Laichingen / SABINE GRASER-KÜHNLE 40 französische Schüler aus La Verpillière waren eine Woche lang zu Gast bei der Anne-Frank-Realschule in Laichingen. Reformen im Nachbarland könnten eine Gefahr für künftigen Schüleraustausch sein.

Aufmerksamen Laichingern konnte der Besuch der 40 französischen Schüler nicht verborgen bleiben: in französisch-deutschem Durcheinander plaudernde Gruppen zogen immer mal wieder fröhlich durch die Innenstadt. Zum fünften Mal haben die Realschullehrerinnen Stefanie Haas, Carolin Lehle und Ingeborg Miller den Schüleraustausch mit der Schule in der Nähe von Lyon, der auf ihre Initiative zurückgeht, organisiert.

Vom vergangenen Donnerstag bis zum heutigen Abreisetag haben die jungen Menschen Laichingen, die Umgebung und die weitere Schwäbische Alb bis zum Bodensee erkundet. So erlebten sie deutsche Kultur und Mentalität ganz direkt und konnten ihre Sprachkenntnisse vertiefen. Etwas, was beim offiziellen Empfang im Alten Rathaus durch Bürgermeister Klaus Kaufmann und Schulleiter Johannes Treß als besonders wesentlich hervorgehoben wurde. "Es ist wichtig für die Völkerverständigung, dass ihr unsere Stärken und die eine oder andere Schwäche kennenlernt", sagte der Bürgermeister. Er berichtete den Zwölf- bis Fünfzehnjährigen zudem von der Laichinger Wirtschaftsstruktur. Ein Thema, das vielleicht in diesem zarten Alter noch nicht besonders interessiert, und doch könnte dieses Wissen irgendwann zu einem umfassenden Verständnis zwischen den Völkern beitragen.

Der Schüleraustausch sei elementar wichtig, meinte Stefanie Haas: "Wir können im Unterricht die Sprache und einiges über die Kultur vermitteln. Doch beim Austausch werden Hemmungen abgebaut, die Sprache zu sprechen. Die Schüler öffnen sich der Sprache und erst recht dem noch fremden Land." Außerdem würden oftmals lang anhaltende Freundschaften geknüpft.

Dass 2016 in Frankreich der bilinguale Unterricht möglicherweise abgeschafft werden soll und zum selben Zeitpunkt im Ländle die Wahl des vierten Hauptfaches an den Realschulen auf die sechste Klasse vorverlegt wird, bereitet den Lehrerinnen auf beiden Seiten des Rheins Sorge. "Wir befürchten einen massiven Rückgang der Französisch- oder Deutschschüler", sagt Stefanie Haas. Aufzugeben und die Hände in den Schoß zu legen, kommt für die drei Realschullehrerinnen aber nicht in Frage. Es werde immer wichtiger, den Schüleraustausch so attraktiv wie möglich zu gestalten. Allein die Aussicht, mit dabei zu sein, sollte den Schülern Motivation genug sein, die Sprache zu erlernen. Eine Herausforderung, die nicht nur von den Lehrerinnen an der Realschule, sondern auch von den Kolleginnen am Laichinger Albert-Schweitzer-Gymnasium angenommen wird. Denn auch dort, wo ein Austausch mit Schulen aus der Partnerstadt Ducey besteht, ist das ein aktuelles Thema.

Noch sind es oftmals fast zu viele Französischschüler, die nach Laichingen kommen möchten, sagt der Rektor des Laichinger Gymnasiums Hermann Persch. "Die große Frage ist, wie lange noch." Er betont, dass es auch an den Lehrern in Frankreich liegt, den Schülern die Bedeutsamkeit des Deutschunterrichts zu vermitteln. "Von unserer Seite aus können wir nur sagen: ihr seid willkommen, wir bieten euch etwas."