum fertigen Gerät. Schließlich verkaufte der Erfinder auch einige Exemplare. Zum Preis von rund 2000 Euro pro Meter Arbeitsbreite. Alles nach Auftrag, alles Einzelanfertigungen. Der Schwabe baut nichts auf Lager.

Im Wesentlichen besteht die Innovation darin, dass Leibing im Gegensatz zu anderen Herstellern für sein Gerät keine Räder verwendet, sondern Gleitkufen. Außerdem hat er sich eine neuartige Aufhängung ausgedacht, die mit einem einzigen Gelenk auskommt.

Der Erfinder macht keine Werbung für die Hacke. Denn er hat Sorge, dass ihm „die Sache zu schnell über den Kopf wachsen könnte“, zumal er in seinem Ein-Mann-Maschinenbau-Betrieb ja auch viele andere Produkte herstellt: Komponenten für Wasserarmaturen des Großkunden Erhard, Bolzen und Hülsen für den Schalungs- und Gerüsthersteller Peri. Und als Ehemann und Vater von drei Kindern muss er jetzt schon zusehen, dass die Familie nicht zu kurz kommt.

Anfrage von Landesanstalt

In der Szene spricht sich die Erfindung auch so herum. Leibing hat mehr Anfragen, als ihm lieb ist, sogar ein konventioneller Landwirt ist darunter. Gerade wurde er von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt zu einer Fachveranstaltung eingeladen, bei der „einfache und intelligente Lösungen für die Unkrautregulierung“ demonstriert werden.

Leibing ist übrigens schon wieder am „hirnen“ (Leibing über Leibing). Ein anderer Landwirt hat ihn dazu angestiftet: Ob er nicht eine Idee für eine Bodenbearbeitungsmaschine hat, eine für sehr steinigen Boden . . .

Wirtschaftslexikon

Definition Im Wortsinn stellt eine Innovation eine Neuerung dar. Umgangssprachlich wird der Begriff verwendet, wenn es um neue Ideen wie zum Beispiel eine Erfindung geht. Sollte diese ein Produkt, eine Dienstleistung oder Ähnliches erneuern, beziehungsweise auf den neuesten Stand bringen, spricht man von einer Innovation. (Quelle: HWK Ulm)

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