Langenau / OLIVER HEIDER  Uhr
Unternehmerisch denken, umweltbewusst handeln: Die Schülerfirma der Gemeinschaftsschule Langenau erhält dafür eine Auszeichnung.

Es ist wie im richtigen Leben: Das Produkt muss passen, Qualität, Verkaufsstrategie und auch die Arbeitsbedingungen müssen stimmen. „Wenn jeder was macht, ist das Klima gut. Daher ist es unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass jeder etwas zu tun hat“, sagt Marc von der Geschäftsführung, der hauptsächlich Zehntklässler der Gemeinscahftsschule Langenau angehören. 

Im Schuljahr 2015/16 war die Firma „Legendary Arts, Apples and Jeans“ an der Schule gegründet worden. Vorangegangen war ein Projekt, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Lebenslauf einer Jeans beschäftigt und sich Fächer übergreifend die Fragen gestellt hatten: Woher kommen die Baumwolle und die Stoffe? Wo und unter welchen Arbeits- und Umweltbedingungen entsteht das Kleidungsstück, das für wenig Geld in den Läden, Schränken und oft alsbald auf dem Müll landet?

Vielen ging es anschließend wie Zerrin und Giulia: Sie kaufen seither viel bewusster ein. Außerdem  übernahmen die Schüler eine Patenschaft für einen Altkleidercontainer mit Fairwear-Siegel auf dem Schulhof. Bald kam die Idee auf, nicht nur abgelegte Klamotten für einen guten Zweck zu sammeln, sondern etwas Neues daraus entstehen zu lassen – Stichwort Upcycling. Die Schülerfirma wurde gegründet, mit allen notwendigen Abteilungen. Kreative  wie Nicole sind für die Produktion zuständig. Sie analysieren den Markt, entwerfen und verbessern Modelle, lassen Prototypen herstellen. Hauptprodukte aus der Jeansverwertung, für die Näher und Näherinnen sowohl aus unteren als auch aus oberen Klassen arbeiten, sind Frisbees, Taschen, Schlüsselanhänger und neuerdings auch Sitzkissen. Kai, der gerne Bankkaufmann werden möchte, ist beispielsweise für die Finanzen zuständig, Benjamin für den Vertrieb.

Außerdem gibt es eine Fairtrade- und eine Personalabteilung. Die versucht derzeit, geeignete Bewerber für die unbesetzten Stellen im Marketing zu finden und vermittelt bei Konflikten. Die sollten schnell beigelegt und Probleme rasch gelöst werden, „sonst verlieren irgendwann alle die Lust“, sagt Marc. Das zweite Standbein der Firma ist die Apfelsaftproduktion der sechsten und siebten Klassen. Sie ernten die Früchte auf einer Streuobstwiese und pressen den Saft in der Göttinger Mosterei. 1000 Liter haben sie dieses Jahr in die Kanister abgefüllt, die jetzt an die Abnehmer verkauft werden wollen. Dazu müssen sich Benjamin und seine Mitstreiter die richtige Strategie ausdenken.

 Denn „auch das Gymi produziert und verkauft Apfelsaft“, sagt Benjamin. Die Schülerinnen und Schüler nehmen ihre Jobs ernst und lernen dabei sehr viel für ihre berufliche Zukunft. Im „Firmenalltag“ ebenso wie bei ganz besonderen Anlässen. So präsentierten sie ihr Projekt vor etwa 500 Gästen bei der Verleihung des Würth-Bildungspreises, wie Konrektorin Carola Hemminger, zuständig im Kollegium für die Schülerfirma, nicht ohne Stolz berichtet.

Der Würth-Bildungspreis

Projekte Jedes Jahr wird der Würth-Bildungspreis für schulische Projekte vergeben, die sich durch unternehmerisches Handeln und Denken auszeichnen. Denn „der Wirtschaftsstandort Deutschland ist auf kluge Köpfe angewiesen, die auch den Mut haben, ihre Ideen später in Unternehmen zu verwirklichen. Dies möglichst früh zu fördern, ist das Ziel des Würth Bildungspreises“, schreibt Reinhold Würth dazu. 2016 wurden unter vielen Bewerbern sechs Schulen ausgewählt. Die Gemeinschaftsschule Langenau erhielt den mit 2000 Euro dotierten dritten Preis und ist für weitere drei Jahre Mitglied im Förderkreis, der zu Vorträgen und Firmenbesichtigungen eingeladen wird.